So erlebt Schulbusfahrer Schorsch die Corona-Krise

„Wir sollten froh um jeden Fahrer sein, der nicht das Handtuch wirft“

Schorsch Nieder über Corona
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Schorsch Nieder über seine Erfahrung mit Corona.

Bad Aibling - Schorsch Nieder ist Schulbusfahrer in der Gegend um Bad Aibling und Ostermünchen. mangfall24.de erzählt er in einem Brief von seinen Erfahrungen mit der Corona-Krise:

Corona ist ja momentan das Thema Nummer eins. Und das ist auch gut so, aber halt nur so lange, bis es endlich vorbei ist. Zu dieser Thematik gehören unter anderem auch die Arbeitsbedingungen mancher Berufsgruppen. Den schwersten Job haben natürlich die Leute aus der Pflege, Ärzte, Schwestern und so weiter. Und da halte ich auch diesen viel zitierten „Coronabonus“, der ja leider nur mehr oder minder konsequent ausgezahlt wurde, für angebracht.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch viele andere Berufsgruppen, die durch die Pandemie deutliche Erschwernisse in ihrer Arbeit zu ertragen haben. Eine dieser Berufsgruppen ist neben Lehrern und Lehrerinnen, Kindergärtnern und Kindergärtnerinnen und vielen anderen, die der Busfahrer und Busfahrerinnen.

Letztere sitzen in dieser Zeit gleich zwischen mehreren Stühlen. Zuerst hat man sich als Busfahrer ja an die gesetzlichen Vorgaben beziehungsweise die Dienstanweisungen zu halten. Das an sich stellt kein großes Problem dar, die Durchsetzung gestaltet sich da jedoch oft schwieriger. Täglich haben die Fahrer mit Fahrgästen zu kämpfen, sowohl mit Kindern als auch Erwachsenen, die meinen, die Maskenpflicht würde für sie nicht gelten.

Und hier kommt es natürlich auch nicht selten zu mehr oder minder aggressiven und unverschämten Angriffen auf das Fahrpersonal. Dann gibt es auf der anderen Seite verständlicherweise auch Eltern und Lehrer, die finden, dass viele Busse für die momentane Situation überbesetzt sind.

Dieser Einwand ist verständlich und berechtigt, aber dafür können die Fahrer und meist auch die Unternehmen nichts. Erstens müssen Verstärkerbusse bezahlt werden. Da gibt es häufiger Probleme mit der Finanzierung beziehungsweise den zuständigen Behörden. Also werden keine zusätzlichen Busse geordert. Dazu steht auch nur eine begrenzte Anzahl von passenden Fahrzeugen und Busfahrern zur Verfügung.

Der zweite Punkt ist der Fakt, dass einfach eine feste Anzahl von Schülern zu einer bestimmten Zeit von A nach B müssen. Da von den Schulen beziehungsweise auch den Eltern hier eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die Gestaltung der Anfangs- und Auslasszeiten fehlt, wird auch von dieser Seite das Schüleraufkommen nicht reduziert.

Es ist eine verzwickte Situation, wegen der leider oft die Busfahrer von den Fahrgästen, Eltern und Lehrern angesprochen werden. Diese wollen sich meist nicht die Mühe machen, sich an die zuständigen Firmen, Schulen oder Behörden zu wenden.

Und als Letztes, aber sicher nicht als Geringstes, steht natürlich auch noch die eigene Gesundheit im Raum. Wir alle wissen um die Möglichkeiten des eigenen Schutzes und auch der momentan gebotenen Vorsichtsmaßnahmen gegenüber anderen. Aber dieser Schutz hat seine Grenzen. Manche Busse sind mittlerweile mit einer Plexiglaskabine ausgestattet. Diese ist aber nicht hermetisch zum Fahrgastraum abgeschlossen, irgendwie müssen ja Fahrkarten verkauft werden und auch der Blick zu den Spiegeln muss frei bleiben.

Schwierigkeiten im Berufsalltag auch bei Busfahrern

Wer sich hier also schützen will, kommt nicht umhin, eine Maske zu tragen. Am besten sind FFP2- oder FFP3-Masken, denn es steigen doch zwischen 150 und 300 Schüler über den Tag verteilt in den Bus ein. Im Linienverkehr sind es sogar noch bedeutend mehr Fahrgäste.

Diese Masken sollten aber nach vier Stunden gewechselt werden, das bedeutet mindestens zwei Stück pro Tag. Welche Extrabelastung da auf die Busfahrer zukommt - auf die „Höhe“ der Entlohnung dieser verantwortungsvollen Aufgabe soll hier jetzt einmal nicht genauer eingegangen werden - kann sich jeder leicht ausrechnen.

Und selbst wenn diese Masken gestellt werden, stellen Sie viele Fahrer vor ein einfaches Problem: Maske und Brille vertragen sich nicht. Aber gerade als Busfahrer sollte man immer alles klar im Blick haben. Daher wird auch in Bussen, in denen der Fahrerplatz vom Fahrgastraum irgendwie getrennt ist, auf das Tragen einer Maske verzichtet, da diese hier nicht vorgeschrieben ist.

„Wir sollten froh um jeden Fahrer sein, der nicht das Handtuch wirft“

Nur leider bleibt dann die Sicherheit der eigenen Gesundheit auf der Strecke. Dies soll jetzt kein Appell sein, auch den Busfahrern einen Corona-Bonus auszuzahlen, worüber sie sich allerdings sicher freuen würden und der auch angebracht wäre. Dieser Artikel soll nur einmal aufzeigen, dass wir froh um jeden Fahrer sein sollten, der nicht das Handtuch wirft und sich auf einen Lastwagen setzt. Dass wir froh sein sollten über jeden Buschauffeur, der uns mal rausfahren lässt, der uns freundlich grüßt und mit einem Lächeln die Fahrkarte verkauft.

Und froh um jeden Schulbusfahrer, der bei gefühlten 120 Dezibel hinter ihm, einem teils horrormäßigem Verkehr vor ihm und einem engen Fahrplan im Nacken trotzdem lieb zu den Kindern ist und auf deren Gesundheit achtet, während er sie sicher nach Hause bringt.

Wenn Sie diesen Leuten, die den öffentlichen Personennahverkehr am Laufen halten und uns täglich unsere Kinder heil heimbringen, mal etwas Gutes tun wollen, dann lassen Sie sie doch einfach von der Haltestelle abfahren, halten oder parken sie nicht an Haltestellen, gewähren Ihnen mal Vorfahrt, halten sich zur Sicherheit der Kinder an die Schrittgeschwindigkeit beim Vorbeifahren, haben Sie im Hinterkopf, dass der Fahrer wahrscheinlich einen sehr engen Fahrplan zu absolvieren hat - oder lächeln sie ihm einfach nur mal freundlich zu und winken.

Denn auch eine kleine freundliche Geste schenkt unseren Busfahrern ein großes Stück Freude, dass sie bei ihrem Job sicherlich gut gebrauchen können.

Schorsch Nieder

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