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Der Streit mit der Jugend in Bad Aibling

Sodom und Gomorra in der Innenstadt?

Sachbeschädigungen am Eigentum der Anwohner
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Sachbeschädigungen am Eigentum der Anwohner

Bad Aibling - Sex auf der Motorhaube, Urin und Erbrochenes auf dem Randstein - den Anwohnern in der Innenstadt "stinkts" gewaltig. Ist das dortige Nachtleben wirklich derart zügellos?

Der Lärm in ihrer Straße fällt dem Ehepaar, das in der Schmiedgasse im Zentrum von Bad Aibling wohnt, laut eigener Aussage schon gar nicht mehr auf. Regelmäßig, so berichten uns auch andere Anwohner, kommt es zu nächtlicher Uhrzeit in der Kurstadt an Mangfall und Glonn zu wilden Auswüchsen der vornehmlich jugendlichen Besucher des örtlichen Nachtlebens. Doch das Thema ist nicht neu. Im Gegenteil: Bereits seit vielen Jahren kämpfen die Bürger, die an der Aiblinger Feiermeile zwischen den Lokalen in der Bahnhofstraße und der Schmiedgasse wohnen, für ihren Schlaf und saubere Straßen.

Zwei Anwohner sprechen, zusammen mit ihrem Vermieter, nun wieder offen über die Zustände. Bei rosenheim24.de wollen sie jedoch anonym bleiben. Bereits vor über zwei Jahren, genauer gesagt im März 2012, kam es in Bad Aibling schon einmal zu dem Punkt, an dem es den Anwohnern der betroffenen Gebiete zu viel wurde. Sie gingen in die Offensive. Der Betreiberin eines Nachtlokals wurde eine Schonfrist von 90 Tagen gewährt, nach deren Ablauf die Lage in der Stadt ein letztes Mal begutachtet werden sollte. Es drohte eine Kündigung des Mietvertrags. Zum damaligen Zeitpunkt hatte sich die Situation nach Ablauf der Schonfrist jedoch soweit gebessert, dass der Anlaufpunkt der Aiblinger Jugend erhalten werden konnte. Doch nun sollen sich die Beschwerden wieder häufen, die Betroffenen sprechen aktuell von einer "gleichbleibend belastenden Situation seit zwei Jahren".

Bürgertreffs der Anwohner geplant

Der 2. Bürgermeister und Stadtrat von Bad Aibling, Otto Steffl, ist in diesem Fall Vertreter der Stadt und Betroffener zugleich. Er bekommt die Situation in der Innenstadt hautnah mit und stellt im Gespräch mit rosenheim24.de gleich zu Beginn klar, dass man den Jugendlichen in der Kurstadt nicht das Weggehen verbieten möchte.

Die Vorgeschichte:

"Hier müssen wir etwas unternehmen," bekräftigt Steffl, mit Blick auf die anderen Anwohner der Schmiedgasse, der Bahnhofstraße, Am Bichl und der Münchner Straße. "Dabei müssen wir uns in den aller meisten Fällen auf die natürlich subjektiven Schilderungen der Anwohner verlassen," ergänzt der Stadtrat. Es finde zwar ein regelmäßiger Austausch zwischen der Stadtwache und dem Ordnungsamt statt, diese Protokolle aber als Grundlage für objektive Aussagen zu verwerten, sei nicht zielführend, so Steffl. Als problemlösende Maßnahmen werden unter anderem eine Verlängerung der Sperrzeit, das Aufstellen zusätzlicher Toiletten im Bereich oder auch die Stärkung der Stadtwache durch zusätzliche Kompetenzen denkbar, soweit das auch rechtlich möglich ist, ergänzt Steffl.

In den kommenden Wochen will Steffl einen Bürgertreff aller betroffenen Anwohner einberufen. Vorfälle sollen gesammelt werden, um sie anschließend dem Bürgermeister vorlegen zu können. Danach soll über mögliche weitere Maßnahmen diskutiert werden, wie man die Probleme in der Innenstadt lösen könnte.

