KEINE ENTBINDUNGEN MEHR IN DER AIBLINGER ROMED KLINIK

Klaus Stöttner: "Die Sicherheit von Müttern und Kindern muss oberste Handlungsmaxime bleiben."

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
  • schließen
  • Andreas Hundseder
    Andreas Hundseder
    schließen

Bad Aibling - Pro Jahr erblickten rund 600 Babys pro Jahr in der Aiblinger RoMed-Klinik das Licht der Welt. Doch damit ist ab 15. August Schluss: Dann werden keine Babys mehr in der Aiblinger RoMed Klinik entbunden. Nach Vorwürfen äußern sich nun Politiker aus der Region:

UPDATE, 18 Uhr: Statement von Klaus Stöttner

Die Schließung der Geburtenstation am RoMed-Standort Bad Aibling ist zutiefst bedauerlich und vor allem für die werdenden Eltern im Einzugsbereich der Klinik ein herber Verlust. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Station, die lange Jahre die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern auf höchstem Qualitätsniveau sichergestellt haben, gilt zunächst mein Dank. 

Auch zukünftig wird sich an diesem hohen Qualitätsstandard nichts ändern. Die medizinische Versorgung ist sichergestellt. Um diesen Standard jedoch auch weiterhin halten und auch ausbauen zu können, ist es nun notwendig die Zusammenarbeit zwischen den Klinikstandorten Wasserburg und Rosenheim besonders im Bereich der Geburtenhilfe zu intensivieren. Die Sicherheit von Müttern und Kindern muss - wie bisher auch - immer oberste Handlungsmaxime bleiben.

UPDATE, 16.40 Uhr: Statement Günther Knoblauch

"Eine ausreichende Versorgung mit Hebammen und Geburtshilfestationen ist essentiell und gehört zur Daseinsvorsorge", findet MdL Günter Knoblauch. "Genauso wie beispielsweise eine flächendeckende Versorgung mit Hausärzten oder Schulen vor Ort – damit verhindern wir Landflucht. Als Mitglied der Enquêtekommission 'Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern' setze ich mich seit langem für eine Stärkung des ländlichen Raumes und eine ausreichende gesundheitliche Versorgung ein – gegebenenfalls mit Sicherstellungszuschlägen.

Wir erleben gerade einen höchst erfreulichen Babyboom. Mit dem Anstieg der Geburtenrate ist auch die Zahl der Hebammen von 4.516 im Jahr 2009 auf 5.246 im Jahr 2016 gestiegen. Allerdings sind nicht alle auch in der Geburtshilfe tätig. Die Geburtshilfestation in Bad Aibling soll schließen, weil sich nicht ausreichend Hebammen finden, die dort tätig werden möchten. Auch eine Festanstellung konnte sie nicht dazu ermuntern. Das bedauere ich ungemein, weil eine Festanstellung durchaus Vorteile birgt. Wenn die Hebammen Flexibilität als Kriterium angeben, muss es doch möglich sein, ihnen diese auch einzuräumen.

Momentan warten wir Politiker auf das Ergebnis einer umfassenden Studie über die Situation der Hebammen. Dabei wird der Ist-Zustand analysiert und dann eine umfangreiche Bedarfsanalyse entwickelt. Anschließend müssen wir konkrete Maßnahmen an konkreten Standorten ergreifen. Ich hoffe sehr, dass das Gutachten bald vorliegt, damit wir valide, nachhaltige und zukunftsbezogene Daten haben, auf Basis derer wir fundierte Entscheidungen treffen können, die langfristig wirken. Denn eines ist klar: Unsere Kinder sind uns das Wertvollste und wenige Momente im Leben so bewegend und emotional wie die Geburt unserer Kinder – deshalb müssen wir für die beste Versorgung rund um die Geburt sorgen!"

UPDATE, 15.27 Uhr: Statement Daniela Ludwig

Auch MdB Daniela Ludwig hat sich zu den Vorwürfen seitens der Ärzte im Hebammen-Streit von Bad Aibling geäußert: "Ich habe viel Verständnis für das Bedauern der Bevölkerung angesichts der Schließung der Geburtsstation in Bad Aibling. Die medizinische Versorgung für werdende Mütter ist in der Region allerdings weiterhin gesichert. Das hat für mich höchste Priorität. Insofern begrüße ich auch die Bereitschaft des Klinikums, den Hebammen Festanstellungen anzubieten. Es ist bedauerlich, dass auf diesem Weg dennoch keine Lösung gefunden werden konnte, " schreibt Ludwig in einem Statement.

"Wir haben uns im Bund bereits in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Geburtshilfe beschäftigt und insbesondere die Lage der freiberuflichen Hebammen verbessert. Denn richtigerweise werden oft die hohen Versicherungsbeiträge angesprochen, die jedoch aufgrund der durchaus bestehenden Risiken bei jeder Geburt bis zu einem gewissen Grad auch berechtigt sind.

Um Hebammen dabei zu unterstützen, erhalten diejenigen, die die notwendigen Qualitätsanforderungen erfüllen, seit 2015 einen Sicherstellungszuschlag. Durch den Sicherstellungszuschlag werden die steigenden Prämien der Berufshaftpflichtversicherung ausgeglichen und freiberuflich tätige Hebammen, die Leistungen der Geburtshilfe erbringen, dauerhaft finanziell entlastet. Das ist ein entscheidender Beitrag zum Erhalt einer flächendeckenden Versorgung mit Hebammenhilfen.

