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Blick hinter die Kulissen im Ukraine-Krieg

„Habe Putin erlebt“ - Sicherheitspolitiker spricht in Bad Aibling über die deutsche Rolle im Ukraine-Krieg

Thomas Geppert, Ortsvorsitzender der CSU Bad Aibling, begrüßt IDU-Generalsekretär Christian Kattner in Bad Aibling zu einer Diskussionsrunde namens „Blick hinter die Kulissen im Ukraine-Krieg“.
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Thomas Geppert, Ortsvorsitzender der CSU Bad Aibling, begrüßt IDU-Generalsekretär Christian Kattner in Bad Aibling zu einer Diskussionsrunde namens „Blick hinter die Kulissen im Ukraine-Krieg“.

„Wir sind längst Teil dieses Krieges“, sagt der Generalsekretär der Internationalen Demokratischen Union, Christian Kattner, bei einer Diskussion in Bad Aibling. Wie er die aktuelle Situation einschätzt und welche Position Deutschland einnimmt.

Bad Aibling – Wie weit ist Deutschland eigentlich noch davon entfernt, aktiv in den Krieg zwischen Russland und der Ukraine einzugreifen? Oder ist dies längst geschehen? Mit Fragen wie diesen beschäftigte sich eine Gesprächsrunde in Bad Aibling, zu der die CSU eingeladen hatte. Zu Gast in der Weinstube des Gasthofs Kriechbaumer war der Außen- und Sicherheitspolitiker Christian Kattner aus München, der als Generalsekretär der Internationalen Demokratischen Union (IDU) einen „Blick hinter die Kulissen im Ukraine-Krieg“ gab. Kattner selbst pflegt „sehr viele Kontakte in die Ukraine“, ist international vernetzt und begegnete dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits persönlich.

Bad Aiblings Bürgermeister Schlier fehlt wegen Quarantäne

„Wie schaut es aktuell eigentlich aus, was droht uns vielleicht noch?“, leitete Thomas Geppert, Ortsvorsitzender der CSU Bad Aibling, die Veranstaltung fragend ein. Dabei entschuldigte er Bürgermeister Stephan Schlier sowie „etliche andere“, die aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen nicht anwesend sein konnten. Die knapp 30 Besucher sorgten dennoch für eine angeregte Diskussion, bei der der Experte auf viele drängende Fragen einging.

Kattner ist seit 2016 Generalsekretär der IDU, dem internationalen Netzwerk von über 80 konservativen, christdemokratischen Parteien. Er machte bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass man sich auf einen noch länger andauernden Krieg in der Ukraine einstellen müsse. „Alles, was man sich seit dem kalten Krieg aufgebaut hat, wurde innerhalb eines Monats in die Tonne getreten.“ Dabei warf Kattner zunächst einen Blick zurück.

„2000 war Putin erstmals Präsident, Russland und Europa näherten sich an“, erklärte der 46-Jährige. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Jahre 2007 habe es dann den „ersten Dämpfer“ gegeben, da Putins Vorstellung einer Sicherheits-Ordnung von der Europas weit auseinanderging. Der eigentliche Kriegseintritt gegen die Ukraine fand dann „nicht heute, sondern 2014 mit der Krim statt“, so Kattner. Daraufhin habe es aus Sicht der EU einen „eingefrorenen Konflikt“ gegeben, bis vor wenigen Wochen 150 000 russische Soldaten in die Ukraine einmarschierten.

Außenpolitiker: Russland hat 10.000 Soldaten verloren

„Das Leid der ukrainischen Bevölkerung geht ins Unermessliche“, betont der Außenpolitiker. Dennoch hätte Russland nicht mit solch einer Gegenwehr gerechnet. Laut Schätzungen, sagt Kattner, habe Russland innerhalb eines Monats bereits 10 000 Soldaten verloren. Weil die russischen Truppen nicht mehr so schnell wie erhofft vordringen könnten, sei es zum Vernichtungskrieg gekommen. „Es werden nicht mehr nur militärische Ziele angegriffen, auch Städte und Wohngebiete werden zerbomt“, so Kattner.

Was die Bad Aiblinger an diesem Abend besonders interessierte, war, wie die Rolle Deutschlands in dem Krieg einzuschätzen sei. Laut Kattner fordere die Ukraine vom Westen Waffen für die Luftverteidigung. Auch wenn sich Deutschland bereits mit anderen Waffenlieferungen beteiligt habe, sei man, was den Luftraum angeht, noch sehr zurückhaltend. „Viele argumentieren, dass solche Lieferungen einem Kriegseintritt gleichkommen würden.“

„Ich glaube, wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt“

Doch bei aller Vorsicht müsse sich der Westen auch die Frage stellen, wie lange er noch zusehen kann. „Wir kommen hier in den Bereich des Kriegsverbrechens“, sagt Kattner. Die Frage sei, wo die Staaten jeweils die rote Linie ziehen, wo ihre Schmerzgrenze liege. „Ich glaube, wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt“, sagt Kattner. Sollte sich der Krieg jedoch noch über Monate hinziehen, werde die Diskussion früher oder später immer lauter geführt. „Ja, man kann auch sagen, wir sind längst Teil dieses Krieges“, bestätigte Kattner eine Wortmeldung aus dem Publikum, angesprochen auf die bisherigen Lieferungen Deutschlands. Für den Sicherheitspolitiker ist aber klar: „Wenn der Westen keine Waffen liefert, dann würden die Ukrainer überrannt werden.“

Wie Putin als Persönlichkeit einzuschätzen sei, wollte eine Besucherin an diesem Abend wissen. Kattner, der Putin persönlich bei der Sicherheitskonferenz erlebt habe, glaubt nicht, dass der russische Präsident derzeit völlig irrational handelt. „Er hat immer noch Rationale um sich herum, die ihn davon abhalten, auf den Knopf zu drücken“, so Kattner. Aus deutscher Sicht sei man nicht „Herr des Geschehens“ und müsse darauf hoffen, dass die Friedensverhandlungen etwas ergeben. Letztlich müsse irgendjemand nachgeben und dass Putin gesichtswahrend aus der Kriegssituation hervorgehen könnte, sei kaum denkbar.

Thomas Geppert: „Brauchen klare rote Linie“

„Aus meiner Sicht brauchen wir eine klare rote Linie“, betonte später auch Thomas Geppert. Allerdings befinde man sich auch in einem wirtschaftlichem Dilemma, da man von russischem Gas abhängig sei. „Uns muss deshalb bewusst sein, dass wirtschaftliche Sanktionen auch Konsequenzen haben“, so Geppert. Die Gäste der Bad Aiblinger Gesprächsrunde brachten ihre Verwunderung zum Ausdruck, weshalb Europa und speziell auch Deutschland nicht schon viel früher Putins Kurswechsel bemerkt haben. Kattner dazu: „Man hat es wohl nicht kommen sehen wollen.“

Die nächsten zwei Wochen könnten, so der 46-Jährige, entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf werden. Es werde sich nun zeigen, ob die Ukraine weiter durchhält und ob es den Russen auf der anderen Seite gelingt, mehr Waffen, Nahrung oder auch Feldbetten für ihre Soldaten nachzuliefern.

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