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Romed-Chef vor dem Rosenheimer Kreistag

Geburtshilfe in Bad Aibling: Der Abschied ist so gut wie besiegelt

Hand in Hand: Laut Geschäftsführer Deerberg-Wittram kann in Rosenheim und Wassburg auch bei Notfällen während der Geburt bestens geholfen werden. Foto: dpa
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Hand in Hand: Laut Geschäftsführer Deerberg-Wittram kann in Rosenheim und Wassburg auch bei Notfällen während der Geburt bestens geholfen werden.

Nun hat Romed-Geschäftsführer Deerberg-Wittram seine Gründe gegen eine Geburtshilfe in Bad Aibling genannt. Vorm Kreistag sprach er sich gegen eine Wiederbelebung aus. Wegen des Personalmangels und aus rechtlichen Gründen, aber auch nach Maßstäben der Qualität sei eine Wiedereröffnung wohl nicht zu erwarten.

Bad Aibling – Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram hat vom Kreistag für seine Pläne mit dem Romed-Klinikum Bad Aibling viel Zustimmung erhalten. Eben dort, in der Kurstadt, war der Kreistag zusammengekommen. Deerberg-Wittram warb für einen Ausbau des Standorts als Zentrum unter anderem für Altenmedizin. Keine Hoffnung machte der Geschäftsführer im Kurhaus dagegen auf eine Wiederbelebung der Geburtshilfe-Station in Bad Aibling. Sie sei schlicht zu klein, und zu groß seien die Hürden bei der Suche nach Personal für eine solche Abteilung im Mangfalltal.

Der weitere Ausbau aber bedeute die Stärkung Bad Aiblings innerhalb des Romed-Verbunds. Es gehe dabei um ein spezielles Gebiet der Medizin, „die wir nicht an jedem Standort anbieten können“.

Entscheidung am Wochenende

Mit seinem Vortrag bereitete Deerberg-Wittram das Gremium auf die Sitzung des Romed-Aufsichtsrates am kommenden Wochenende vor. Die Aufsichtsräte sollen entscheiden, ob sie beim Gesundheitsministerium die Herausnahme der Geburtshilfe aus dem Krankenhausplan beantragen. Der Aufsichtsrat besteht aus je zehn Mitgliedern von Kreistag und Rosenheimer Stadtrat unter dem wechselnden Vorsitz von Landrat Otto Lederer und Oberbürgermeister Andreas März (beide CSU).

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Kurz vor der Sitzung des Kreistags hatte der Landtagsabgeordnete und AfD-Kreisvorsitzende Andreas Winhart kritisiert, dass der Kreistag lediglich informiert werde und nicht über die Streichung der Bad Aiblinger Geburtshilfe aus dem Bettenplan abstimmen dürfe.

Eine derartige Abstimmung sieht der Gesellschaftervertrag allerdings auch nicht vor, die Entscheidung obliegt dem Aufsichtsrat. Streng genommen hätte der Kreistag auch erst nach der Entscheidung des Aufsichtsrats informiert werden können.

Landrat Lederer: „Fairer, den Kreistag vor Beratung des Aufsichtsrats zu informieren“

Mit dem Punkt „Information über die Belegabteilung Geburtshilfe“ auf der Tagesordnung habe er dem Aufsichtsrat nicht vorgreifen wollen, er habe auch nicht die Beeinflussung des Gremiums beabsichtigt, sagte Landrat Otto Lederer. „Ich dachte einfach, es wäre fairer, wenn wir es heute besprechen.“

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Wofür ihm sogar Winharts Parteifreund und Kreistagskollegen Franz Bergmüller Anerkennung zollte: Der AfD-Abgeordnete dankte Lederer für die Transparenz. Danach kritisierte Bergmüller aber das Vorhaben von Romed, die Geburtshilfe aus dem Plan nehmen zu lassen. Die Station gehöre zur Grundversorgung und sei nicht unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen.

Fachkräftemangel besiegelt das „Aus“

Nach Deerberg-Wittrams Ausführungen sind es weniger die Kosten als der Mangel an Fachärzten und Hebammen, der einer Station in Bad Aibling entgegensteht. Mit Belegärzten – Vertragsärzten, die neben ihrer Praxis Patienten in der Klinik behandeln, sei der Betrieb nicht zu machen. Denn Belegärzte gebe es immer weniger, desgleichen Hebammen. Für eine Hauptstation aber mit festangestellten Ärzten und Mitarbeitern reiche die Nachfrage nicht aus. Zwischen 2015 und dem Schließungsjahr 2017 sei Bad Aibling bei etwa 640 Neugeborenen pro Jahr gewesen. „Das ist extrem klein“, sagte der Romed-Geschäftsführer.

Auf der anderen Seite sei da der Ausbau des Klinikums. Romed habe einen wichtigen Bauabschnitt vollendet. Nun wolle man die Förderung für Sanierung oder Neubau der Bettenhäuser beantragen. Davor aber erwarte das Ministerium eine Antwort bezüglich der Geburtsstation. Bad Aibling Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) schloss sich dem wenn auch bedauernd an: „Die Sicherung des Standorts ist wichtiger als das Beharren auf einer Position, die man nicht umsetzen kann.“

Für die Position von Deerberg-Wittram sprachen sich auch Andrea Rosner (Grüne) und Katharina Kern (CSU) aus. „Wichtig ist, dass das Kind gleich gut versorgt ist, wenn was passiert“, sagte Kern als Reaktion auf Bergmüllers Vorwurf, für viele Menschen in der Region sei der Weg zur nächsten Geburtstation zu weit. Am Klinikum Rosenheim etwa sei alles vorhanden, was im Notfall benötigt werde.

Steigende Zahlen: Seit der Schließung der Bad Aiblinger Geburtshilfe 2017 kommen mehr Kinder in Wasserburg und Rosenheim zur Welt.

Wasserburg soll bald die Marke von 1200 Neugeborenen anpeilen

Romed unterhält neben Rosenheim noch Wasserburg als zweiten Standort. Beide legten in den vergangenen Jahren zu. Vor allem Wasserburg könnte darüber hinaus stark wachsen. Dort wird voraussichtlich im Sommer 2022 das Klinikum mit einer neuen Entbindungstation und neuen Kreißsälen aufwarten können. Das Klinikum dort werde „ganz schnell die Marke von 1200 erreichen“, sagte Deerberg-Wittram. Für den westlichen Landkreis empfiehlt sich außerdem Agatharied mit seiner hervorragend ausgestatteten Klinik.

Für Bad Aibling machte der Romed-Geschäftsführer hingegen keine Hoffnung: Aus personellen und rechtlichen Gründen wie nach Maßstäben der Qualität sei eine Wiedereröffnung „in absehbarer Zeit“ nicht zu erwarten.

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