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Schwere Delikte und Online-Kriminalität

„Der Ton der Bürger wird rauer“ sagt Bad Aiblings Polizeichef

In Uniform, mit Blaulicht und Sirene – der Bad Aiblinger Polizeichef Johann Brumbauer fährt selbst noch manchmal Streife mit seinen Kollegen.
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In Uniform, mit Blaulicht und Sirene – der Bad Aiblinger Polizeichef Johann Brumbauer fährt selbst noch manchmal Streife mit seinen Kollegen.

Bad Aibling – Raubüberfall, Bedrohung mit Schusswaffe, viele Unfälle und Betrüger im Internet. In den rund zwei Jahren als Bad Aiblinger Polizeichef hat Johann Brumbauer (48) viel erlebt. Ein Gespräch über schwere Delikte, Verbrechen online, wie sich der Ton der Bürger verändert hat und die Corona-Pandemie.

Wie waren die vergangenen zwei Jahre?

Johann Brumbauer: Ich habe neu angefangen und dann waren plötzlich drei, vier Monate vorbei und die Corona-Pandemie ist gekommen. Das ist eine neue Herausforderung für uns alle, auch für die Polizei. Der tägliche Dienst und das Demonstrationsgeschehen haben sich verändert. Summa summarum ist die Zeit sehr, sehr schnell vergangen und es war nie langweilig.

Welche Herausforderungen gab es?

Johann Brumbauer: In Bad Aibling hatten wir alle drei bis vier Wochen Demonstrationen. Das ist losgegangen am Marienplatz mit 50 bis 100 Leuten. Am Schluss sind 750 bis 1000 Leute an der Krankenhausstraße an der Ausstellungsviehhalle gekommen. Es gab aber auch welche in Feldkirchen-Westerham, Großkarolinenfeld, Kolbermoor, Rosenheim und Prien.

Gab es Ausschreitungen?

Johann Brumbauer: Toi, toi, toi – für die Polizeiinspektion Bad Aibling war es ein sehr kooperatives Miteinander mit den Anmeldern. Wir haben uns oft zuvor getroffen und uns angehört, was sie vorhaben. So hat man von Anfang an gewusst, wie der andere tickt. Bis auf ein zwei kleine Geschichten war nichts. Jemand wollte mit einem Traktor auf die Versammlungsfläche, auf der 500 Leute standen. Die Gefahr war zu groß, dass der Fahrer jemanden nicht sieht. Wenn die Leute das nicht einsehen, wird man beleidigt.

Viele Inspektionen melden einen Anstieg verbaler Angriffe. Sie auch?

Johann Brumbauer: Tatsächlich ja. Man merkt allgemein, dass der Umgangston rauer geworden ist. Die Leute sind nicht immer damit einverstanden, was die Polizei macht und vergreifen sich schnell im Ton. Da gibt es eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Die Beamten schalten die Bodycams ein und weisen die Personen darauf hin. Oft dient das zur Deeskalation. Manchen ist das aber egal und sie machen weiter.

Registrieren Sie auch schwere Delikte?

Johann Brumbauer: Es kann sein, dass jemand seine Frau zuhause bedroht oder schlägt. Auch bei dem Netto-Großbrand in Großkarolinenfeld waren wir. Niemand hätte gedacht, dass da jemand einbricht und mehrere Feuer legt. Vergangenes Jahr gab es im Dezember einem Bäckereiraub in Großkarolinenfeld. Das ist natürlich das Aufregende am Polizeiberuf, weil du von jetzt auf gleich von einem Kleinunfall zu einem versuchten Tötungsdelikt gerufen werden kannst. Solche Fälle kommen Gott sei Dank selten vor, sonst hätten wir amerikanische Verhältnisse. Aber es wird nie eintönig.

Und Online-Kriminalität?

Johann Brumbauer: Heutzutage ist eigentlich jeder dumm, der Straftaten auf der Straße begeht. Das Geld liegt im Internet. Die Unvorsichtigkeit online ist ein Problem. Wenn den Menschen etwas umsonst versprochen wird, dann setzt bei allen das Hirn aus. Einen gesunden Menschenverstand und Skepsis an den Tag zu legen bei solchen Sachen, wäre absolut super. Es ist Wahnsinn wenn wir Geschädigte vor uns sitzen haben, die aufgrund falscher Polizeibeamter oder Enkeltrickbetrug bis zu 70 000 Euro verloren haben. Da macht das Präsidium sehr viel Präventionsarbeit mit den Banken oder in Seniorenheimen. Skeptisch nachfragen und nicht alles für bare Münze nehmen!

Wie sieht Ihr Alltag ansonsten aus?

Wenn keine Einsätze zu planen sind, treffe ich mich in der Früh mit den Zwischenvorgesetzten und wir besprechen die letzten 24 Stunden. Was war in der Kriminalitätslage und an der Verkehrsfront, welche Tendenzen gibt es, wo könnte sich etwas entwickeln? Für mich ist es immer ein Bonus, wenn ich selbst Streife fahren darf.

Ist das eine Ihrer Hauptaufgaben?

Johann Brumbauer: Nein, dazu komme ich nicht mehr oft, aber es macht total Spaß. Ansonsten führe ich Personalgespräche oder gehe zu Treffen mit dem Bürgermeister oder Organisationen wie dem Bayerischen Roten Kreuz. Wir gehen jetzt schon in die Vorplanung für das Echelon Festival im August. Die Veranstaltung ist groß, da muss man früh planen.

