Doch eine Zukunft für alten Bahnhof?

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Der Kampf von Stadtrat und Bauausschuss um den alten Feilnbacher Bahnhof und den ortsbildprägenden Baumbestand hat sich gelohnt: Der Fortbestand der Bäume wurde gesichert und auch für den Erhalt des Gebäudes zeichnet sich unerwarteterweise eine Lösung ab.

Bad Aibling - Der Einsatz des Bauausschusses für den alten Feilnbacher Bahnhof scheint Früchte zu tragen: Es hat sich ein erster Interessent gemeldet, der das historische Gebäude sanieren möchte.

Zugleich blieb der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung hart in seinem Bemühen, den dortigen Baumbestand zu schützen: Ein auf dem Gelände geplanter Wendehammer muss verlegt werden.

Optisch wäre der alte Feilnbacher Bahnhof ein echtes Schmuckstück. Die Kosten für die aufwendige Sanierung bezeichneten jedoch sowohl die Stadt Bad Aibling als auch die Aurelis Real Estate GmbH - letztere hat eine Bebauungsplanänderung für den Bereich südlich der Bahnlinie zwischen Westend- und Lindenstraße beantragt und der Stadt das Gebäude unentgeltlich überlassen - unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als "völligen Irrsinn".

Der Bauausschuss jedoch wollte das historische Gebäude, das noch an die Anfang der 70er-Jahre aufgelassene Bahnlinie zwischen Bad Aibling und Bad Feilnbach erinnert, nicht sang- und klanglos aufgeben. Er klammerte diesen Bereich daher in seiner letzten Sitzung aus den Beratungen über die Bebauungsplanänderung aus - in der Hoffnung, dass sich noch eine Lösung finden würde, die den Erhalt sichere. Dies scheint nun schneller als erwartet der Fall zu sein.

Laut Bürgermeister Felix Schwaller hat sich nach dem Bericht über den alten Bahnhof in unserer Zeitung ein "handwerklich geschickter Bürger" bei der Stadt gemeldet, der das Gebäude selber herrichten möchte. Dieser habe sich vor Ort ein Bild von den "grenzwertigen" Zuständen im Inneren des Hauses gemacht (im Bauausschuss war von teilweise fingerdickem Schimmel an den Wänden und fehlender Heizung die Rede), glaube jedoch, dass eine Sanierung machbar sei.

Die Stadt wäre damit, so Schwaller, ein "Riesensorgenpaket" los, denn für die öffentliche Hand sei eine Sanierung nicht leistbar. Abgesehen von dem enormen Aufwand gelte es zudem, die Mieter abzulösen, die einen Vertrag auf Lebenszeit hätten. Man werde das Gebäude nun ausschreiben und hoffe, dass es zu einer guten Lösung komme.

Dazu gehört nach Ansicht des Stadtrates auch der Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestandes in diesem Bereich. Deshalb schloss sich das Gremium in seiner jüngsten Sitzung bei sechs Gegenstimmen der Forderung von GOL-Stadträtin Anita Fuchs an, dass der im Bereich des alten Bahnhofs geplante Wendehammer verlegt werden muss, um die Bäume nicht zu gefährden. Diese sollen "nicht zu einer begrünten Mittelinsel des Wendehammers degradiert werden". Zwar hatten Vertreter der Aurelis im Verlauf der Sitzung versichert, alles zu tun, um die Bäume zu schützen und dafür auch viel Geld in die Hand zu nehmen. Darauf wollten die Kommunalpoliktiker jedoch nicht vertrauen.

Dem Rest der Planung stimmten sie jedoch zu und beschlossen, das Verfahren zur Bebauungsplanänderung einzuleiten. Im südlichen Bereich sind nun anstelle von Mehrfamilienhäusern drei Doppelhäuser sowie ein Einfamlienhaus vorgesehen. Ein zweites Einfamilienhaus muss für die Verlegung des Wendehammers weichen.

Im nördlichen Bereich an der Bahnlinie ist weiterhin eine lineare Bebauung mit mehrgeschossigem Wohnen vorgesehen, gegliedert durch Zwischenbauten. Die Länge von 160 bis 170 Meter erachtete die SPD allerdings nach wie vor als problematisch, wie Fraktionssprecher Richard Lechner erklärte. Die direkt an der Bahnlinie gelegenen Wohnungen dürften seiner Meinung nach nur schwer zu vermarkten sein. Laut Aurelis gebe es jedoch bereits Signale von Bauträgern und anderen, die sich aufgrund der verbesserten Planung für das Projekt interessierten.

Die private Erschließungsstraße für das Gelände wurde von der Bahnlinie in die Mitte der Bebauung verlegt, an ihren beiden Seiten werden Stellplätze angeordnet. Ein Fachbüro hat - ebenso wie bereits der Bauausschuss - eine Straßenbreite von 4,50 anstelle von vier Metern empfohlen.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

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