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„Gute Sache“ oder „beleidigender Vorschlag“?

Wohnen, wo andere parken? Bad Aiblings Stadtrat diskutiert über Wohnungsbau auf dem Bahnhofsparkplatz

Die Idee des Stadtbaumeisters Andreas Krämer sieht eine Überbauung des Parkplatzes durch Wohnung auf Stelzen vor. So sollen keine Stellplätze verloren gehen. Doch der Vorschlag sorgt für Diskussionen.
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Die Idee des Stadtbaumeisters Andreas Krämer sieht eine Überbauung des Parkplatzes durch Wohnung auf Stelzen vor. So sollen keine Stellplätze verloren gehen. Doch der Vorschlag sorgt für Diskussionen.

Der Parkplatz am Bad Aiblinger Bahnhof hat eine „gewisse Historie“ und lädt zur Diskussion ein. Der Stadtrat befasste sich nun mit einem Vorschlag, dort bezahlbare Wohnungen zu errichten. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Parksituation?

Bad Aibling – Wenn Politiker von „bezahlbarem Wohnen“ sprechen, dann geht es in den wenigsten Fällen um Wohnraum mitten auf einem Parkplatz. Doch in Bad Aibling hat man sich genau darüber intensive Gedanken gemacht. In seiner jüngsten Sitzung beschäftige sich der Stadtrat deshalb mit dem Bahnhofsparkplatz und zugleich mit der Frage, ob dort neben den bestehenden Stellplätzen auch Wohnungen entstehen könnten. Gleichzeitig soll der Parkraum dadurch jedoch nicht verkleinert werden. Aber wie soll das funktionieren?

Eine Fläche mit „gewisser Historie“

Eine „gewisse Historie“ bescheinigte Bürgermeister Stephan Schlier dem Bahnhofsparkplatz in Bad Aibling gleich zu Beginn. Provisorischer Parkplatz, Baumaßnahmen der Bahn zwecks Barrierefreiheit, der Vorschlag der Grünen, die Fläche für Energiegewinnung mit Photovoltaik zu nutzen. Zuletzt schloss sich eine Idee des Stadtbaumeisters Andreas Krämer an. Demzufolge sei der Bereich „viel zu schade, um ihn nur fürs Parken zu nutzen“. Seine Idee: Über dem Parkplatz Wohnungen auf Stelzen zu errichten.

Diese sollten dem sozialen Wohnraum gewidmet werden. Der Stadtrat musste hierzu nun eine Grundsatzentscheidung treffen. Die Frage: Soll die Idee der Wohnungsüberbauung weiterverfolgt werden oder bringe man den Parkplatz als solchen weiter voran. Laut Bürgermeister Schlier sei zudem noch offen, ob die Stadt sodann Eigentümer bleibe oder ob man sich um einen Investorenwettbewerb bemühen sollte.

Wie steht der Stadtrat zum Wohnungsbau auf dem Parkplatz?

Wie Andreas Krämer berichtete, habe man zunächst einen Architekten beauftragt, der einen „groben Entwurf“ für unterschiedliche Varianten erarbeitete. Noch vor drei Wochen sprach sich die Mehrheit des Ausschusses für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsplanung für eine solche Variante der Überbauung aus, das Stadtratsgremium zeigte sich da nun deutlich kritischer. Richard Lechner (SPD) machte zunächst deutlich, dass man als Stadt ein Grundstück dieser Lage nicht verkaufen sollte.

Stadtbaumeister Andreas Krämer stieß mit seinem Vorschlag nicht nur auf offene Ohren.

„Wenn es nicht im Eigentum der Stadt bleibt, ist die Sache für mich gestorben.“ Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) fand es zwar gut, dass man sich Gedanken mache, „ich persönlich tendiere aber tatsächlich nicht zur Wohnbebauung sondern zur Parkplatzbebauung“. Sie könne sich ein Parkdeck aus Holz, wie es erstmals auf dem B&O-Gelände errichtet wurde, auch am Bahnhofsparkplatz gut vorstellen. Neben vielen Stellplätzen hätte man dadurch auch die Möglichkeit, eine Photovoltaikanlage anzubringen.

Warum „einen solchen Klotz da hinzusetzen“?

Auch Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) halte es für wichtig, sich mit bezahlbarem Wohnraum zu befassen, „an dieser Stelle passt das meiner Meinung nach aber nicht“. Ähnlich sah es Martina Thalmayr (Grüne), die sich hier ein Parkdeck eher vorstellen könne, als eine Wohnungsüberbauung. „Ich gehe auch eher in diese Richtung, nicht zuletzt durch die mögliche Energiegewinnung.“ Aus ihrer Sicht müsse man den Parkplatz ebenso dafür nutzen, um die Parkplätze entlang der umliegenden Straßen wegzubekommen und damit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Denn: „Aus meiner Sicht ist der Parkplatz derzeit nicht voll ausgelastet“, so Thalmayr.

Laut Bürgermeister Schlier sei der Pendlerparkplatz auch bedingt durch die 1-Euro-Gebühr nicht komplett gefüllt. Dies ändere vermutlich auch ein Parkdeck nicht, so der Rathauschef. Für Andreas Winhart (AfD) befinde sich der Parkplatz in einer „verkehrsgünstigen Lage“. Es sei bereits viel verbaut und der Parkplatz „ist einer der wenigen Flächen, die uns noch bleiben“. Er verstehe nicht, wie man auf die Idee komme, „einen solchen Klotz da hinzusetzen“, so Winhart. Er halte den Vorschlag für „beleidigend“ und sehe andere Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau, als diese.

Parkdeck kommt gut an

Anna Maria Kirsch (ÖDP) tendierte ebenso dazu, es bei dem Parkplatz zu belassen. „Wir sollten ihn auch noch nicht weiter ausbauen, um die Möglichkeit für ein Parkdeck zu bewahren.“ Ganz anders sah es Markus Stigloher (CSU), der „unten parken, oben wohnen“ als gute Sache bezeichnete. Zudem zweifelte er an der Sinnhaftigkeit des Parkdecks, solange der Parkplatz ohnehin nicht ausgelastet sei. Das wollte Richard Lechner (SPD) als Argument allerdings nicht gelten lassen, da schlicht das Geld eine Rolle spiele. „Die Leute sparen sich lieber einen Euro pro Tag, fünf Euro in der Woche, im Jahr kommen ein paar hundert zusammen.“ Lechner stellte zudem infrage, ob das Wohnen am Bahnhof tatsächlich attraktiv sei. „Wenn die Stadt das Geld jetzt ohnehin nicht dafür hat, dann sollten wir den Parkplatz machen.“

Dieter Bräunlich (ÜWG) zeigte sich erleichtert, „dass die Diskussion in diese Richtung geht“. Man brauche das Parkdeck, um die Menschen auf die Schiene zu bekommen. Indes sei Johann Schweiger (CSU) ursprünglich von der Wohnungsüberbauung „sehr angetan“ gewesen. Nun sorge er sich jedoch um die parkenden Autos unter den Wohnungen. „Was ist, wenn Kinder etwas vom Balkon runterschmeißen?“ Doch darüber muss sich letztlich niemand mehr Gedanken machen. Denn der Stadtrat lehnte weitere Planungen zur Überbauung des Parkplatzes mit Wohnungen mit 18:3 Stimmen ab.

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