Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Projekt des Schelmer-Hofs

Bezuschusst Bad Aibling den Bau eines privaten Moor- und Heilbads mit 1,8 Millionen Euro?

Hände hoch! Moorbadewannen im Keller mit gefliesten Wänden erinnern Kurdirektor Thomas Jahn an „kleine Schlachthöfe“, wie er sagt. In der neuen Einrichtung sollen die Wannen im Erdgeschoss stehen und man kann einige von ihnen auch ins Freie schieben.
+
Hände hoch! Moorbadewannen im Keller mit gefliesten Wänden erinnern Kurdirektor Thomas Jahn an „kleine Schlachthöfe“, wie er sagt. In der neuen Einrichtung sollen die Wannen im Erdgeschoss stehen und man kann einige von ihnen auch ins Freie schieben.

Wenn es nach dem Hauptverwaltungsausschuss geht, soll die Stadt Bad Aibling sich mit einem Zuschuss von 1,8 Millionen Euro am Bau des geplanten Moor- und Heilbades beteiligen. Welche Vorteile diese Bau für die gesamte Stadt hat, verrät Kurdirektor Thomas Jahn.

Bad Aibling – Das Gremium des Hauptverwaltungsausschusses der Stadt Bad Aibling hat sich mehrheitlich (10:1) dazu entschieden, dem Stadtrat zu empfehlen, dass sich die Stadt an der Errichtung des Moor- und Heilbades finanziell beteiligt. Am Donnerstag soll das in der Sitzung entscheiden werden. Mit rund 1,8 Millionen Euro will die Stadt das Projekt – einen Erweiterungsbau am Schmelmer-Hof – unterstützen. Wobei die Stadt von den rund 1,8 Millionen lediglich etwa 1,1 Millionen Euro zahlen würde, da eine Förderung des bayerischen Wirtschaftsministeriums von rund 730 000 Euro zu erwarten ist.

„Wir brauchendiese Einrichtung“

Im Vorfeld der Abstimmung sagte Rathauschef Stephan Schlier (CSU), „dass wir noch nie so dicht an der Verwirklichung dran waren“. Er erklärte auch, dass die Maßnahme in „einer ungünstigen Haushaltslage“ kommt, „aber wir brauchen diese Einrichtung“, sprach er sich für das Projekt aus. Schließlich profitiere die ganze Stadt davon.

Lesen Sie auch: Bad Aiblinger Uwe Hecht fährt ins Hochwassergebiet und hat einen Berg an Spenden dabei

Dem stimmte auch Kurdirektor Thomas Jahn zu, der dem Gremium das Projekt in der Sitzung vorstellte. „Es würde etwas entstehen, was einzigartig ist. Denn die meisten Moorbäder seien in Kellern – die Räume sehen aus wie kleine Schlachthöfe“, so Jahn. Bei dem anvisierten Projekt seien die Moorwannen im Erdgeschoss, einige könnten sogar ins Freie gefahren werden. Und: Das Haus sei für jeden zugänglich, Es sei nicht nur für Gäste des Schmelmer-Hofes, erklärte er. So habe man bereits die Schönklinik als Kooperationspartner gewinnen können. „Zum Beispiel im Rahmen der therapeutischen Nachsorge ihrer Patienten“, erläuterte Jahn. Die Zielgruppen seien temporär erkrankte Patienten, chronisch erkrankte Patienten sowie gesunde Gäste.

Lesen Sie auch: Entscheidung in Bad Aibling: Schmelmer-Hof wird zu Moor- und Therapiebad erweitert

Rund 5,2 Millionen Euro kostet die Einrichtung. 1,8 Millionen Euro kämen seitens der Stadt- inklusive der 730 000 Euro der Förderung, sowie etwa 3,3 Millionen Euro seitens der Familie Lindinger (Schmelmer-Hof). Betrieben würde das Bad vom Unternehmen Salvea – „es bietet Gesundheitsleistungen an 40 Standorten an“, so Jahn. Von dieser Einrichtung profitere die ganze Stadt, erklärte er weiter.

Warum investiert die Stadt?

Florian Weber (Bayernpartei) fand auch, dass „es uns gut anstehen würde“. Allerdings fragte er sich, warum die Stadt investiere, schließlich sei es ja ein privater Betreiber. „Bekommen wir denn etwas von der Pacht?“, fragte er in Richtung des Kurdirektors.

Anträge erst später stellen

„Wenn wir etwas von der Pacht bekommen, erhalten wir keine Förderung“, antwortete Jahn. Ob man denn die Zusage für die Förderung schriftlich habe, fragte Erwin Kühnel (CSU). Darauf Bürgermeister Schlier: „Noch nicht. Die Anträge können erst später gestellt werden.“ Er sagte aber auch: „Wenn es nicht gefördert wird, machen wir es nicht.“

Stadt soll Mitspracherecht haben

Markus Stigloher (CSU) erklärte, dass wenn die Verträge aufgesetzt werden, er dafür wäre, dass verankert werde, dass die Stadt Mitspracherecht haben solle. „So könnten wir die Betreiber unter Druck setzen, wenn es nicht läuft.“ Jahn: „Es ist in unserem Interesse, dass es läuft.“ Obendrein erklärte Jahn, dass Vertreter seitens Salvea im Stadtrat nächste Woche anwesend seien.

