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Stadträte stellen klare Forderungen

„Herr Bürgermeister, so nicht!“ - Streit über die neue Website der Stadt Bad Aibling eskaliert

Beim Aufruf der Homepage werden Besucher gleich zu Beginn von Kurdirektor Thomas Jahn begrüßt.
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Beim Aufruf der Homepage werden Besucher gleich zu Beginn von Kurdirektor Thomas Jahn begrüßt.

Streit, Anschuldigungen und die Ankündigung, den Sitzungssaal zu verlassen. Wer den letzten Hauptverwaltungsausschuss im Bad Aiblinger Rathaus mitverfolgt hat, der weiß, dass die Internetseite der Stadt ein sensibles Thema ist. Doch warum eigentlich?

Bad Aibling – Wenn ein Stadtrat wutentbrannt seine Sachen zusammenpackt und ankündigt, den Sitzungssaal zu verlassen, dann sind zuvor offensichtlich die Fetzen geflogen. Auf den ersten Blick mag es deshalb überraschend klingen, dass der Internetauftritt der Stadt Bad Aibling Inhalt der Streitigkeiten war. Doch die städtische Website sorgte in der jüngsten Sitzung des Aiblinger Hauptverwaltungsausschusses für hitzige Diskussionen.

Vorausgegangen war eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Darin bat Stadträtin Katharina Dietel um Stellungnahme der Verwaltung, was die neugestaltete Homepage der Stadt angeht. „Eigentlich sollen die Informationen der Stadt leicht zugänglich und modern abrufbar sein“, sagte Dietel. Nun stelle man mit Verwunderung fest, dass die Seite unübersichtlich sei und dass der Online-Auftritt überwiegend die Kur- und Touristinformation präsentiere, weniger die städtische Verwaltung.

„Man scrollt vergeblich, um Rathaus-Informationen zu bekommen.“

Screenshot der Homepage Bad Aibling.

Laut Dietel verstecke sich die Stadt auf der Website. „Man scrollt vergeblich, um Rathaus-Informationen zu bekommen.“ Dabei müsste die Stadt selbst im Vordergrund stehen. Dietel zufolge hätte die Neugestaltung dazu führen sollen, dass Aktuelles auf einen Blick zu sehen sei, dass die Suchfunktionen zuverlässig funktionieren. Dies sei nicht der Fall. Um tatsächlich Informationen aus dem Rathaus zu finden, müsse man auf das „kleine Häuschen“ klicken, was Internetnutzer nicht auf den ersten Blick erkennen könnten, sagte Dietel.

„Vorab würde ich gerne klarstellen, dass Ihre Anfrage auf einem Missverständnis beruht“, reagierte Bürgermeister Stephan Schlier auf die Kritik. So handele es sich beim aktuellen Internetauftritt nicht um einen End-, sondern viel mehr um einen Zwischenstand. Auch für den touristisch geprägten Charakter der Website hatte Schlier eine Erklärung: „Die Seite hat zwei Säulen, einmal der touristische und einmal der städtische Teil“, erklärte der Rathauschef. Letzterer sei deutlich komplexer und beinhalte wesentlich mehr Inhalte.

Bürgermeister Schlier: Website hat touristischen und städtischen Teil

Da der touristische Teil der Website bereits fertiggestellt wurde, habe man diesen schon online gestellt, was zugleich für das überwiegend touristische Erscheinungsbild sorgt. Die Neugestaltung des städtischen Teils sei hingegen aufgrund der vielfältigeren Inhalte noch nicht abgeschlossen. Rathausinformationen würden jedoch nach wie vor gepflegt und aktualisiert, allerdings noch im alten Design und, wie beschrieben, weniger prominent platziert. Schlier bat deshalb darum, die Diskussion über die Homepage nicht verfrüht zu führen.

Screenshot der Homepage Bad Aibling.

