Plastiklos mit mehr Gemütlichkeit bei Natur Pur

Eröffnung mitten in der Corona-Pandemie - Unverpackt-Laden in Bad Aibling wagt mutigen Schritt

Can und Marina eröffnen ihren eigenen Unverpackt-Laden in Aibling.
+
Can (23) und Marina (20) eröffnen ihren eigenen Unverpackt-Laden in Aibling. Die beiden hoffen auf mehr Achtsamkeit beim Einkaufen und im täglichen Miteinander.

Bad Aibling - Der Trägheit der Pandemie zum Trotz hat sich ein junges Paar tatkräftig einem zukunftsorientierten Weg zugewandt. Die beiden eröffnen einen Unverpackt-Laden in der Rosenheimer Straße 4 in Bad Aibling. Im Gespräch mit mangfall24.de erzählen sie, welche Schwierigkeiten sie meistern mussten, was sie sich von der Zukunft erhoffen und was es mit ihrem Konzept auf sich hat.

Hier und da sprießen die Unverpackt-Läden. In der Region sind sie noch nicht weit verbreitet. Das Konzept erinnert ein wenig an die alten Tage, in denen man mit der Milchflasche zum Bauern gegangen ist, um sich dort die Milch direkt einfüllen zu lassen. Keine unnötigen Verpackungen, kein Plastik, mehr regionale Produkte und selbst bestimmte Portionierung: das sind die Punkte, die die „Unverpackt“-Idee von der Supermarkt-Praxis unterscheiden.

Unverpackt: eine Idee, die zwei junge Menschen begeistert

Marina (20) und Can (23) kannten das Konzept noch nicht, als es über die Familie angeregt bei ihnen zum Thema wurde. „Das solltet ihr euch mal anschauen“, hieß es. Das taten die beiden auch und waren sofort begeistert. Mit gesunder Ernährung und nachhaltigerer Lebensweise setzten sich die beiden sowieso schon auseinander, deshalb waren die neuen Optionen nur eine sinnvolle Erweiterung ihrer bereits vorhandenen Interessen.

Nach dem Besuch bei einigen anderen Unverpackt-Läden in München, stand für Marina und Can fest: Das machen sie jetzt auch. In ihren Ausbildungen lernte Marina Industriekauffrau und Can Büromanagement. Ein wenig Erfahrung war damit schon gegeben, jedoch bekamen die beiden auch tatkräftige Unterstützung des Unverpackt-Ladens „Hertscheck Unpacked“ aus Neubiberg. Dieser ist auch das Vorbild, nach dem ihr Projekt in Bad Aibling umgesetzt wird. Der Inhaber des Münchener Ladens half den beiden dabei so gut es nur ging. Den Rest der nötigen Unterstützung erhielt das junge Paar aus Familien- und Freundeskreis. „Ohne sie wären wir komplett aufgeschmissen gewesen“, erzählt Marina und bedankt sich für die Hilfe.

Wohlfühlen und gemütlich Einkaufen - Can und Marina wollen ein angenehmes Umfeld schaffen

Marina und Can erklären, dass es Wohlfühlen ist, was sie sich für ihre zukünftige Kundschaft wünschen. Sie sind mit ihren Zulieferern bereits von Beginn an per Du und das soll sich auch im Kontakt mit den Kunden fortsetzen. Eine „Kuschelecke“, in der man zu Beginn den zum Verkauf angebotenen Kaffee probieren kann und später - sobald eine entsprechende Zulassung ausgestellt wurde - auch im Geschäft zubereitete Bowls essen können soll, gibt es bereits. Das Pärchen will, dass der Einkauf persönlicher und gemütlicher wird, als man es vom normalen Geschäft kennt. Can beschreibt es so: „Es soll bei uns einfach familiär sein.“