„Einzigartiger Baustein“

Dr. Thomas Geppert (CSU) hielt ein „flammendes Plädoyer“ (Kirsten Hieble-Fritz( ÜWG): „So ein Bad regeneriert die ganze Stadt. Wir müssen so denken: Wir haben es geschafft, einen Privaten zu finden, der das baut. Es ist ein einzigartiger Baustein für uns als Gesundheitsstadt.“ Hieble-Fritz sagte: „Es ist ein Kick in Richtung Gesundheitsstadt.“

Jedem steht das Bad zur Verfügung

Katharina Dietel (Grüne) erklärte, dass sich ihre Fraktion schwer tue, schließlich sehe sie „die Verbesserung eines privaten Betriebes durch öffentliche Gelder.“ Jahn zählte erneut die Vorteile auf: „Wir haben keine Folge- und Personalkosten, jedem steht das Bad zur Verfügung.“

Martina Thalmayr (Grüne) sagte abschließend, dass sie es wegen der „Haushaltslage kritisch sieht“, aber es seien viele, gute Argumente vorgebracht worden, „die mich überzeugen“.

Lesen Sie auch: In ehemalige Kfz-Zulassungsstelle in Bad Aibling sollen Schüler einziehen

Interview mit Kurdirektor Thomas Jahn:

Thomas JahnKurdirektor

„Von dieser einmaligen Investition profitiert die ganze Stadt“

Herr Jahn, wie wichtig ist der Bau eines Moor- und Heilbades für Bad Aibling?

Thomas Jahn: Bad Aibling ist das älteste Moorheilbad in Bayern und damit dieser Tradition auch verpflichtet. Einerseits wollen wir unseren Titel behalten, andererseits sind wir von der Wirkung des Moores als Naturheilmittel voll und ganz überzeugt. Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir neben den bestehenden Einrichtungen einen weiteren Anbieter bekommen, um die Breite der Möglichkeiten zu erweitern und das Angebot abzusichern. Dazu kommt, dass im Juni 2021 der Bundestag beschlossen hat, dass die ambulante Badekur wieder zur Pflichtleistung wird. So ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach Moorbädern und damit verbundenen Therapien wieder deutlich zunehmen wird.

Warum gibt die Stadt rund 1,1 Millionen Euro plus Mittel des Freistaats in Höhe von rund 730000 Euro dazu?

Jahn: Moor und die Aufbereitung ist ein sehr kostenintensiver Prozess. Die Aufbereitungsanlage, die Wannen, der Zu- und Ab-Transport und die Personalkosten sind erheblich. Damit wir einen Investor und einen Betreiber für den Bau und den Betrieb begeistern können, braucht es zwingend finanzielle Hilfe. Auch um dem Kunden/ Patienten am Ende einen vernünftigen Preis für ein Moorbad anbieten zu können.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass die Stadt mitfinanziert?

Jahn: Es liegt im Interesse der gesamten Stadt, dass dieses Angebot entsteht. Wir wollen unseren Titel behalten, dauerhaft sichern und mit Qualität gegenüber dem Gast/ Patienten überzeugen. Doch es geht auch um aktive Wirtschaftsförderung. Nach allen Gutachten, die uns vorliegen, können wir durch den Bau des neuen Moor- und Therapiehauses mit einer Steigerung der Übernachtungszahlen pro Jahr von mindestens 43 000 Nächtigungen rechnen.

Das sind die Mehreinnahmen für die ganze Stadt

Das bedeutet....

Jahn: Dazu kommen Tagesgäste aus der Stadt und der Region. Multipliziert man das mit den Auswertungen zur Studie „Wirtschaftskraft Tourismus in Bad Aibling“ die wir aus 2019 kennen, dann entstehen Mehreinnahmen in der gesamten Stadt (Gastgeber, Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistung) von etwa 6,4 Millionen Euro pro Jahr! Fazit – mit dieser einmaligen Investition profitiert die ganze Stadt langfristig und dauerhaft!

Welche Vorteile entstehen der Stadt durch die Mitfinanzierung?

Jahn: Die ursprünglichen Planungen sahen vor, dass das Moorbadehaus an/ in der Therme errichtet werden soll. Die Baukosten hätten ein vielfaches von der aktuellen Fördersumme betragen und die Stadt, beziehunsgweise die Stadtwerke hätten das Gebäude betrieben, unterhalten und immer wieder sanieren müssen. So hat die Stadt erstens eine klare einmalig definierte Fördersumme, einen hochkompetenten Betreiber und durch die Lage des Gebäudes weitere Partner an Bord, die den Bestand langfristig sichern.

Kommentare