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Beschwerde über Lärmbelästigung beim Electrifinity

„Unser Enkelkind hat geweint“: War die Musik beim Aiblinger Elektrofestival lauter als erlaubt?

Die DJ-Zwillinge Miriam und Olivia Nervo aus Australien sorgten beim Electrifinity für Stimmung.
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Die DJ-Zwillinge Miriam und Olivia Nervo aus Australien sorgten beim Electrifinity für Stimmung.

Nach dem Electrifinity ist vor dem Echelon-Festival. Doch bei lauter Begeisterung der Elektromusik-Fans gibt es auch Kritiker. Ein Bürger hat sich nun über Lärmbelästigung beschwert – und fordert Antworten von Stadt und Veranstaltern.

Bad Aibling – Von einem vollen Erfolg sprach der Veranstalter des Electronic-Music-Festival „Electrifinity“, zu dem Ende Juni tausende Besucher auf den Sportpark Bad Aibling im Ortsteil Mietraching strömten. Doch zufrieden mit der Musik-Veranstaltung war nicht jeder. „Wir mussten alle ohne unser Einverständnis an der Veranstaltung teilnehmen“, sagt Anton Faltlhauser und richtet sich damit an die Redaktion des Mangfall-Boten.

Jeder Beat war im Haus spürbar

Denn so erfolgreich das Event für Veranstalter und Besucher gewesen sei: „Aus Sicht der umliegenden Bürger sieht das anders aus.“ Faltlhauser wohne mit seiner Familie in Heufeld – Luftlinie etwa zwei Kilometer vom Festival-Standort entfernt – und habe dennoch jede Durchsage und jeden Textbeitrag laut und deutlich verstanden. „Im Haus bei geschlossenen dreifach verglasten Fenstern.“ Jeder Beat sei im Haus spürbar gewesen.

Für ihn das Schlimmste: „Unser Enkelkind, drei Jahre alt, bat weinend, das Fenster zu schließen, das sowieso schon geschlossen war, um schlafen zu können“, erinnert er sich. Und das Electrifinity sei nicht die einzige „lärmintensive Veranstaltung“ auf dem Gelände. „Bereits am 21. Mai wurde unsere Nachtruhe gestört und wir fürchten uns schon vor Echelon, Holifest und Ähnlichem.“

Zwar habe der Heufelder nichts gegen laute Musik. „Aber diese Festivals sind nicht nur für die Eventbesucher eine immense Gesundheitsgefährdung, sondern auch für die umliegenden Bürger“, betont Faltlhauser. In jedem Betrieb müsse auf die Einhaltung der Lärm- und Emissionsgrenzwerte geachtet werden. „Warum nicht bei so einer Veranstaltung?“, fragt Faltlhauser. Er bittet alle Verantwortlichen deshalb, die künftigen Veranstaltungen mit „entsprechend korrigierten Emissionsschutzauflagen“ zu versehen und deren Einhaltung zu kontrollieren. Zudem sei es wichtig, dass auch die betroffenen Nachbargemeinden gehört würden.

„Größter Wert auf den Lärmschutz, als Teil des Sicherheitskonzeptes gelegt“

Doch wird bei besagten Events in Bad Aibling die Musik wirklich zu weit aufgedreht und dadurch die Gesundheit gefährdet? Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung teilt die Stadt in einem Schreiben mit, dass man bei Musik-Events von Anfang an involviert sei. „Es wird frühzeitig und in enger Absprache mit dem Veranstalter größter Wert auf den Lärmschutz als Teil des Sicherheitskonzeptes gelegt.“ Die Stadt erstelle hierzu für jede Veranstaltung Vorgaben im Rahmen des Emissions- und Immissionsschutzgesetzes und gibt dem Veranstalter einen Auflagenkatalog vor.

Dieser erstelle daraufhin ein Konzept, welches durch die Stadt, gemeinsam mit der Polizei geprüft werde. „Beachtet werden zum Beispiel die Bühnenausrichtung, geografische Besonderheiten der Umgebung, Zu- und Abströme der Besucher, die Leitung des Verkehrs.“ Zudem müssen sogenannte „kardioide Systeme“ zum Einsatz kommen, die den Schall außerhalb der Veranstaltung beschränken.

Veranstalter kann Kritik nicht nachvollziehen

Darüber hinaus muss der Veranstalter einen Lärmschutzbeauftragten nennen, der während der gesamten Veranstaltung telefonisch erreichbar ist, die Auflagen überwacht und kontrolliert und gegebenenfalls Abhilfe bei Nichteinhaltung schafft. Während den Veranstaltungen wird kontinuierlich an verschiedenen Punkten der Stadt oder den Ortsteilen gemessen, ob sich der Veranstalter an die Auflagen hält. Nicht zu beeinflussen seien dabei natürlich Schallrichtungsveränderungen durch Wind und Wetter. Auch eine Messung des Bassdrucks ist nicht möglich, heißt es in der Mitteilung.

Ein Kind mit Ohrenschutz.

Und was sagen die Veranstalter? Die drastische Beschwerde von Anton Faltlhauser kann Stephan Zeller, Veranstalter des Electrifinity, nicht nachvollziehen. Er bestätigt die Auflagen der Stadt, an die man sich stets halte. Dadurch könne man nicht von einer Gesundheitsgefährdung sprechen. „Es gibt ja auch Besucher, die sich direkt neben die Box stellen und selbst da ist die Lautstärke so geregelt, dass es nicht gesundheitsgefährdend ist“, so Zeller.

Nachdem zwei Jahre lang coronabedingt Ruhe war, komme es nun wieder zu „drei bis vier größeren Veranstaltungen im Jahr“, sagt Zeller. Er findet es deshalb schade, dass „pauschale Aussagen“ über Lärmbelästigung einen falschen Eindruck erweckten. Indes sei eine solche Beschwerde „die absolute Seltenheit“.

Guter Austausch mit den Anwohnern

Denn man komme mit den umliegenden Anwohnern generell sehr gut aus, habe sich im Vorfeld sogar mit der Dorfgemeinschaft Mietraching zusammengesetzt. „Dabei haben wir Deals ausgemacht, etwa Zeiten festgelegt, bis wann wir an welchem Tag spielen“, sagt Zeller.

Der Veranstalter des Echelon, das vom 19. bis 21 August stattfindet, war bis Redaktionsschluss nicht für eine aktuelle Stellungnahme zu sprechen. Allerdings wurde auch im Vorfeld des Elektro-Festivals schon mehrmals betont, wie wichtig es sei, die Planungen in Einklang mit dem Ortsteil Mietraching zu bringen.

Klar ist, dass die Stadt auch beim Echelon wieder Auflagen, die unter anderem den Lärmschutz betreffen, vorgeben wird. Nicht auszuschließen bleibt aber, dass man das Event auch in Heufeld mitbekommen wird.

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