Zufrieden gab sich das Gremium damit jedoch überwiegend nicht. Allen voran Erwin Kühnel (CSU) übte harsche Kritik an der Online-Präsenz Bad Aiblings. „Wenn Bürger auf die Bad Aibling-Seite gehen, kriegen sie als erstes Infos, wie man Urlaub machen kann“, bemängelte der Stadtrat. Dabei müsste selbstverständlich erst der städtische Teil, dann der touristische in Erscheinung treten. Laut Kühnel sei der Bürgermeister für eine städtische Internetseite verantwortlich. Deshalb müsste auch er am Anfang der Website mit einem Grußwort die Gäste empfangen. „Es kann nicht sein, dass stattdessen ein riesen Konterfei des Kurdirektors zu sehen ist“, so Kühnel. „Aber ich habe ja keine Ahnung von IT, ich habe ja auch nur mein ganzes Leben in diesem Bereich gearbeitet“, sagte der Stadtrat wütend und verwies auf seine berufliche Expertise.

„Die mobile Ansicht auf dem Handy ist lächerlich.“

Die Stadt dürfe kein Anhängsel der Kurverwaltung sein. „Herr Bürgermeister, das geht so nicht“, sagte Kühnel und forderte die Verwaltung auf, sich die Art der Neugestaltung noch einmal reiflich zu überlegen. Richtig verstanden fühlte sich der CSU-Stadtrat jedoch nicht, weshalb er wütend seine Tasche packte. „Ich lasse mir von Ihnen nicht sagen, ob ich zu reden habe“, richtete er noch einige Worte an Bürgermeister Schlier.

Bürgermeister Stephan Schlier.

Auch Stadtrat Richard Lechner (SPD) hatte sich den Ablauf der Neugestaltung anders vorgestellt. „Ich dachte, dass wir daran etwas früher beteiligt werden.“ Für Irene Durukan (Grüne) gehe es grundsätzlich um den Service für die Bürger. „Ich selbst bin zwar internetaffin, aber man sucht sich auf der Seite wirklich dumm und dämlich.“ Auch Florian Weber (Bayernpartei) habe den Eindruck, dass die Nutzung bislang „nicht leichter geworden“ sei. Thomas Geppert (CSU) zeigte dagegen Verständnis für die Startschwierigkeiten. Die Neugestaltung der Internetseite sei ein „komplizierter Prozess“ und ein Urteil sollte man erst am Ende fällen.

Weniger verständnisvoll blieb Katharina Dietel (Grüne). Zum vermeintlich fertiggestellten touristischen Teil der Website sagte sie: „Die Ansicht auf dem Desktop ist okay, die mobile Ansicht auf dem Handy ist lächerlich.“ Zudem verliefen diverse Verlinkungen ins Leere. Bürgermeister Schlier versuchte schließlich die Wogen zu glätten und versicherte, dass künftig nicht der Kurdirektor, sondern er selbst als Bürgermeister ganz oben auf der Website zu sehen sei. Insgesamt werde noch vieles angepasst. Andererseits geht er auch davon aus, dass viele Menschen ohnehin nicht den „Umweg“ über die Startseite der Stadt gingen, sondern direkte Informationen über die Stadt bei Google erfragten.

Was steckt hinter der neuen Website?

Wer im Internet bad-aibling.de eingibt, der findet die Internetseite seit mehreren Wochen in neuem Gewand vor. Neues Design, neue Struktur, neue Funktionen. Der Internetauftritt wird durch die „Neusta consulting GmbH“, einem Hamburger Unternehmen, erstellt und gepflegt. Doch die Online-Recherche macht schnell deutlich, dass die Homepage den touristischen Aspekt Bad Aiblings klar in den Vordergrund rückt.

„Nach vielen Monaten Planung und Arbeit freuen wir uns, Ihnen zum Jahresstart 2022 unsere neue Webseite vorstellen zu dürfen. Tauchen Sie ein in unsere schöne Kurstadt Bad Aibling. Mit großen Bildstrecken und vielen neuen Funktionen können Sie Ihren Urlaub in Bad Aibling jetzt noch leichter planen“, heißt es gleich zu Beginn im Grußwort des Kurdirektors Thomas Jahn – und wohlgemerkt nicht des Bürgermeisters Stephan Schlier.

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