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Wirtschaftsempfang im Kurhaus

„Die Lage ist dramatisch“: Mittelstand legt in Bad Aibling Finger in die Wunden

Kerstin Schreyer, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie, Medien und Digitalisierung im Bayerischen Landtag, im Gespräch mit dem Bad Aiblinger Berufsschuldirektor Jürgen Ersing, Sparkassen-Vorstandsmitglied Stephan Donderer und Landrat Otto Lederer (von links).
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Kerstin Schreyer, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie, Medien und Digitalisierung im Bayerischen Landtag, im Gespräch mit dem Bad Aiblinger Berufsschuldirektor Jürgen Ersing, Sparkassen-Vorstandsmitglied Stephan Donderer und Landrat Otto Lederer (von links).

„Arbeit muss sich wieder lohnen“ – das war eine der zentralen Forderungen beim Wirtschaftsempfang der Mittelstandsunion Oberbayern (MU) und des Wirtschafts-Forums Mangfalltal im Kurhaus Bad Aibling. Dabei wurde die dramatische Lage des Mittelstandes in allen Facetten deutlich.

Bad Aibling – Mut und Zusammenhalt waren die Schlagworte beim Wirtschaftsempfang „Jetzt für den Mittelstand“ der Mittelstandsunion Oberbayern (MU) und des Wirtschafts-Forums Mangfalltal im Kurhaus Bad Aibling.

In leidenschaftlichen Plädoyers für die kleinen und mittelständischen Betriebe als Rückgrat der deutschen Wirtschaft legten die Redner vor rund 100 Unternehmern aus Oberbayern und der Region den Finger in Wunden. Wunden, geschlagen unter anderem von Rekordinflation, Gasmangellage, Versorgungsengpässen bei wichtigen Gütern, Arbeitskräftemangel, Folgen der Pandemie und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

„Mit Mut und Zusammenhalt aus der Krise“: Gitta Connemann, MIT-Bundesvorsitzende, bei ihrem Plädoyer für den Mittelstand.

„Die Lage ist dramatisch“

Es herrsche keine Panik, aber die Lage sei dramatisch, verdeutlichte MU-Bezirksvorsitzender Dr. Thomas Geppert und beschwor den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten: „Wir müssen jetzt handeln und Synergien schaffen.“ Jetzt sei nicht die Zeit für Ideologien, durch die das Wohl des Landes aufs Spiel gesetzt werde. Er forderte Respekt und Achtung für Unternehmen, eine Reform der Wochenarbeitszeit und vor allem ein Klima, das Lust auf Unternehmertum schafft.

Die Wirtschaft zu „stimulieren anstatt kaputt zu machen“ ist laut WiFo-Vorsitzendem Roland Bräger das Gebot der Stunde. Die Betriebe seien „gesetzlich völlig überreguliert“, betonte er mit Blick auf Zensus, Datenschutz, Arbeitskostenerhöhung, Prüfung des Mindestlohns. Und auch die Mitarbeiter müssten von dem leben können, was sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit schaffen, ging er unter anderem auf die Wohnraumproblematik ein.

„Es darf keine Denkverbote geben“

Diese Themen griff auch die MIT-Bundesvorsitzende Gitta Connemann auf und verhehlte dabei nicht Fehler, die die Union in der Regierung gemacht habe. Doch nun müsse man überlegen, wie man gemeinsam zu dem nationalen Kraftakt kommen könne, um die aktuelle Mangellage in den Griff zu bekommen. Dabei dürfe es keine Denkverbote geben, vor allem auch, was die Energieversorgung angehe. Ihrer Meinung nach ist es sogar möglich, die Inflation zu brechen und auch den Mittelstand zu entlasten: „Stromsteuer runter, Einkommensteuertarif anpassen, Erleichterung bei der Pendlerpauschale.“

Dem Fach- und Arbeitskräftemangel müsse man mit Leistungsanreizen entgegenwirken. „Das Leistungsprinzip muss erhalten bleiben. Es kann nicht angehen, dass Leistungsträger bestraft und Drückeberger, die eigentlich arbeiten könnten, durch Aussetzung der Hartz 4-Sanktionen belohnt werden.“

Nach ihrem flammenden Appell „Seien Sie mit uns laut, bitte“ wurde in zahlreichen Beiträgen auch deutlich, wo die Mittelständler der Schuh drückt. Etwa bei der Lohn-Preis-Spirale („zu brechen durch Anpassung der Einkommensteuer“), Abschaffung von Verbrennermotoren („nicht nur ideologisch denken“) oder die Abhängigkeit von China. „Sie müssen sich als Unternehmer diversifizieren. Es wird eine Blockbildung bleiben in der Welt. Aber eine neue“, so Connemann. Sie ist überzeugt, dass das Hauptthema in Zukunft die Ressourcen seien.

Ruf nach flexibleren Systemen

MU-Bezirksvorsitzender Dr. Thomas Geppert: „Der Mittelstand kommt gerade ins Schwitzen. Aber wir bleiben optimistisch.“

Was die in der Runde kritisierten Hinzuverdienstgrenzen bei Senioren angeht, die nach Erreichen der Regelarbeitszeit noch weiterarbeiten wollen, so müsse man hier auf die Biographien achten und dem Einzelnen gerecht werden: „Wir brauchen flexiblere Systeme.“ Der Anmerkung von Kurdirektor Thomas Jahn, dass die Digitalisierung im Land eine der größten offenen Flanken sei („von Bad Aibling nach München telefonieren zu können ohne Abriss wäre sehr nett“), stimmte Connemann zu. „Hier gibt es einen Nachholbedarf im Breitbandausbau.“ Es fehlten sowohl Kompetenzen als auch Leute zum Verbauen.

Weitere Themen waren Probleme von Startup-Unternehmern, mit der Regierung in Kontakt zu kommen, die Abwerbung von in den Unternehmen ausgebildeten Kräften durch die Industrie oder auch die ausufernde Bürokratie.

Grußworte kamen auch von der Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie, Medien und Digitalisierung im Bayerischen Landtag, Kerstin Schreyer und Landrat Otto Lederer.

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