Faustschlag nach Geburtstagsparty

Bad Aibling - Keinen glücklichen Abschluss fand die Geburtstagsparty dreier Freunde, die sich nachts gegen 3 Uhr auf den Heimweg gemacht hatten. Unterwegs lief ihnen ein anderer, stark alkoholisierter Nachtschwärmer über den Weg.

Das, was bei der Begegnung im Finsteren geschah und wie und warum es zur Schlägerei kam, das wird vermutlich auch weiterhin im Dunklen bleiben. In der Anklageschrift heißt es, obwohl es zwischen dem stark betrunkenen Nachtschwärmer und den drei von der Geburtstagsparty heimkehrenden Freunden während einer etwa zehnminütigen Unterhaltung keine verbale Auseinandersetzung gegeben habe, habe der 30-Jährige ohne rechtfertigenden Grund einem der drei Freunde mit der geballten Faust ins Gesicht ge-schlagen. Das Trio versicherte unisono, keiner von ihnen hätte Alkohol getrunken.

Der Geschädigte erlitt durch den Schlag eine etwa drei Zentimeter lange, stark blutende Platzwunde über dem linken Auge, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung hatte sich nun der Schläger vor dem Bad Aiblinger Amtsgericht unter Vorsitz von Strafrichterin Dr. Stefanie Oberländer zu verantworten.

Um was ging es nun tatsächlich in jener nächtlichen Unterhaltung, die mit einer Schlägerei endete? Der seinerzeit stark alkoholisierte Angeklagte soll den drei Heimkehrern auf deren Frage "Wohin des Weges?" überraschend geantwortet haben, dass er irgendwelche Kühe auf der Weide freilassen wolle, denn als Vegetarier habe er etwas dagegen, dass die Viecherl dem Metzger zugeführt werden sollen.

Einer der drei Freunde, so mutmaßt der Verteidiger des Angeklagten, der Rosenheimer Rechtsanwalt Dr. Alexander Michel, muss ob dieser Antwort "irgendeinen Schmarrn daher gred't haben", worauf sich der betrunkene "Tierfreund" möglicherweise auf die Schippe genommen und provoziert gefühlt und deshalb plötzlich zugeschlagen habe.

Der Schläger, von Strafrichterin Dr. Stefanie Oberländer nach den nächtlichen Vorgängen befragt, konnte sich an nichts mehr erinnern und meinte, er habe vermutlich in jener Nacht einen "Filmriss" gehabt. Wieviel Alkohol er intus hatte, ist nicht bekannt, denn eine Blutprobe war ihm nicht ent-nommen worden. Nach eigenen Angaben habe er "so um die acht Bier" getrunken. Recht forsch ging die junge Staatsanwältin dann zu Werke. In ihrem Plädoyer forderte sie für den Angeklagten wegen dessen einschlägiger Vorstrafen eine achtmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Das allerdings schien Strafrichterin Dr. Oberländer etwas überzogen zu sein, denn sie war der Ansicht, dass der Angeklagte, der sich nur als "Gelegenheitstrinker" bezeichnete, trotz einschlägiger Vorstrafen derzeit unter dem positiven Einfluss seiner "neuen großen Liebe" versuche, sein Leben in den Griff zu bekommen. Ein psychiatrisches Gutachten bestätigt ferner, dass für den Angeklagten aufgrund der erheblichen Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt eine verminderte Steuerungsfähigkeit und somit auch eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden könne.

Zugunsten des Angeklagten sprach auch, dass er sich im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleiches bereit erklärt hatte, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro zukommen zu lassen. Und so kann der Angeklagte von Glück reden, dass er trotz seiner Vorstrafenliste nochmals glimpflich davonkam: Das Urteil lautete auf eine fünfmonatige Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ferner hat der Angeklagte einen Betrag in Höhe von 1000 Euro, zahlbar in monatlichen Raten, an eine gemeinnützige Stiftungsgesellschaft zu überweisen.

Dem Verurteilten gab Richterin Dr. Oberländer den Hinweis mit auf den Heimweg, dass er, falls er rückfällig werde, keine Milde mehr zu erwarten habe.

Nicht weiter angesprochen und hinterfragt in der Verhandlung wurde, ob der Angeklagte sich in jener Nacht nach der Schlägerei noch weiterhin als "Tierfreund" betätigt habe. Das blieb wie so manches andere "im nächtlichen Dunkel verborgen".

je/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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