Außerdem haben wir neu geregelt, dass Kranken- und Pflegekassen in bestimmten Fällen keine Regressforderungen gegenüber freiberuflichen Hebammen erheben können. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Versicherungsprämien zu stabilisieren und insbesondere Anreize zu schaffen, damit wieder mehr Versicherungsunternehmen den erforderlichen Versicherungsschutz für Hebammen anbieten. Die ersten Signale auf diese wichtige politische Initiative zeigen, dass der steile Anstieg der Prämien deutlich gebremst wurde und erstmals auch wieder länger laufende Versicherungsverträge angeboten werden. Wir werden dies weiter beobachten und falls nötig auch über eine Erhöhung des Sicherstellungszuschlags sprechen. Auch für Krankenhäuser gibt es neu eingeführte Sicherstellungszuschläge, die sich positiv auf die stationäre Geburtshilfe auswirken.

Insofern haben wir bereits einige wichtige Verbesserungen erreicht, um die Geburtshilfe auch im ländlichen Raum zu sichern, werden die Situation aber auch weiterhin im Blick behalten.“

UPDATE, 14.20 Uhr: Otto Lederer mit Statement

"Die Entwicklung des geburtshilflichen Bereichs am RoMed Klinikum in Bad Aibling ist sehr bedauerlich. Deshalb kann ich die emotionalen Reaktionen gut verstehen, die im Zuge dessen insbesondere bei den betroffenen Hebammen, Ärzten und werdenden Müttern und Vätern aufkommen", beginnt MdL Otto Lederer sein Statement zu den Vorwürfen. "Vor diesem Hintergrund müssen dennoch der Sachverhalt und auch die Zusammenhänge, die zu dieser Sachlage geführt haben, intensiv erläutert und geklärt werden. Danach sollte umgehend an Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Situation gearbeitet werden."

Pauschale Vorwürfe seien laut Lederers Erachtens kontraproduktiv. Von Seiten der Bundes- und Landespolitik werde schon seit Jahren versucht, die Lage der Hebammen zu verbessern. Dennoch müsse man in diesem Zusammenhang auch die Verantwortung der Krankenkassen und der Hebammen- bzw. Ärzteverbände sehen.

"Darüber hinaus gibt es auch regionale Besonderheiten, welche die Situation vor Ort prägen können. Aus diesem Grund wird eine Lösung wohl nur im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure gefunden werden können", beschließt Lederer seine Ausführungen.

anh

Bericht, Donnerstag 6.54 Uhr: Belegarzt Dr. Vorhoff findet deutliche Worte

Der Hebammenmangel ist dabei nicht das alleinige Problem in Bad Aibling. Neben der Klinik wünschen sich auch manche Hebammen, dass mehr auch im Bereich der Geburtshilfe tätig wären. 

Auf die Frage, warum die Klinik die Hebammen nicht festanstellt, erklärt Geschäftsleiter der Kliniken Peter Lenz am Mittwoch , das habe man den Hebammen angeboten. Allerdings lehnten diese ab. Durch die Freiberuflichkeit sind Hebammen flexibler. Außerdem, so Lenz weiter, verdienen Hebammen durch die Kombination von Geburtsvorbereitung und der stationären Tätigkeit am Ende mehr als bei einer Festanstellung. Schwangere werden ab dem 15. August in Wasserburg und Rosenheim betreut.

Die Bestürzung in der Bevölkerung ist groß - aber auch in der Klinik selbst ist die Stimmung sehr gedrückt. „Es herrscht Betroffenheit unter den Mitarbeitern. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass eine Ära zu Ende geht. Keine werdenden Eltern mehr, die man im Haus getroffen hat und die das Haus dann glücklich mit einer Babysitzschale verlassen, keine stolzen Opas und Omas, die ihre neugeborenen Enkel anschauen kommen. In der Klinikleitung die traurige Gewissheit, den Kampf um den Erhalt der Geburtshilfe letztlich verloren zu haben“, beschreibt der kaufmännische Leiter Erhard Marburger die Stimmung im Interview mit dem OVB.

Zurück bleibt für die werdenden Eltern eine Frage: Überall werden Geburtsabteilungen geschlossen (Prien 2015, Bad Tölz 2017) - Warum nimmt sich niemand diesem Problem an? Gynäkologe Dr. Wolfgang Vorhoff, einer der Belegärzte an der Aiblinger Klinik, findet gegenüber dem OVB deutliche Worte: „Die Arbeit als Belegarzt wird von der Politik systematisch zerstört. Gewünscht sind nur noch große Geburtskliniken mit über 1000 Entbindungen pro Jahr.“

Geschäftsleiter der Kliniken, Peter Lenz, betont gegenüber dem OVB jedoch, dass hier finanzielle Gründe für die Hebammen (hohe Versicherungskosten) nicht ausschlaggebend gewesen seien, sondern der Mangel an Kolleginnen aufgrund von Wegzug, Schwangerschaft oder zu wenig Zeit für die Familie.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie auf ovb-online.de oder in Ihrem gedruckten Mangfallboten.

Quelle: mangfall24.de

Zurück zur Übersicht: Bad Aibling

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser