Außergewöhnliche Gäste im Park

Dieser Bad Aiblinger Skulpturenpfad lädt zum Entdecken ein

Wilhelm Zimmer baut seinen „paddelnden König“ im Irlachweiher auf. Die Skulptur ist schon jetzt der heimliche Star, der alle Blicke auf sich zieht und den Spaziergängern ein Lächeln ins Gesicht zaubert. re
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Wilhelm Zimmer baut seinen „paddelnden König“ im Irlachweiher auf. Die Skulptur ist schon jetzt der heimliche Star, der alle Blicke auf sich zieht und den Spaziergängern ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Wer in diesen Tagen durch den Bad Aiblinger Kurpark und den Stadtpark an der Rosenheimer Straße spaziert, begegnet ganz außergewöhnlichen „Gästen“. Was es mit ihnen auf sich hat und wer der heimliche Star unter ihnen ist, darüber sprachen wir mit Martrina Thalmayr vom Kunstverein.

Bad Aibling – Vom Wünschelrutengänger aus Holz und dem weisen Schamanen über Osterhase, Schildkröte und Delfin bis zum Moorinsekt hoch oben auf dem Baum und dem „paddelnden König“ auf dem Irlachweiher bieten sie nicht nur etwas fürs Auge, sondern sorgen für viel Gesprächsstoff. Sie alle gehören zum Skulpturenpfad, den der Kunstverein hier aufbaut. Wir sprachen mit der Vorsitzenden Martina Thalmayr über das Projekt.

Frau Thalmayr, der Skulpturenpfad ist ein Herzensprojekt von Ihnen. Seit wann gibt es die Idee dazu und wie kam es nun zur Umsetzung?

Martina Thalmayr: Der Skulpturenpfad ist tatsächlich nicht nur mein Herzensprojekt. Meine Vorstandskollegen sind ebenso leidenschaftlich an der Umsetzung beteiligt. Jetzt, wo endlich auch etwas zu sehen ist und erste Reaktionen kommen, geht uns das Herz so richtig auf. 2020 hätten wir unser 70. Vereinsjubiläum gefeiert.

Unsere erste Planungsrunde fand bereits im Januar 2019 statt. Da parallel auch das große Stadtjubiläum 2020 anstand, haben wir das Thema Moor aufgegriffen – und den Plan ausgearbeitet. Nach der Förderzusage der Stadt hatten wir den Pfad im Januar 2020 sozusagen unter Dach und Fach und wollten Ende April loslegen. Und dann kam Corona.

Kunstvereinsvorsitzende Martina Thalmayr mit „Dolphin“ von Frank Ludwig.

Wie viele Künstler konnte der Verein dafür gewinnen?

Thalmayr: Ursprünglich geplant waren 30 Werke – pro Künstler maximal zwei Werke. In der langen Zeit vom geplanten Start bis heute hat sich dann einiges verändert. Manche Künstler sind nicht mehr dabei – dafür andere dazugekommen. Stand heute sind 16 Künstler mit 22 Werken zu sehen. Noch sind nicht alle Werke angekommen, und es kann auch sein, dass das ein oder andere Werk noch hinzukommt. Bei unserem Skulpturenpfad 2021 läuft alles ein bisschen anderes – aber anders ist auch gut.

Gab es bestimmte Kriterien bei der Auswahl der Skulpturen?

Thalmayr: Bei der Sichtung der eingereichten Skulpturen 2020 war das wesentliche Kriterium der Bezug zum Thema Moor und/oder Bad Aibling. In der Phase der „Um- oder Nachplanung“ 2021 konnten wir flexibler sein, was das eigentliche Thema betrifft.

Wie viele Helfer wirken an der Ausstellung mit?

