"Unmöglich, den Unfall zu vermeiden"

Feldkirchen-Westerham - Ein Autofahrer (22) stand nun vor Gericht, weil er ein Kind anfuhr. Obwohl der Unfall nicht vermeidbar war, bekam er eine Geldstrafe.

Es herrschte lebhafter Verkehr an jenem Samstag, 26. April, an der Ampelkreuzung in Feldkirchen-Westerham.

Ein Maurer stand mit seinem Auto in der Rechtsabbiegerspur und wartete auf grün. Als er um die Ecke gerollt war und gerade wieder beschleunigen wollte, tauchte seinen Schilderungen zufolge urplötzlich ein Bub vor seinem Wagen auf. Er habe sein Fahrzeug sofort zum Stehen gebracht - hätte es aber nicht verhindern können, dass er den Buben noch umstieß.

Dieser sei auch nicht großartig verletzt gewesen. Er wollte schon weiterlaufen, ließ sich aber doch zum Dableiben nötigen und wurde vorerst auf eine Decke gelegt, bis der alarmierte Sanka eintraf.

"Unmöglich, den Unfall zu vermeiden"

Der Fahrer, dem der Staatsanwalt fahrlässige Körperverletzung vorwarf, behauptete, es sei ihm unmöglich gewesen, den Unfall zu vermeiden. Das Kind sei so plötzlich vor ihm aufgetaucht, dass er trotz niedriger Geschwindigkeit und sofortiger Reaktion keine Chance gehabt hätte.

Die drei Zeugen berichteten übereinstimmend, dass der Bub urplötzlich losgesprintet sei. Außerdem habe er die Straße nicht geradewegs über den Fußgänger-Übergang überquert, sondern wäre auffallend schräg über die Straße gerannt. Zwar habe er fraglos grün gehabt, aber sein Verhalten wäre gewiss nicht verkehrskonform gewesen.

Einer der Zeugen nahm den Angeklagten besonders in Schutz: "Ich behaupte, niemand hier im Gerichtssaal hätte als Autofahrer diesen Unfall vermeiden können".

Fünf Verstöße in vier Jahren

Das Gericht war von den Aussagen durchaus beeindruckt. Allerdings relativierte sich dieser Eindruck, als das frühere Verkehrsverhalten des Westerhamers zur Sprache kam. Es stellte sich heraus, dass der 22-Jährige in nur vier Jahren immerhin bereits fünfmal aufgefallen war: Ein Unfall wegen falschen Überholens, zweimal überhöhte Geschwindigkeit, eine fahrlässige Körperverletzung und auch wegen Telefonierens mit dem Handy beim Fahren.

Richterin Isabella Hubert: "Normalerweise würde ich dieses Verfahren einstellen, zumal bei dem Buben auch keine wirklichen Verletzungen aufgetreten sind. Wenn ich mir aber ihr bisheriges Verhalten im Straßenverkehr betrachte, kommt mir der Verdacht, sie hätten sich womöglich doch sorgfältiger verhalten können".

Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer eine Geldstrafe von 750 Euro, der Verteidiger hielt 500 Euro für schuldangemessen. Die Richterin blieb in ihrem Urteil noch einmal darunter. Sie hielt einen Denkzettel von 450 Euro für ausreichend.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © pa

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