Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Parkinson: Bloß nicht aufgeben - Bad Aiblinger Chefarzt klärt auf

Prof. Dr. Klaus Jahn, Parkinson-Spezialist an der Schön Klinik in Bad Aibling/Harthausen
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Prof. Dr. Klaus Jahn, Chefarzt für Akutneurologie und Parkinson-Spezialist an der Schön Klinik in Bad Aibling Harthausen

Morbus Parkinson ist nicht nur in Deutschland eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Zum Welt-Parkinson-Tag hat rosenheim24.de mit Prof. Dr. Klaus Jahn, Parkinson-Spezialist an der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen über die Krankheit und aktuelle Therapieansätze gesprochen.

Tagtäglich hat Prof. Dr. Klaus Jahn, Chefarzt für Akutneurologie und Akut- und Neurogeriatrie an der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen mit Parkinson-Patienten zu tun. Seine Leidenschaft für das menschliche Gehirn hat der in Jena geborene Arzt schon sehr früh erkannt und sich auf den Fachbereich Neurologie spezialisiert. „Ich wollte immer schon Hirnforscher werden und insofern war für mich relativ rasch klar, dass ich Neurologe werden möchte“, so Prof. Jahn. „Ich weiß auch nicht genau warum mich das so fasziniert, aber es ist schon beeindruckend, was sich im Gehirn abspielt, von dem wir nur teilweise richtig bewusst wahrnehmen können, was da eigentlich passiert und was nicht.“

Nicht heilbar, aber gut behandelbar

Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland sind von Morbus Parkinson betroffen - nimmt man die Frühstadien hinzu, sind es sogar etwa 400.000. Etwa 13.000 kommen jedes Jahr dazu. Vor allem ältere Menschen sind von der tückischen neurodegenerativen Krankheit betroffen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die rechtzeitige Anpassung der Behandlung im Verlauf der fortschreitenden Erkrankung. Zu verstehen, wann Parkinson als fortgeschritten eingestuft und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden sollten, ist dabei ausschlaggebend.

Da Prof. Jahn auf Gangbeeinträchtigungen und Gangstörungen im Allgemeinen spezialisiert ist, betreut er in Bad Aibling sehr viele Parkinson-Patienten, da dies die häufigste neurologische Erkrankung mit diesen Beeinträchtigungen ist. „Wir können in diesem Bereich tatsächlich sehr sehr viel bieten, weil wir auch die verschiedenen Aspekte, die eine Parkinson Erkrankung hat, sehr gut behandeln können. Das hat sich ja Gott sei Dank ganz schön weiterentwickelt, was es da für Behandlungsmöglichkeiten gibt“, sagt der Chefarzt.

Erstmals hat der Arzt James Parkinson 1817 die Symptome von Parkinson beschrieben. Die Krankheit ist nicht heilbar. Doch wenn die ersten Symptome richtig diagnostiziert werden, lässt sich Morbus Parkinson inzwischen so gut behandeln, dass der Krankheitsverlauf erheblich verlangsamt wird. Die ersten Symptome treten meist im Alter um die 60 auf.

Was ist Parkinson überhaupt?

„Beim Parkinson funktionieren die Zellen im Gehirn, die Dopamin produzieren, nicht mehr richtig. Das führt z.B. dazu, dass man Bewegungen nicht starten und ausführen kann. Auch die geistige Flexibilität ist beeinträchtigt. Man kann sich schlecht auf neue Situationen einstellen“, erklärt Prof. Jahn. „Man merkt mehr und mehr, das Parkinson nicht nur eine Erkrankung des Gehirns ist, sondern des gesamten Körpers. Z.B. sind auch Nervenzellen in der Darmwand betroffen, weshalb Parkinson-Patienten häufig unter Verstopfung und Symptomen der Darmfunktion leiden.“ Weil man das immer besser verstehe, könne man immer gezielter für jeden einzelnen Patienten individualisiert eingreifen und die Symptome verbessern.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

„Die meisten Menschen denken an Parkinson, wenn Zittern auftritt, das ist eines der wichtigen Zeichen bei der Krankheit - aber nicht nur“, erklärt der Chefarzt. Weitere Symptome seien, dass Bewegungen immer langsamer werden. Ein Neurologe könne dann sehr schnell durch eine Untersuchung feststellen, ob es Parkinson ist. „Da kann man insofern beruhigen, dass es viele Ursachen für das Zittern gibt und die meisten Zitterformen nichts mit Parkinson zu tun haben. Die lassen sich meist sehr gut mit Medikamenten unterdrücken“, sagt Prof. Jahn.

„Wenn z.B. die Schrift immer kleiner wird, oder die Feinmotorik beim Hemdzuknöpfen schwieriger wird oder kleinschrittiges Gehen, dann kann das schon ein Frühzeichen von Parkinson sein.“ Wenn der Neurologe dann bestätige, dass es Parkinson ist, würde man mit einem Medikament anfangen, dass das fehlende Dopamin ersetzt. Damit könne man die Krankheit meistens über die ersten zehn bis 15 Jahre sehr gut im Griff halten. Prof. Jahn betont aber auch, dass es eine fortschreitende Krankheit sei. „Es wird im Laufe der Zeit schlechter und es wird immer schwieriger das mit diesen Medikamenten anzugehen.“

Möglichst früh erkennen - das könnten Anzeichen sein

Ein frühes Erkennen der Krankheit würde die Therapiemöglichkeiten verbessern. „Ähnlich wie bei der Covid Erkrankung hat man als Frühzeichen oft Schwierigkeiten mit dem Riechen, oder es treten bestimmte Schlafstörungen auf, wie wildes Umherschlagen beim Träumen“, sagt Prof. Jahn. Wenn man die Krankheit früh erkennt, habe man die Chance, die Ursache der Erkrankung anzugehen und weniger die Beschwerden und Symptome.

Es gebe auch erbliche Formen der Parkinson Erkrankung. „Wenn man das weiß, dann sollte man das eigentlich testen lassen. Das lohnt sich insofern, dass es eine ganze Reihe von Studien gibt, die versuchen die Ursachen zu behandeln, z.B. mit Impfungen, mit Infusionen, die die giftigen Eiweisstoffe, die sich da im Gehirn ansammeln, abfangen sollen. Und wenn man da schon registriert ist, dass man die erbliche Form hat, ist die Chance natürlich größer, dass man Teil einer solchen Studie wird.“

„Nicht die Flinte ins Korn werfen“

Motivierende Worte findet der Chefarzt für Parkinson Erkrankte: „Man sollte bei solchen Krankkeiten wie Parkinson, die chronisch verlaufen keineswegs die Flinte ins Korn werfen, sondern immer schauen, dass man Therapien erhält, denn man kann bei so einer Erkrankung lange Zeit sehr zufrieden und mit guter Qualität weiter leben. Aber das passiert nicht von alleine, sondern man muss wirklich aktiv die Sache angehen und dagegen vorgehen. Da lohnt es sich mit dem behandelnden Neurologen immer eng abzusprechen, was jetzt notwendig ist.“

Über Prof. Dr. Klaus Jahn

  • Seit 2015: Chefarzt Neurologie Schön Klinik Bad Aibling Harthausen
  • 2012 - 2014: Direktor Deutsches Schwindel- und Gleichgewichtszentrum der LMU München
  • 2006 - 2014: Oberarzt Neurologische Klinik der LMU München (Klinikum Großhadern)
  • Medizinstudium in Essen, München und Madison (Wisconsin/USA)

jb

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