Eine erfolgreiche Tourismusregion mit großen Herausforderungen

"Die Hütte brennt schon lichterloh" - Tourismus in der Region

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MdB Daniela Ludwig und Werkleiter Fritz Walter Keilhauer

Bad Aibling - Stadt und Landkreis Rosenheim gehören zu den starken Tourismusregionen in Deutschland. Ein zunehmender Fachkräftemangel und ein hoher bürokratischer Aufwand bei Investitionen und staatlichen Förderungen machen Touristikern und Bürgermeistern in der Region aber große Sorgen.

940.000 Gästeankünfte und fast 2,8 Millionen Übernachtungen gab es im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Rosenheim. Der Tourismus ist also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Region. Was sind die Herausforderungen für die Zukunft? Passen die Rahmenbedingungen? Oder gibt es von den Verantwortlichen im Tourismus Wünsche an die Politik? Diese Fragen diskutierte Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) mit Vertretern aus den Erholungsorten, Luftkurorten und Heilbädern der Region am Mittwoch in Bad Aibling. "Es gibt Herausforderungen, auf die wir reagieren müssen. Deshalb ist der Dialog mit den Touristikern und Bürgermeistern sehr wichtig", so Ludwig. 


Tourismus in der Region von existentieller Bedeutung

Bei der Thermenbesichtigung von links: Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland Christina Pfaffinger, 2. Bürgermeister Erwin Kühnel, MdB Daniela Ludwig, Werkleiter Fritz Walter Keilhauer und Kurdirektor Thomas Jahn.

Dass der Tourismus für die Wirtschaft der Region von existentieller Bedeutung ist, zeigte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland Christina Pfaffinger auf. „Der Tourismus steht bei uns für jährlich rund 800 Millionen Euro Brutto-Umsatz, gleichzeitig sichert er rund 13.000 Einwohnern den Lebensunterhalt. Daher ist es wichtig die Kräfte in der Region zu bündeln.“ Wo sind unsere Stärken? Auf diese Frage hin führte Pfaffinger gleich eine ganze Liste auf: Wir haben den Chiemsee, unser Bayerisches Meer, das älteste Moorbad, das höchste Gipfelkreuz, das größte Zwiebeldach, frei Zugänge zu den Seen, die Nähe zu München, den Gesundheitstourismus und vieles mehr. Sie betonte aber auch, dass man keine Tourismuspolitik ohne die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger machen dürfe.

Die Region kann mit Leuchtturmprojekten punkten. Das bewies Werkleiter Fritz Walter Keilhauer beim Rundgang durch die Therme Bad Aibling. „Das Bad ist in der oberbayerischen Landschaft einzigartig“, so Keilhauer. „3,2 Millionen Menschen haben die Therme Bad Aibling bislang besucht.“ Über 107.000 Gäste kamen im vergangenen Jahr in die Kurstadt Bad Aibling, berichtete der zweite Bürgermeister Erwin Kühnel. Im Vergleich zu 2016 habe es aber in den letzten beiden Jahren einen leichten Rückgang gegeben.


"Man wirft uns Knüppel zwischen die Beine"

Der Gesundheitstourismus hat die Region maßgeblich geprägt, dabei müssen Heilbäder und Kurorte besonders viel investieren, um im Wettbewerb zu bestehen, betonte Kurdirektor Thomas Jahn. „Die Heilbäder und Kurorte haben gerade in den letzten Jahrenunglaubliche Anstrengungen unternommen und viel investiert. Doch immer, wenn wir einen Schritt weiter kommen, wirft man uns neue Knüppel zwischen die Beine.“ So sei die steuerliche Förderung von Prävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement viel zu kompliziert, der Verwaltungsaufwand dafür zu hoch. Die Folge: Arbeitgeber würden die steuerlichen Erleichterungen bei der Prävention zu wenig in Anspruch nehmen. Neue Richtlinien zur Prädikatisierung der Heilbäder und die EU-Reiserichtlinie hätten neue Bürokratie geschaffen. „Unsere tägliche Arbeit wird dadurch sehr erschwert.“

"Die Hütte brennt schon lichterloh"

Rainer Lechner, Hotelier und  stellvertretender Kreisvorsitzender des DEHOGA Bayern

Der Hotelier am Aschbacher Hof und stellvertretende Kreisvorsitzende des DEHOGA Bayern Rainer Lechner sieht die Existenz von Hotels und Gaststätten durch den Fachkräftemangel in Gefahr. „Es ist kurz vor 12“, warnte Lechner. „Viele Gaststätten haben wegen des Fachkräftemangels nicht mehr geöffnet oder schränken die Öffnungszeiten ein.“ Seinen Betrieb könne er dank eines treuen Stammpersonals halten. „Aber Investitionen habe ich vorsichtshalber auf Eis gelegt.“ Lechner forderte eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie und mehr Netto vom Brutto für seine Mitarbeiter. „Wenn ich den Lohn um 100 Euro erhöhe, bleiben gerade 50 Euro übrig. Das geht nicht, so können wir unsere Leute nicht halten. Das bringt uns um. Die Leute wollen das Produkt aber wir können es ihnen nicht bieten. Die Hütte brennt schon lichterloh.“ Der Staat müsse auch den Zugang von ausländischen Arbeitnehmern aus Drittländern erleichtern, verlangten weitere Teilnehmer der Runde.

"Wir haben für alle Menschen Platz"

Behindertenbeauftragter Sepp Höck

Sepp Höck, dem Behindertenbeauftragten der Gemeinde Eggstätt ist es ein Anliegen, dass auch beeinträchtigte Menschen wieder baden können. Zusammen mit einer Stiftung für Behinderte wird er ab sofort alle Seen in Lamdkreis Rosenheim wo es möglich ist mit Baderollstühlen ausstatten. Die Gemeinden müssten nur auf ihn zukommen, dann würden die Stühle geliefert. Damit könne man auch den Tourismus in der Region bewerben. "Dann können wir hier sagen, wir haben Platz für alle Menschen."

Dringender Handlungsbedarf beim ÖPNV

Ein aktuelles Thema ist auch die Mobilität im ländlichen Raum. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, sagte der Aschauer Tourismuschef Herbert Reiter. „Gerade in Ferienzeiten haben wir kaum Verkehrsanbindungen in unserer Region. Wir brauchen dringend einen Nahverkehrsplan.“

Daniela Ludwig will den Dialog mit den Touristikern fortsetzen. „Ich habe aus diesem Runden Tisch viele Aufgaben mitgenommen, die die Politik auf allen Ebenen lösen muss. Beim Fachkräftemangel müssen wir überlegen, wie wir geeigneten Arbeitskräften aus dem Ausland eine Möglichkeit zur Beschäftigung bei uns ermöglichen. Das Thema Bürokratie bleibt eine Daueraufgabe, die wir aber nicht von heute auf morgen lösen können. Und die Mobilität im ländlichen Raum müssen wir gerade in unserer Region angehen. Wir haben eine tolle Landschaft, die jedes Jahr mehr Touristen anzieht. Doch diese Landschaft müssen wir erhalten. Sie darf nicht im Verkehr ersticken. Deshalb müssen wir Konzepte für einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr entwickeln.“

Quelle: mangfall24.de

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