Wie steht es um den Streit um das Bad Aiblinger Nachtleben?

"Nur wenige betroffen, dafür aber sehr massiv"

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Bad Aibling - Es schien, als sei Ruhe eingekehrt im Nachleben der Mangfall-Stadt. Ein Umstand der sich Dank wärmerer Temperaturen jedoch jetzt wieder geändert hat. Anwohner berichten: 

In den vergangenen Monaten war es etwas ruhiger geworden in der Innenstadt. Bereits rund ein halbes Jahr nach der Einführung der sogenannten "Ampelkarte" im Stadtgebiet von Bad Aibling zog das Ordnungsamt eine positive Bilanz, mangfall24.de berichtete. Nun, da die Nächte kürzer und die Temperaturen wieder höher werden, befürchten die Anwohner das Schlimmste. War das vergangene halbe Jahr nur die Ruhe vor dem Sturm?

Bürgermeister zeigt sich mit Entwicklungen sehr zufrieden

In der Sitzung im Juni legte das Ordnungsamt in Bad Aibling nun auch Rechenschaft vor dem Stadtrat ab. Bürgermeister Felix Schwaller fasst die Entwicklungen rund um die Feiermeile und die Ampelkarten an der Mangfall zusammen: "Ich habe die Rückmeldung erhalten, dass die Maßnahme gut ankommt. Ich gehe davon aus, dass es keine Probleme gibt, solange es auch keine Beschwerden von den Nachbarn gibt", so Schwaller. Die Maßnahmen seien beinahe durchwegs auf das Verständnis der jungen Leute gestoßen. Einen Grund, die Ampelkarte wieder abzuschaffen sieht Schwaller dabei nicht. "Wir wollen auch weiterhin das Sicherheits-Bewusstsein in der Innenstadt stärken und Unruhen im Keim ersticken", so der Bürgermeister weiter.

Um die Innenstadt weiter zu entlasten und den nächtlichen Pendelverkehr aus dem Umland zu unterbinden, habe Schwaller zudem eine seiner früheren Entscheidungen nochmal überdacht: Galt bei Veranstaltungen im Umkreis der Stadt im vergangenen Jahr noch "Licht aus um 2.30 Uhr", dürfen die Burschenfeste und Co. heuer wieder bis 4 Uhr feiern. "Wir haben uns dadurch viele Probleme selbst geschaffen", weiß Schwaller und verweist dabei auf die Tatsache, dass viele Jugendliche nach der Sperrstunde noch in den Stadtkern gewandert seien, um "den Abend ausklingen zu lassen."    

Resignation oder Abwarten?

Eines schickt Hans Joachim Wieland, der Sprecher der Bad Aiblinger Nachbarschaftsversammlung gleich vorweg: Dass keine Beschwerden bei den Zuständigen mehr eingingen, sei nicht darauf zurückzuführen, dass es keine Vorkommnisse gäbe. Bei den Betroffenen herrsche vielmehr eine Art Resignation über den Zustand. Man fühle sich von den Behörden und auch der Polizei schlicht nicht mehr ernstgenommen oder gehört. 

Da von den Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und nächtlichen Eskapaden in der Innenstadt zusätzlich nur vergleichsweise wenige Einwohner Bad Aiblings betroffen seien, hätten die Anwohner mittlerweile keine große Erwartung, dass sich die Situation künftig verbessere. "Es sind nur Wenige betroffen, dafür aber sehr massiv. Ich glaube nicht, dass den Stadträten bewusst ist, wie es zugeht", erklärt Wieland im Gespräch mit mangfall24.de.

Zerkratzte Autos, Beschädigungen an den Hauswänden, Urin, Exkremente, Erbrochenes, Müll; aus Sicht der Betroffenen gestalte sich die Situation "weitgehend unverändert negativ". Bei schlechtem Wetter könnten die leitgeprüften Innenstädter etwas durchatmen, nun befürchte die Versammlung das Schlimmste: "Wir haben deutlich gemerkt, dass es wieder los geht", so der Sprecher in Hinblick auf die vergangenen Tage und Wochen mit wärmeren Temperaturen.

Schwallers Forderungen nach einer belebten Innenstadt könne die Versammlung in mancher Hinsicht zwar nachvollziehen, dass der Bürgermeister "seine schützende Hand" über die Zustände halte, wolle man nicht hinnehmen. Kompromissvorschläge, wie zum Beispiel die Auslagerung der Feier-Betriebe an den Stadtrand oder eine Anlaufstelle in Form eines Jugendtreffs seien dabei schnell wieder vom Tisch gewesen. Aktuell überlege die Versammlung noch, wie das Problem ohne eine Sperrzeitverlängerung geregelt werden könnte. "Wenn wir die Läden um 1 Uhr zu machen, dann ist das Problem vom Tisch. Und auch der extreme Kneipentourismus hätte ein Ende", meint hingegen Hans Joachim Wieland. Den letzten möglichen Schritt stellten am Ende rechtliche Maßnahmen dar, die Wieland im Gespräch mit mangfall24.de jedoch nicht weiter ausführte.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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