"Vier Sterne wurden mir schon von der Motorhaube meines Mercedes einfach abgerissen", erzählt der Vermieter eines Mehrfamilienhauses weiter. Neben weiteren Dellen an parkenden Autos und abgerissenen Briefkästen sind es aber vor Allem die Pöbeleien der nächtlichen Gäste, die dem Vermieter in der Schmiedgasse sauer aufstoßen. "Die trommeln in der Nacht an die Fenster im Parterre, und wenn man dann was sagt, dann heißt es: ´Komm raus dann klatsch ich dir eine`", erzählt der Vermieter.

Ordnungshüter überfordert? 

Sachbeschädigungen am Eigentum der Anwohner

Ein Anruf bei der Polizei bliebe dann meistens ohne Konsequenzen. Bevor die Streife vor Ort ist, hätten sich die meisten schon aus dem Staub gemacht, so der Vermieter weiter. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass mancher Anruf bei den Ordnungshütern lediglich nur mehr vermerkt werde, ergänzen andere Anwohner. Zumindest hätten sie den Eindruck, dass die Polizei mit der Situation aufgrund von Personalmangel gar nicht anders agieren könne.

"Mit der Polizei haben wir hier ganz selten zu tun," berichtet indes die Betreiberin eines der Lokale in der Bad Aiblinger Innenstadt. Auch von der Sicherheitswacht will die alteingesessene Wirtin keine verstärkten Meldungen erhalten haben. Und sogar die Vermieterin der Lokalräume, mit der die Betreiberin noch vor zwei Jahren heftig um die Schließung oder das Erhaltenbleiben ihrer Bar diskutiert hatte, könne mittlerweile nicht mehr klagen. Sie habe sich zwar in den letzten zwanzig Jahren bereits daran gewöhnt, von den Anwohnern als Sündenbock dargestellt zu werden, die Situation gelassen hinnehmen könne sie jedoch nicht. "Dafür steht für mich einfach zu viel auf dem Spiel, der Laden ist meine Existenz. Und die Jugend braucht einfach auch eine Möglichkeit zum Weggehen," berichtet die Wirtin.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

"Ich persönlich möchte hier auch nicht wohnen", gibt die Pächterin ehrlich zu, die gegenüber der Situation im Umkreis ihrer Bar nicht die Augen verschließt. Sie gibt an, ihren Türstehern jeden Abend einen Eimer und den Schrubber in die Hand zu drücken, damit die den Vorplatz und die umliegenden Straßen reinigen. Besonders im Sommer und bei angenehmen Temperaturen versammeln sich die Jugendlichen auch gerne im Freien, weiß die Betreiberin. Die alleinige Verantwortung für den Zustand der Straßen will sie jedoch nicht übernehmen. "Ich versuche wirklich den Anwohnern wo es geht entgegenzukommen, aber irgendwann ist bei mir auch ein Maximum erreicht," erklärt die Wirtin. "Ich bin stolz auf meine Jugend, auf meine Gäste." Der ständige Dialog von ihrer Seite und den Türstehern mit den Jugendlichen, das wiederholte Ansprechen von Problemen, Reinigungsaktionen und auch mal das ein oder andere Hausverbot für besonders Unbelehrbare, mehr könne die Betreiberin einfach nicht leisten.

In einem Punkt sind sich jedoch alle Beteiligten einig. Sowohl die Betreiberin als auch die Anwohner erkennen in den vergangenen Jahren einen zweifelhaften Trend. Immer mehr Jugendliche greifen laut der Betreiberin zu hartem Alkohol. Besonders die Mischgetränke wie Wodka-Bull sind sehr beliebt. Dabei machte die Betreiberin die Beobachtung, dass nicht ganze Gruppen sondern immer Einzelpersonen durch ihr Verhalten auffällig werden. Dies bestätigen auch die Anwohner, die mit dem Großteil der Kneipenbesucher gut zurechtkommen würden.

Sicher sei jedoch, dass alle Beteiligten am Ende gemeinsam um eine Lösung bemüht sein müssen, so die Kneipenpächterin. "Ich kann mich schließlich nur um das kümmern, was mir persönlich auffällt. Was manche Leute außerhalb meiner Öffnungszeiten und noch dazu irgendwo auf dem Weg zwischen den Lokalen treiben, darauf habe ich keinen Einfluss," bilanziert die Betreiberin.

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