Thalmayr: Wir sind zu fünft und jeder von uns arbeitet an seinen Schwerpunkten. Funktionieren tut es nur gemeinsam. So ist unsere Anja Grigull wesentlich mit der Erstellung der Begleitbroschüre und den sonstigen Druckmaterialien beschäftigt. Ritschi Lindl begleitet das ganze Geschehen bildtechnisch und ist gemeinsam mit mir für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Eine zentrale Rolle nehmen Hajo von Oertzen und Wilhelm Zimmer ein, die die Koordination des Aufbaues des Pfades bewerkstelligen. Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an den Bauhof und an die Stadtwerke Bad Aibling, die uns unkompliziert und auf „schnellem Dienstweg“ beim Aufbau der ein oder anderen Skulptur unter die Arme gegriffen haben.

Ab wann wird der Pfad komplett sein?

Thalmayr: Ursprünglich geplant war es, den Skulpturenpfad innerhalb von zwei Tagen aufzubauen und dann mit einer gebührenden Vernissage einzuweihen – das war 2020. Nun entsteht der Pfad sukzessive – und bleibt wandelbar. Im Moment warten wir noch auf zwei Künstler mit ihren Werken, aber es kann auch gut sein, dass im Laufe des Jahres noch der oder die andere dazukommt.

Wie sehen die ersten Reaktionen aus?

Thalmayr: Das ist ja das Allerschönste für uns. Ausschließlich positiv. So viele Menschen die sich an den Figuren und Werken freuen. Lebhafte Diskussionen – Gespräche und auch urkomische Situationen. Zum Beispiel das kleine Kind, das beim Sparziergang vorbei an den beiden Torsi an der Biehlerbrücke sofort die „Frau“ erkennt – „weil die einen Busen wie die Mama“ hat.

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Welches Feedback erhoffen Sie sich insgesamt?

Thalmayr: Ich hoffe einfach, dass sich die Besucher an den Figuren freuen, dass die Kunst wahrgenommen wird und dass wir erkennen, welch wichtiger und wesentlicher Bestandteil Kunst in unserem Leben darstellt.

Kunst zeigt sich in so vielen Facetten und Kunst im öffentlichen Raum ist eine davon. Und wenn wir es schaffen den Menschen Freude, Spaß gute Laune und einen offenen Geist zu „schenken“ – dann haben wir das erreicht, was ich mir wünsche.

Peter Pohls „Moorinsekt“ schillert hoch oben im Baum mystisch-metallisch im Sonnenlicht.

Welche Veranstaltungen planen Sie eventuell rund um den Pfad?

Thalmayr: Derzeit erproben wir gerade kleine Filmchen, in denen wir Aiblinger Stimmen zu den Skulpturen einfangen und online präsentieren wollen. Wenn die Situation es erlaubt schwebt mir ein musikalischer und/oder literarischer Spaziergang entlang des Pfades vor – und ich hätte noch einige Ideen die mir Kopf herumschwirren, die aber noch lange nicht spruchreif sind.

Was für ein Gefühl ist es für Sie, momentan durch Kur- und Stadtpark zu laufen und die Werke zu sehen?

Thalmayr: Ohne Worte – es ist einfach nur toll. Ich kann mich wie ein kleines Kind an den Werken freuen und eben vor allem auch an den Reaktionen der Beobachter (die ich wiederum beobachte).

Der erklärte Favorit bei Groß und Klein scheint schon jetzt der „paddelnde König“ im Irlachweiher zu sein. Jeder fragt sich, wie ist der denn befestigt?

Thalmayr: Bildhauer – zumindest die, die ich kenne – sind unglaublich praktische Leute. Die Lösung, die sich Wilhelm Zimmer einfallen hat lassen, ist denkbar simpel. Ein sehr schweres Gegengewicht, verbunden mit dem König durch eine Eisenstange, hält den Paddler an Ort und Stelle.

Haben Sie selbst auch eine Lieblingsskulptur und wenn ja, welche und warum?

Thalmayr: Ich kann mich ganz ehrlich nur sehr, sehr schwer entscheiden, ich habe eine ganze Reihe von Favoriten. Aber der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, bei dieser Frage war das grüne Moorinsekt von Peter Pohl.

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