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„Nie eine Zigarette geraucht“

Bad Aiblinger wird 100 - Georg Vogl erinnert sich an den Zweiten Weltkrieg und blickt besorgt auf die Ukraine

An diesem Freitag wird Georg Vogl 100 Jahre alt. Seine Frau Maria feiert das besondere Jubiläum mit.
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An diesem Freitag wird Georg Vogl 100 Jahre alt. Seine Frau Maria feiert das besondere Jubiläum mit.

Wer Georg Vogl gegenüber sitzt, rechnet wohl kaum damit, dass dieser bereits ein Jahrhundert alt ist. An diesem Freitag feiert der Bad Aiblinger, der den zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt hat, ein ganz besonderes Jubiläum. Was er erlebt hat und warum ihn die Lage in der Ukraine besonders besorgt.

Bad Aibling – Wenn man es nicht besser wüsste, man würde kaum damit rechnen, dass dieser Georg Vogl bereits 100 Jahre alt wird. Freundlich, konzentriert und sichtlich vital sitzt er in seinem Wohnzimmer in Harthausen und spricht, wenige Tage vor seinem erstaunlichen Ehrentag, über sein bewegtes Leben. An diesem Freitag ist es nun tatsächlich soweit. Vor dann genau 100 Jahren, am 22. April 1922, kam Georg Vogl auf die Welt.

15 Bürgermeister und acht Landräte erlebt

Ein Jahrhundert später hat sich die Welt um ihn und seine 87-jährige Ehefrau Maria gehörig gewandelt. „Ich habe 15 Bürgermeister und acht Landräte erlebt“, sagt Vogl schmunzelnd. Dann zählt er alle auf. Schorsch Vogl, wie er von vielen genannt wird, musste bereits mit 17 Jahren einrücken und als Infanterist an der Ostfront bis nach Leningrad und später nach Frankreich, wo er gefangen wurde.

Unter denkbar schlechten Bedingungen kam er in Bad Aibling ins Gefangenenlager, von wo er auch entlassen wurde. Nach dem Besuch der landwirtschaftlichen Schule und nach seiner Hochzeit wurde ihm von seinen Eltern der Hof übergeben. Die Landwirtschaft betrieb das Ehepaar bis 1998. Auch als Fachmann für die Pflege von Obstbäumen war und ist Vogl immer gefragt.

„Frauen werden leichter mal 100, als Mann ist das selten“, sagt Maria Vogl über ihren Ehemann. Das Geheimnis für seine körperliche und geistige Fitness erklärt dieser sich darin, dass er immer einen gesunden Mittelweg gefunden habe. „Ich habe nie extrem gelebt, habe etwas Sport gemacht, mein Leben lang aber keine Zigarette geraucht oder bin nie sonderlich alkoholisiert gewesen“, sagt der Jubilar. Auch laut seines Arztes sei dies der Schlüssel seines langen Lebens.

Herzinfarkte mit 93 Jahren überlebt

„Anders hätte ich auch die Herzinfarkte, die ich mit 93 hatte, nicht überlebt“, sagt Vogl, der auch ausreichend „frische Luft“ als hilfreich betrachtet. Dennoch hätten die „vielen schweren Stunden“ aus Kriegszeiten seinen Lebtag geprägt.

Auch deshalb hat Vogl einen ganz speziellen Blick auf den aktuellen Krieg zwischen Russland und der Ukraine. „Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, die Leute werden einfach nicht vernünftiger“, sagt Vogl. Menschen lernten letztlich nicht aus der Geschichte und strebten nach immer mehr Gewinn und Besitz. „Wer Milliarden hat, der will Multimilliarden, die Leute kennen keine Grenzen.“ Das Gefühl, sich mitten in einem Krieg zu befinden, könne jemand, der es nicht selbst erlebt hat, nicht nachempfinden.

Vogl über Russlands Kriegsführung: „Wir haben eine ganz gefährliche Lage“

Er befürchtet, dass Russland letztlich die Ukraine vollständig einnehmen wird. Und die Angst vieler Menschen vor einem dritten Weltkrieg kann Vogl auch deshalb nachvollziehen. „Wir haben eine ganz gefährliche Lage und können es vielleicht noch gar nicht richtig einschätzen, wie schlimm es womöglich schon ist.“

Doch trotz dieser düsterern Aussichten und den persönlichen Kriegserlebnissen, blickt Georg Vogl auf ein erfülltes Leben zurück. Aus der seit 65 Jahren bestehenden Ehe gingen vier Kinder sowie zahlreiche Enkel und Urenkel hervor. Daneben hält sich Georg Vogl weiterhin in seiner Werkstatt fit. „Da baue ich zum Beispiel Vogelhäuser, um genügend Arbeit brauche ich mir jedenfalls keine Sorgen machen.“

Wie viele Aiblinger sind schon 100?

Dieter Bräunlich, Seniorenbeauftragter der Stadt Bad Aibling, wird an diesem Freitag zusammen mit Bürgermeister Stephan Schlier bei Georg Vogl persönlich vorbeischauen. „Das ist schon etwas besonderes und als Seniorenbeauftragter habe ich einen 100. Geburtstag noch nicht erlebt“, sagt Bräunlich.

Deshalb will er sich den Besuch nicht nehmen lassen. Laut der Stadt Bad Aibling gibt es neben Vogl noch zwölf weitere Bürger, die bereits 100 Jahre oder älter sind. Georg Vogl selbst wird seinen Geburtstag im Kreise der Familie bei einem Mittagessen feiern.

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