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Kreistag wird am Mittwoch informiert

Vier Jahre nach der Schließung: Bad Aiblings Geburtshilfe rückt in weite Ferne

Ein erster Schritt im Leben eines Menschen: In Bad Aibling wird es so schnell keine Geburtshilfe mehr geben. Foto: dpa
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Ein erster Schritt im Leben eines Menschen: In Bad Aibling wird es so schnell keine Geburtshilfe mehr geben.

Vier Jahre ist es her, dass die Geburtshilfe-Abteilung in der Romed-Klinik Bad Aibling dicht machte, der Ärger darüber sitzt im Mangfalltal noch immer tief. Doch immer war da auch die Hoffnung auf eine Wiederbelebung. Sie dürfte nun fürs erste schwinden. Auch wenn sich noch viele Politiker dafür stark machen.

Bad Aibling – Denn die Geburtshilfe weicht nun auch vom Papier: Sie soll aus dem Landeskrankenhausplan des Freistaats herausgenommen werden. Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart kritisiert das Vorhaben. Und spricht von „fadenscheinigen Begründungen und vollkommen falschen Angaben“.

Ministerium spricht von Profilschärfung

Der Zeitpunkt für Winharts Kritik kommt nicht von ungefähr. Am Mittwoch (13. Oktober) tritt der Kreistag zusammen. Bei der Gelegenheit werden Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram und Landrat Otto Lederer (CSU) den Kreistag informieren. Abstimmen wird der Kreistag nicht, die Entscheidung obliegt vielmehr dem Aufsichtsrat des Romed-Verbunds, dessen Co-Vorsitzender Lederer ist.

Es geht, so kann man die Vorlage zum Tagesordnungspunkts zusammenfassen, um eine Verlagerung des Schwerpunkts. Der Romed-Standort Bad Aibling soll als Grund- und Regelversorger im westlichen Landkreis sowie als Zentrum für Altersmedizin, elektive Chirurgie und HNO-Zentrum gestärkt werden.

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Dazu sei, so heißt es in der Vorlage, die Unterstützung durchs Gesundheitsministeriums nötig. Das steht „grundsätzlich profilschärfenden Maßnahmen sehr aufgeschlossen“ gegenüber, sagt eine Ministeriumssprecherin. Insbesondere erscheine es „naheliegend“, an dem Standort eine Spezialisierung im Bereich der Altersmedizin und der elektiven Chirurgie anzustreben. Das Vorhaben ist förderfähig.

Da wiederum die Geburtshilfe breiets vor vier Jahren geschlossen worden sei, sei es folgerichtig, wenn die „entsprechende krankenhausplanerische Zuweisung gestrichen“ werde.

Das Romed-Klinikum ortete 2017 seine Probleme mit der Geburtshilfe Bad Aibling im Personalbereich. Peter Lenz, damals Geschäftsführer der Romed-Kliniken, nannte die Anstellung von hauptberuflichen Ärzten als mögliches Szenario. Diese müssten aber auch erst einmal gefunden werden. Und da hakte es trotz Ausschreibung, wie sich Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) erinnert.

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Die Schließung aber sollte eine vorläufige sein. So versprach es seinerzeit Landrat Wolfgang Berthaler: „Es soll kein Abschied für immer sein.“ Und noch mitten im im Kommunalwahlkampf 2020 betonte Bad Aiblings CSU-Chef, Dr. Thomas Geppert, man werde nicht locker lassen.

Was Winhart 18 Monate darauf auf die Palme bringt. Der Romed-Geschäftsführer und ebenso die CSU-Mehrheit im Kreistag ließen kurz nach der Bundestagswahl „die Maske fallen“. Geppert räumt ein, dass „wir im Wahlkampf gesagt haben, dass wir uns für die Geburtshilfe engagieren“. Doch seien die Bedingungen derzeit schwierig. Das Modell mit Belegärzten sei nicht durchzuhalten, man bräuchte vielmehr 5,5 Stellen für eine Vollstation. Und die seien auch auf absehbare Zeit kaum zu besetzen.

Agatharied profitiert von der Schließung

Klaus Stöttner. Kreisrat und Landtagsabgeordneter der CSU, betont, dass die Qualität der Versorgung im Vordergrund stehe. Die sei am Romed-Standort Rosenheim hervorragend gewährleistet. Schon vor Bad Aibling schloss unter anderem die Geburtsstation in Bad Tölz. Stöttner findet aber, dass das Netz von Kreißsälen im Südosten Oberbayerns trotzdem noch immer dicht geknüpft sei.

Tatsächlich liegt die Geburtsstation im Krankenhaus Agatharied nur 25 Straßenkilometer entfernt von Bad Aibling. Agatharied profitierte von den Schließungen bei den Nachbarn. Direkt danach habe man bereits einen „deutlichen“ Anstieg der Geburten dort registriert, berichtet Melanie Speicher, Sprecherin des Krankenhauses.

„Wir wollen immer noch die Geburtshilfe“

Von 1037 im Jahre 2016 seien die Geburtenzahlen auf 1237 im Jahre 2017 gestiegen, 2020 lagen sie bei 1344. Speicher: „Bei uns entbinden auch viele Frauen aus dem Landkreis Rosenheim. Besonders für die Gemeinden im nördlichen und westlichen Landkreis, zum Beispiel Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham und Bad Feilnbach sind wir eine schnell zu erreichende Anlaufstelle.“

Die Politiker in Bad Aibling wollen das Thema dennoch nicht zu den Akten legen. „Wir wollen immer noch die Geburtshilfe“, sagen übereinstimmend Geppert und Schlier. Wenn Rosenheim die Zahl der Geburten irgendwann nicht mehr bewältige, „dann ist das vielleicht für Bad Aibling wieder drin“, sagt der Bürgermeister.

Eine Revitalisierung ist zumindest denkbar

Das Gesundheitsministerium würde kein Veto einlegen: „Sollte der Krankenhausträger in Zukunft erneut eine Geburtshilfestation betreiben wollen, ist selbstverständlich eine erneute Zuweisung möglich“. Und damit könnte eine Einrichtung über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen oder Förderung von Investitionskosten beantragen. Babygeschrei als Zukunftsmusik: Innerhalb der nächsten neun Monate wird man im Klinikum Bad Aibling damit aber sicher nicht rechnen können.

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