Diskussion um Komplex an der Karl-Wagner-Straße

Was passiert mit 45 Sozialwohnungen der Stadt Bad Aibling?

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Die Stadt möchte für ihre Liegenschaften in der Karl-Wagner-Straße und der Münchner STraße einen Architektenwettbewerb ausloben.
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Bad Aibling - Insgesamt 42 Wohnungen gehören der Stadt im Komplex an der Karl-Wagner-Straße 1 bis 7 und drei im Haus an der Münchner Straße 54. Das gesamte Areal soll nun überplant und modernisiert werden.

Bereits 2017 beauftragte die Verwaltung der Stadt Bad Aibling Architekten Schellmoser aus Rosenheim, eine Machbarkeitsstudie für das Gesamtareal der städtischen Liegenschaften an der Karl-Wagner-Straße 1 bis 7 und der Münchner Straße 54 zu erstellen.

Da das Bauvolumen doch sehr erheblich ist, wies Baudirektor der Regierung von Oberbayern, Roman Dienersberger darauf hin, dass ein öffentliches Vergabeverfahren in Form eines VgV-Verfahrens oder besser eines Architektenwettbewerbes auszuloben sei.

Der Stadtrat entschied sich in seiner jüngsten Sitzung für den Architektenwettbewerb, allerdings mit Auflagen. So soll ein Teil der bestehenden Gebäude erhalten bleiben. Außerdem soll geprüft werden ob dreigeschossige Bauweise mit Satteldach oder viergeschossig mit Flachdach realisiert wird. Darüber hinaus sollen zehn Prozent der Wohnungen Vierzimmerwohnungen werden. Bei den Sachpreisrichtern sollen auch Vertreter von SPD und Grüne dabei sein und bei den Fachpreisrichtern weniger Münchner. 

Das Architekturbüro von Angerer Konrad Fischer Urbaniak wurde mit der Vorbereitung und Begleitung des Architektenwettbewerbs beauftragt. Architektin Sandra Urbaniak stellte dem Stadtrat das geplante Wettbewerbsverfahren im Detail vor:

Bewohner sollen stets vor Ort bleiben können

Die Wohnanlage stammt aus den Jahren 1954/55 und wurde im Jahr 2017 von der Stadt erworben. Die Wohnungen entsprechen nicht mehr alle den heutigen Anforderungen, Zentralheizung und Sanitärbereiche müssten nachgerüstet werden, die Fassaden dem aktuellen Energiestandart entsprechend ertüchtigt, Barrierefreiheit hergestellt werden. Eine erste Machbarkeitsstudie der WGR Werkgemeinschaft Roschenheim zeigte, dass zudem großes Nachverdichtungspotential auf dem Wettbewerbsgrundstück besteht.

Ziel des Wettbewerbs ist es, auf dem zur Verfügung stehenden Grundstück durch Um- bzw. Neubau möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Besondere Herausforderung ist es hierbei, die Bauabschnitte so zu planen, dass die Bewohner der Wohnanlage stets vor Ort wohnen bleiben können.

"Die Wohnanlage ist ein Zeitzeuge. Das Gebäude direkt an der Münchner Straße ist zwar prägend, aber in schlechtem Zustand", so die Architektin. Was ist auf dem Areal überhaupt möglich? Man könnte laut Urbaniak mit Holzständerbauweise die bestehenden Gebäude um ein Stockwerk aufstocken. "Mit einem Flachdach kann man beispielsweise ein ganzes Stockwerk drauf bringen, ohne deutlich höher zu werden."

Zum Wettbewerbsverfahren

Für die Durchführung eines Architektenwettbewerbes gibt es Richtlinien vom Ministerium. Wettbewerbsgegenstand ist die Bauwerksplanung für den Neu- bzw. Umbau einer Wohnanlage an der Karl-Wagner-Straße. Der Wettbewerb wird als nichtoffener Realisierungswettbewerb ausgelobt. Das Wettbewerbsverfahren ist anonym. Urbaniak schlug Architekten und Preisrichter vor, die allerdings noch nicht festgelegt und noch zu diskutieren seien, was das Gremium auch prompt tat. Man war sich parteiübergreifend einig, dass die vorgeschlagenen Fachpreisrichter, welche alle aus München kamen, durch einheimische Vertreter ergänzt bzw. ersetzt werden sollen. 

Umbau oder Neubau?

Ein weiteres Thema, das die Mitglieder des Stadtrates ausführlich diskutierten war, ob es ein Umbau oder ein kompletter Neubau werden soll. Urbaniak würde das den am Wettbewerb teilnehmenden Architekten völlig offen lassen. Dem stimmte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Lechner so nicht zu: "Ist es nicht unsere Aufgabe zu klären, was erhalten bleiben kann und was weg muss? Für Architekten ist es ja immer gut, wenn alles weg kann und man neu bauen kann." Seine Prognose sei, dass neu bauende Architekten vom Preisgericht bevorzugt werden. Lechner sah auch Nachteile im Architektenwettbewerb. So sei man bei einer Auslobung gebunden, einen Preisträger zu nehmen. Auch Parteikollegin Petra Keitz-Dimpflmeier ist der Meinung, dass man sich eigentlich im Vorhinein im Klaren darüber sein müsse, was man wolle und wie viel Geld man in die Hand nehmen wolle. 

Bürgermeister Felix Schwaller stellte im Bezug auf die Kosten klar, dass es eine 100-prozentige Förderung gebe, wenn es die Vereinigten Gemeinnützigen Baugenossenschaften Bad-Aibling-Bruckmühl eG bauen, die bereits Interesse ankündigten.

Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) plädierte dafür, dass auch größere Wohnungen gebaut werden solle, da Menschen, die auf sozialen Wohnungsbau angewiesen seien, auch oft kinderreiche Familien haben. 

Martina Thalmayr (GOL) wollte, dass man auch die Ressourcenschohnung in die Planungen mit aufnehme.

Johann Schweiger (CSU) wies auch auf die Verkehrsführung hin: "Vor einem Wettbewerb gehört überlegt, wie das Gebiet erschlossen werden soll."

Quelle: mangfall24.de

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