Angst um Hab und Gut in Feldolling

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Kommt es nach der Fertigstellung des geplanten Polders zu einem so genannten hundertjährlichen Hochwasser, wird der blau eingestrichelte Bereich südlich von Feldolling überschwemmt. Je dunkler der Bereich eingefärbt ist, desto tiefer steht dort das Wasser. "Weiß" (links) bedeutet beispielsweise unter einem Meter Wassertiefe, dunkelblau (rechts) bis zu sieben Meter.
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Feldolling - Nach wie vor umstritten ist der Bau des geplanten Hochwasser-Rückhaltebeckens bei Feldolling. Seit zehn Jahren laufen Bürger Sturm dagegen.

Sie befürchten, dass im Fall eines Hochwassers ihre Keller voll laufen und Häuser beschädigt werden. Ein von Gemeinde und Ortsrat hinzugezogener Hydro-Geologe deutete jetzt an, dass bei den Berechnungen der Wasserpegel für den Ernstfall unter Umständen unsauber gearbeitet wurde. Christoph Wiedemann vom Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim versichert jedoch, dass die Berechnungen korrekt sind.

Viele Feldollinger, darunter auch zahlreiche Landwirte, haben Angst um ihr Hab und Gut. Das wurde auch bei der jüngsten Informationsveranstaltung deutlich.

"Jetzt wird es ernst", erklärte Josef Hupfauer vom Ortsrat eingangs der Veranstaltung im Dachgeschoss des Feuerwehrhauses. Die Stimmung dort war buchstäblich angespannt. Das Interesse der Bürger war groß, der Ärger ebenso und das Feuerwehrhaus platzte an diesem Abend aus allen Nähten.

Irgendwann Anfang 2011, so Hupfauer, soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Innerhalb einer rund vierwöchigen Frist müssten anschließend alle Einsprüche gegen das geplante Bauwerk, das ein Volumen von rund 4,7 Millionen Kubikmeter Wasser fassen soll, beim Verwaltungsgericht eingehen. "Und das werden voraussichtlich viele sein", ist sich Hupfauer sicher.

Mehrfach war bereits die Rede davon, dass Feldkirchen-Westerham mit dem größten Anteil des Mangfall-Hochwasserschutzes bis hinunter nach Rosenheim zu tragen habe. Vor allem die Feldollinger können sich mit den Planungen des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim (WWA) nicht anfreunden: Sie wollen nicht, dass in unmittelbarer Nähe zu ihren Häusern und auf ihren Grundstücken ein riesiger Polder entsteht. "Mit einem halb so großen Becken könnten wir leben, aber nicht mit diesem Monster", fasste Hupfauer zusammen.

Er geht zudem davon aus, dass sich die jetzt schon prekäre Grundwassersituation weiter verschärfen wird. "Wir wollen nicht, dass unsere Keller voll laufen", sagte er.

Existenzängste löse der geplante Bau bei einigen Landwirten aus. Komme es zu einem so genannten Jahrhunderthochwasser, werde über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg der Boden unbrauchbar - eine "Katastrophe" wie der Ortsrat warnte.

Kritik übte Hupfauer auch an der Wirkung des geplanten Bauwerks: Nur an einer Stelle in Feldolling verbessere sich die Hochwassersituation: am Klärwerk. An allen anderen Punkten seien die beauftragten Experten zu dem Ergebnis gekommen, dass sich im Ernstfall an den Wasserständen gar nichts oder nur minimal positiv etwas verändere.

"Das ist ja auch nicht nötig", fügte der Gemeinderat ironisch hinzu. Schließlich müsse das WWA nur sicherstellen, dass sich die Situation auf keinen Fall verschlechtert. Eine Verbesserung sei dagegen nicht zwingend notwendig und nur für die so genannten Unterlieger wie Bruckmühl, Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim vorgesehen.

Für weitere Unruhe sorgte Hydro-Geologe Dr. Werner Knorr, der von Gemeinde und Ortsrat beauftragte Gutachter. Er hatte vor wenigen Tagen das Grundwassermodell erhalten, das einst auf Drängen des Ortsrats nach einem Treffen mit dem damaligen Umweltminister Werner Schnappauf in Auftrag gegeben wurde. Obwohl Knorr nur einen kurzen Blick in die Unterlagen geworfen hatte, stand eines für ihn bereits fest: Die vom WWA errechneten Daten entsprechen seiner Meinung nach nicht ganz der Realität. Knorr stellte im Vergleich zu seinen Berechnungen Abweichungen bei den Pegelständen "im Meterbereich" fest. Die Genauigkeit des Modells sei somit nicht ausreichend.

Diesen Vorwurf lässt Christoph Wiedemann, Leiter der Planungsabteilung im WWA, nicht auf sich sitzen. Der Freistaat Bayern nehme viel Geld in die Hand für das Projekt. Das Modell sei von guten Fachleuten und mit größter Sorgfalt erarbeitet worden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier etwas nicht stimmt", erklärte Wiedemann auf Nachfrage unserer Zeitung. Dennoch sei er bereit, sich mit den Beteiligten nochmals über das Thema zu unterhalten, wenn sich herausstellt, dass die eine oder andere Zahl nicht ganz korrekt sei. "Wir sind hier ganz offen", fügte er hinzu.

Zudem stelle das WWA sehr wohl sicher, dass sich die prekäre Grundwassersituation nicht weiter verschärfe. Wiedemann versicherte, dass es in keinem Fall zu einer Verschlechterung komme. Auch eventuelle negative Wechselwirkungen bei einem gleichzeitigen Hochwasser an Mangfall und Feldkirchener Bach werde es nicht geben.

Um möglichst wirkungsvoll gegen das Projekt vorzugehen, will Rechtsanwalt Dr. Helmut Wölfel die Bürger aus Feldolling unterstützen. Er erläuterte die rechtlichen Vorgehensweise, bat aber um Verständnis, sich nicht um jeden Bewohner persönlich kümmern zu können.

"Das Becken kann man nicht mehr verhindern", schloss Hupfauer die Versammlung. Schließlich seien Alternativstandorte und -lösungen (Wörnsmühl, Naring, Grub bei Valley) - in Hupfauers Augen die Ideallösungen - nicht weiterverfolgt worden. Die beste Lösung sei es nun, das geplante Rückhaltebecken Feldolling nur halb so groß zu realisieren.

Schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde erhob Rudolf Hausruckinger in seinem Rückblick. 2004 habe diese behauptet, dass die Bürger intensiv in das Planungsverfahren bezüglich der Maßnahmen zum Hochwasserschutz miteinbezogen worden seien. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, woraufhin sich 2004 der Feldollinger Ortsrat gegründet habe. Dieser treffe sich seitdem jeden ersten Mittwoch im Monat und habe inzwischen gut 80 Sitzungen gehalten.

Martin Aerzbäck (Mangfall-Bote)

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