Der Einkauf selbst läuft simpel ab, erklären Marina und Can. Man kann mit eigener Tupperware, Glasbehältern oder Tüten kommen, diese am Eingang leer wiegen und dann befüllen. Beim Bezahlen wird das Leergewicht der Verpackung dann wieder abgezogen. Hat man keine Behälter oder Verpackung dabei, können natürlich auch im Laden Gläser gekauft werden. Dass diese aber kein Vermögen kosten, das ist den beiden sehr wichtig. „Mit den Gläsern, die die Kunden dann weiter verwenden können, wollen wir kein Geld verdienen“, betont Can. Weiter erklärt er, dass sie mit dem Projekt auch nicht reich werden wollen: „Zum Leben soll´s reichen.“

Can und Marina beim Befüllen eines der vielen Spender.

Neben den aus anderen Unverpackt-Läden bekannten Produkten, wie Nudeln, Mehl, Zucker, etc. wird man aber auch was Küchenkräuter angeht bei Natur Pur fündig. In der Infarm - einer kleinen künstlichen Farm - können Kräuter wie Basilikum, Koriander oder Petersilie direkt wie frisch vom Feld mitgenommen werden. Sogar Putz- und Waschmittel werden zum selbst Abfüllen angeboten. Marinas und Cans Sortiment bietet etwas für jeden Anlass: „Wir nehmen auch gerne Produkte von lokalen Herstellern, wie Ketten oder andere Accessoires auf, die man dann bei uns als zum Beispiel Geschenk kaufen kann.“ Handgefertigte Flaschenöffner und Schnuller-Halsketten liegen beispielsweise bereits im Laden.

Geschäftsstart mitten in der Corona-Pandemie: So lief der Prozess bis zum fixen Eröffnungsdatum

Einfach war es nicht, erzählen Marina und Can. Ohne großen finanziellen Rückhalt für ihr Projekt haben sich die beiden für einen Existenzgründer-Kredit beworben. „Das hat sehr lange gedauert, wegen Corona. Aber wir haben ihn gekriegt. Und das ist eigentlich das beste, was uns passieren konnte, weil wir dadurch ein wenig Vorlauf haben, bevor wir den Kredit abbezahlen müssen“, erklärt Marina. „Als die Bank sich den Businessplan angeschaut hat und gesagt hat, dass das funktioniert, war für uns die erste Hürde genommen. Jetzt müssen wir schauen, wie es die Kunden annehmen“, ergänzt Can.

„Oft werden wir gefragt, wie das denn mit der Hygiene im Laden ist“, erzählt Can. Darüber haben sie sich aber bereits Gedanken gemacht. Bei den Spendern im Laden erfolgt anders als bei Verpackungen im Supermarkt gar kein direkter Kontakt mit dem Kunden. Und bei den Produkten, die mit einer Kelle entnommen werden müssen, haben sie sich entschieden, den zusätzlichen Aufwand anzunehmen: Benutzte Kellen werden in einen extra Behälter gelegt, damit sie vor der nächsten Verwendung gewaschen und desinfiziert werden können. Genug Kellen liegen schon bereit.

Details zum Projekt und Aktionen der jungen Ladenbesitzer findet man auf der Instagram-Seite von Natur Pur und auf ihrer Facebook-Seite.

Eröffnung am Freitag, den 4. Dezember, ab 9 Uhr

Schon früh war das Projekt in aller Munde und in Facebook-Gruppen der Aiblinger Bürger wurde früh über ein Eröffnungsdatum spekuliert. Eigentlich wollten Marina und Can bereits Anfang bis Mitte November eröffnen, was sich aber wegen corona-bedingten Lieferungsverzögerungen weiter nach hinten verschob. Jetzt haben die beiden aber ein Datum: am Freitag, den 4. Dezember, um 9 Uhr öffnen sich die Türen des neuen Unverpackt-Ladens in der Rosenheimer Straße 4 für die Aiblinger. Die ersten 100 Kunden bekommen eine Rose geschenkt.

mda

Kommentare