Berufsschule Bad Aibling startet Berufsabitur BS+

Abitur neben der Ausbildung: so geht's 

Bad Aibling - Der Schulversuch BS+ startet nun für den Jahrgang 2017/18 auch in Bad Aibling. Am Dienstag, den 12. September, wurde zusammen mit Vertretern der Handwerkskammer, der IHK, des Bildungsausschusses und Politikern dieses Projekt näher vorgestellt.

Die Initiative BS+ wurde 2008/09 von der Stiftung "Bildungspakt" gemeinsam mit dem Staatsministerium ins Leben gerufen. Bayern ist Vorreiter was dieses neue Bildungssystem angeht: Bisher haben vier weitere Schulen, nämlich in Freilassing, Garmisch-Patenkirchen, Starnberg und Mühldorf, dieses Projekt gewagt.

Was ist Berufsabitur und wie läuft die Weiterbildung ab?

Ab dem ersten Ausbildungstag beginnt das "Berufsabitur". Über drei Jahre besuchen die Schülerinnen und Schüler zwei Mal wöchentlich den Zusatzunterricht in Deutsch, Englisch, Mathe sowie in jeweils einer Gesellschafts- und Naturwissenschaft. Am Ende der drei Jahre muss dann zusätzlich zur Prüfung der Ausbildung Prüfungen in Deutsch, Mathe und einer Gesellschaftswissenschaft abgelegt werden.

Voraussetzungen, um überhaupt das Berufsabitur absolvieren zu können, sind die mittlere Reife oder die Erlaubnis zum Vorrücken in die 11. Jahrgangsstufe, ein Notendurchschnitt von mindestens 3,5 in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathe und die Mindestausbildungsdauer von zwei Jahren.

Nach den drei Jahren können Schulabgänger an einer Fachhochschule studieren oder sogar die 13. Klasse der BOS besuchen und das Allgemeine Abitur nachholen.

BS+ - Berufsabitur auf Probe

Wieso BS+?

Während 2012 deutschlandweit noch 500.000 Ausbildungsverträge geschlossen wurden, waren es 2016 nur mehr 426.000. Vor Allem die Handwerkskammern und die Betriebe sehen diese Zahlen als Warnsignal. Unternehmen können zunehmend Stellen nicht besetzen, weil zu wenige Bewerber da sind. Diese Lücke soll nun mit dem Programm BS+ geschlossen werden.

"Wir vom Handwerk sind überzeugt, dass viele nach dem Abitur gar nicht unbedingt studieren wollen." - so Franz Xaver Peteranderl von der Handwerkskammer. Für leistungsstarke, praxisorientierte Jugendliche soll so eine sinnvolle Alternative geschaffen werden. Die Akademie- und Handwerkssäulen soll also miteinander verknüpft werden. Herr Otto Lederer aus dem Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags meint: "Es macht aus einer Schnittstelle eine Nahtstelle.".

Berufsabitur - Risiken und Vorteile:

Zwei Mal die Woche zusätzlich Abendunterricht: Das ist durchaus eine Doppel-Belastung für junge Schüler. Sicher ist auch nicht jeder für diese Schulart geeignet. Peteranderl, Vertreter der Handwerkskammer, begegnet dem jedoch mit: "Man kann nichts verlieren." Tatsächlich ist es so, dass, anders als z.B. in NRW, bei Schwierigkeiten in den Zusatzprüfungen die Ausbildung ohne Abi fortgeführt werden kann. Außerdem müssen Schüler sich nicht sofort entscheiden: Bis spätestens Dezember können sich die Jugendlichen noch für diese Weiterbildungsmöglichkeit entscheiden und die Zusatzstunden nachholen.

Ein steiniger Weg: Versuchsprojekt hat noch Hürden zu meistern

Ob das Ausbildungsprogramm BS+ Zukunft hat oder verworfen wird, ist von einigen Faktoren abhängig. Die baulichen Voraussetzungen seien gegeben, so Josef Huber vom Landratsamt. 100 Millionen Euro wurden zuletzt in Berufsschulen aus der Region investiert.

"Wir müssen die Notbremse ziehen!", fordert Dr. Eberhard Sasse der IHK München. Damit spielt er auf eine der wichtigsten Säulen der Wirtschaft an. Die duale Ausbildung oder "German Mittelstand" werde im Ausland sehr geschätzt.

Anwesende Unternehmen waren bereits begeistert von der Idee, mehr Bewerber für sich gewinnen zu können. Herr Peteranderl meint dazu, dass es den Schülern eine klarere Sicht gebe. Die Vielzahl an Studiengängen seien zum Teil irreführend. 

"Man muss auch eine Ahnung haben, wie Leben funktioniert."- so Eberhard Sasse von der IHK. 

Damit ein solches Projekt glücken kann, müssen Jugendliche, Eltern und Lehrer ausreichend informiert werden. Gerade in dem deutschen, komplizierten Bildungssystem ist das wichtig. BS+ ist ein Bildungsprogramm, das sicher nicht für jeden geeignet ist, aber eine Lücke für die Verknüpfung von Handwerk und Akademie schließen könnte.

Ramona Reiter

Quelle: mangfall24.de

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