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Erinnerungen an Soldaten wachhalten

So geht es dem Bad Aiblinger Veteranenverein im 150. Jahr seines Bestehens

Der Vorsitzende des Bad Aiblinger Veteranenvereins zeigt Bilder der Kaserneneinweihung aus dem Jahre 1980.
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Der Vorsitzende des Bad Aiblinger Veteranenvereins zeigt Bilder der Kaserneneinweihung aus dem Jahre 1980.

Vorsitzender Udo Sebastian plant die Feierlichkeiten für das Vereins-Jubiläum, die eigentlich schon im vergangenen Jahr stattfinden sollten. Doch welche Bedeutung hat ein Veteranenverein in einer Zeit überhaupt noch, in der Soldaten und Veteranen immer weniger werden?

Bad Aibling – Eigentlich wollte der Veteranenverein Bad Aibling bereits im vergangenen Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert. Doch coronabedingt mussten die Feierlichkeiten ausfallen und auf 2022 verschoben werden. Nun sitzt der Vorsitzende Udo Sebastian in seinem Wohnzimmer in Mietraching, blättert alte Fotos durch und hofft, dass die Pläne nicht erneut über den Haufen geworfen werden müssen.

Stand jetzt soll das Jubiläum nun am 16. Mai nachgeholt werden: „Mit Musik, Totenehrung und einem Rückblick der Vereinshistorie“, so Sebastian. Die Planungen laufen, allerdings wolle man die Feierlichkeiten nicht allzu groß aufziehen.

Hauptaufgabe: Pflege der Kriegsdenkmäler

Doch welche Bedeutung hat der Veteranenverein in der heutigen Zeit überhaupt noch, in der es immer weniger aktive Soldaten, geschweige denn echte Veteranen gibt? Laut Udo Sebastian, der seit 1988 mit mehreren Unterbrechungen Vorsitzender des Vereins ist, sei es weiterhin wichtig, die gedienten Soldaten und deren Verwandte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Wir müssen immer wieder daran erinnern, dass es Soldaten gab und gibt, die gerne nach wie vor eine Verbindung zur Bundeswehr aufbauen“, betont Sebastian.

Des Weiteren sei eine der Hauptaufgaben die Kriegsgräberpflege, ebenso die Pflege der Kriegsdenkmäler, etwa an der Ellmosener Straße, so Sebastian. Darüber hinaus veranstalte der Verein übers Jahr verteilt zahlreiche Veranstaltungen für seine Mitglieder, beispielsweise Reisen, Wanderungen oder das regelmäßige Armbrustschießen. Der Vorsitzende hofft, dass in diesem Jahr trotz anhaltender Corona-Pandemie wieder alles stattfinden kann. Derzeit müsse man jedoch alles unter Vorbehalt planen.

Doch auch wenn der 76-Jährige die Wichtigkeit des Vereines betont, weiß auch er, dass die Mitglieder immer weniger werden. „Als ich anfing, hatten wir um die 400 Mitglieder.“ Heute sind es noch 138, von denen die meisten zwischen 50 und 60 Jahren alt sind. Der Hauptgrund des Rückgangs, sagt Sebastian, sei natürlich die Tatsache, dass die meisten Veteranen nach und nach versterben. Im Bad Aiblinger Verein gebe es derzeit noch zwei echte Kriegs-Veteranen.

Hat der Verein eine Zukunft?

Um auch in Zukunft als Verein bestehen zu können, kann sich Sebastian vorstellen, dass sich verschiedene Veteranenvereine irgendwann zusammenschließen. Ein weiteres Ziel, um den Verein für neue Mitglieder zu öffnen, sei zudem, eine Änderung der Satzung.

Udo Sebastian blättert in einem Fotoalbum voller Erinnerungen aus der Vereinshistorie.

Demnach könnte schon bald der Satz gestrichen werden, wonach Kriegsdienstverweigerer nicht beitreten dürfen. „Das ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Sebastian. Denn wer sich einst gegen den Wehrdienst entschieden hat, könne mittlerweile durchaus seine Meinung zur Bundeswehr geändert haben.

So könnten etwa auch ehemalige Zivildienstleistende oder generell Sozialdienstleistende schon bald Mitglieder des Bad Aiblinger Veteranenvereins werden. Doch noch ist es nicht soweit und bis dahin bleibt es bei den Nachwuchssorgen.

Sebastian bedauert Bundeswehr-Image

Auch deshalb, so Sebastian, sei das Erinnern an die Verdienste der Bundeswehr sowie an die zahlreichen Wehrdienstleistenden auch heute noch elementar. Laut dem ehemaligen Staffelfeldwebel habe die Bundeswehr einen großen Anteil an dem seit über 70 Jahren anhaltenden Frieden in Deutschland. Nicht zuletzt aufgrund von politischen Versäumnissen habe die Bundeswehr derzeit jedoch ein denkbar schlechtes Image in der Öffentlichkeit. Dabei bedauert Sebastian den Wegfall der Wehrpflicht, die jungen Menschen seiner Meinung nach auch gut getan habe, gerade was Disziplin, Selbstständigkeit und Zusammenhalt angehe.

Nachdem der 76-Jährige durch die Fotos in seinem Wohnzimmer geblättert hat, geht er mit seinem Hund in den Garten. Mit ihm gehe er täglich eine Dreiviertelstunde joggen, erzählt Sebastian. Das erfordere Disziplin, die er nicht zuletzt bei der Bundeswehr erlernt habe.

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