Wie ist die aktuelle Lage sonst?

Johann Brumbauer: Wegen den Ausgangssperren hatten wir sehr wenige Fälle. Nun haben wir wieder die Einsatzbelastung wie vor Corona – rund um die Uhr. Aktuell merkt man aber, dass die Diskotheken in unserem Bereich nicht geöffnet haben, wie das Opus in Bruckmühl. Die Einsatzbelastung Freitag und Samstag war früher höher. Die meist sehr alkoholisierten Gäste hatten Auseinandersetzungen mit den Security-Kräften, haben sich geschlägert. In diesem Bereich ist es aktuell ruhig.

Was haben Sie stattdessen für Einsätze?

Johann Brumbauer: Das ist total unterschiedlich. Am meisten haben wir Verkehrsunfälle – sechs bis 20 pro Tag. Das ist der Kleinschaden im Polizeijargon, also Blechschaden. Oft werden sich die Leute nicht einig. Es gibt aber auch Verkehrsunfälle mit Personenschaden, etwa mit dem Hals-Wirbel-Schleudersyndrom. Hin bis zu eingeklemmten und schwer verletzten Personen, die wir mit der Feuerwehr rausschneiden müssen. Der kurze Blick aufs Handy ist immer noch weit verbreitet. Die Autofahrer sehen nur kurz drauf, legen aber trotzdem eine gewisse Strecke zurück. Trotz der 100 Euro und dem Punkt, den es dafür gibt, tun das noch viele.

Und die Fahrradfahrer?

Johann Brumbauer: Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Fahrradverkehr zugenommen. Es ist wahrnehmbar, dass es mehr Radunfälle als zuvor gibt – auch mit den elektrobetriebenen Fahrrädern. Als Autofahrer müssen wir uns noch mehr an deren Schnelligkeit gewöhnen. Für die Sicherheit der Kinder gehen wir an die Schulen, machen den Fahrradwimpel und die Fahrradprüfung. Wir haben das Projekt „Funkeln im Dunkeln“. Beamte sehen sich mit Lehrern, Eltern und Kindern die Räder an und prüfen, ob sie verkehrssicher sind. Aktuell ist das kaum machbar, wegen der Pandemie.

In Kolbermoor gab es wiederholt Probleme mit Auto-Posern. Ist das noch ein Thema?

Johann Brumbauer: Das sind Wellenbewegungen. Die Anwohner rufen uns an, wenn schönes Wetter ist. Donnerstag, Freitag, Samstag treffen sich die Leute am Parkplatz des Einkaufsgeländes. Wenn sie ihre Motoren nicht aufheulen lassen und keine Rennen fahren, ist es ja in Ordnung. Wir fahren mit der Streife vorbei und versuchen mit den Leuten zu reden. Es gibt gemeinsame Kontrollaktionen mit anderen Dienststellen. Aber wir müssen sie fahrend erwischen, dann können wir sie kontrollieren.

Um was kümmern Sie sich noch?

Johann Brumbauer: Wir haben Ladendiebstähle, teilweise sind das Kleptomanen. Ein ganz großes Spektrum sind auch die Ruhestörungen, wenn die Leute wahrnehmen, dass ihre Nachbarn zu laut sind. Wir gehen verdächtigen Wahrnehmungen nach. Dahinter kann sich alles verbergen. Bürger rufen an und sagen: Ich habe ein Geräusch gehört oder sehe bei meinem Nachbarn ein Taschenlampenlicht, das da nicht hingehört.

Schwierige und schöne Momente im Dienst

Ein kritischer Moment für Polizeichef Brumbauer war eine Bedrohung mit Schusswaffe, kurz vor Großkarolinenfeld. Eine Familie hat angerufen. Der Vater war alkoholisiert, ist ein „bisschen durchdreht“ und hatte eine Schusswaffe. „Er hat geschossen, weil er Ruhe vor seiner Familie wollte“, erinnert sich Brumbauer. Er selbst sei schon zuhause gewesen, ist von dort losgefahren. Auf dem Weg habe er sich Gedanken gemacht und gehofft, dass den Kollegen nichts passiert. Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass es eine Schreckschusspistole war. „Das haben wir zu dem Zeitpunkt nicht gewusst.“ Die Polizei gehe immer davon aus, dass es sich um eine echte, scharfe Schusswaffe handelt. Der Mann wurde festgenommen und habe die Aufregung nicht verstanden. Es gibt aber nicht nur schwierige, sonder auch schöne Momente in der Bad Aiblinger Polizeiinspektion. Jeder Mitarbeiter gehe gerne in die Arbeit. „Das ist eine Auszeichnung für die Dienstelle, meinen Stellvertreter Bernd Heller und mich“, sagt Brumbauer. Die Leute hätten auch „a Gaudi“, es sei nicht alles total ernst. Wenn Kolleginnen oder Familienväter nach der Geburt vorbeikommen und ihre Kinder herzeigen, sei das immer erfreulich. Die Polizei Bad Aibling habe zudem niemanden im Dienst verloren, kein Kollege wurde schwer verletzt. Alle mit einer Coronaerkrankung seien mittlerweile auch wieder genesen. Auf Streife gebe es auch schöne Momente, wenn sich die Polizisten mit Bürgern für fünf Minuten unterhalten – „über Belangloses oder bestimmte Anliegen“. Man müsse nicht immer der gleichen Meinung sein, aber der Austausch sei wichtig.

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