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Jungbauernschaft Litzldorf setzt Tradition fort

Respektvoll? Ängstlich? Frech? So werden die Bad Feilnbacher Nikoläuse von den Kindern empfangen

Der Heilige aus Myra und sein Gefolge: Im vergangenen Jahr haben (von links) Christine Bergener, Elisabeth Seebacher, Sebastian Wagner und Andreas Bergener ein Nikolaus-Team der Jungbauernschaft Litzldorf gebildet.
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Der Heilige aus Myra und sein Gefolge: Im vergangenen Jahr haben (von links) Christine Bergener, Elisabeth Seebacher, Sebastian Wagner und Andreas Bergener ein Nikolaus-Team der Jungbauernschaft Litzldorf gebildet.

Die Stiefel sind geputzt, die Gedichte einstudiert: Am 5. und 6. Dezember wird der Nikolaus viele Kinderaugen zum Leuchten bringen. Warum es den Nikolaus in Bad Feilnbach gleich doppelt gibt – und manchmal auch die Eltern die Rute verdient haben.

Bad Feilnbach – Weder WM-Superstar Kylian Mbappé noch Comic-Held Thor oder Pop-Sternchen Ava Max: Am 5./6. Dezember gibt es für Kinder mit dem Heiligen Nikolaus nur einen Helden. Oder besser gesagt zwei – jedenfalls in Bad Feilnbach. Denn dort schickt die Jungbauernschaft Litzldorf zwei Nikolaus-Teams zu den Familien, um den Kindern zum einen die Leviten zu lesen, zum anderen zu beschenken.

Es ist jahrzehntelange Tradition, dass Mitglieder der Jungbauernschaft am 5. Dezember mit ihrem Nikolaus-Dienst in der Gemeinde unterwegs sind, um die Nikolaus-Legende in die Wohnungen zu tragen. Für Simon Wallner und Sebastian Wagner, beide 29 Jahre alt, ist es ebenfalls schon Tradition, in das Gewand des Heiligen aus Myra zu schlüpfen. „Zehn Jahre werden es schon sein, dass wir als Nikoläuse unterwegs sind“, sagt Wagner, während Wallner ergänzt: „Und es macht immer wieder Spaß.“

Team besteht aus Nikolaus, Krampus, zwei Engeln und einem Fahrer

Wobei im Vorfeld die laut Wallner „oft recht stressige“ Organisation steht. Zunächst muss die Jungbauernschaft Mitglieder finden, die sich bereit erklären, durch die Gemeinde zu ziehen. „Wir sind immer in einem Fünfer-Team unterwegs“, erklärt Wallner. „Das besteht aus einem Nikolaus, einem Krampus, zwei Engeln und einem Fahrer.“ Wobei die Nikolaus-Rolle in der Regel jahrelang von den selben Personen ausgefüllt wird, der Krampus und die Engel hingegen oft wechseln. „Heuer war die Suche nach Engeln im Vergleich zu vielen anderen Jahren recht einfach“, wie Kilian Reiter (19), Vorsitzender der Jungbauernschaft und Fahrer eines Nikolaus-Teams, berichtet.

Gegen Mitte November trudeln dann per E-Mail die ersten Anfragen von Familien ein, die sich über den Besuch des Nikolauses freuen würden. „Werbung müssen wir keine machen“, sagt Reiter, „Für viele Familien ist das seit Jahren Tradition und ein Muss.“ Zwei Teams hat die Jungbauernschaft für heuer auf die Beine gestellt. Bei rund 15 Minuten pro Besuch kann ein Team am 5. Dezember dann rund zwölf Familien besuchen. Und wenn es mehr Anfragen gibt? „Dann müssen wir schauen, ob wir noch ein drittes Team finden“, sagt Reiter, der gerne als Fahrer, nicht aber als Nikolaus zur Verfügung steht: „Vor dieser Rolle habe ich zu großen Respekt.“

Zwei Nikoläuse in Zivil und ihr Chauffeur: (von links) Sebastian Wagner, Simon Wallner und Kilian Reiter.

Respekt, von dem auch die beiden Langzeit-Nikoläuse Wagner und Wallner ein Lied singen können. Den haben sie heute vor der Rolle, die sie spielen. Den hatten sie aber auch früher als Kinder, wenn der Nikolaus plötzlich im Wohnzimmer stand. „Wenn der Nikolaus kam, war ich völlig fertig“, erinnert sich Wagner an seine Kindheit zurück. „Da hatte ich richtig Schiss.“ Auch Wallner spricht – allerdings mit einem Augenzwinkern – von „einem Trauma, das ich mittlerweile aber überwunden habe“.

Als heutige Nikoläuse wollen die beiden 29-Jährigen natürlich, dass ihre Besuche als Bischof von Myra kein Trauma auslösen – sondern in guter Erinnerung bleiben. So wird, um die Kinder nicht zu verängstigen, auf Wunsch auf die Begleitung des Kramperl verzichtet. Auch in puncto Tadel – über Zettel vor der Tür werden die Nikoläuse über die guten und weniger erfreulichen Eigenschaften der Kinder informiert – zeigen sich die jungen Männer gerne mal nachsichtig. „Wir schauen schon, dass wir die Kinder, die durch den Besuch des Nikolauses völlig aufgewühlt sind, nicht zu sehr schimpfen“, so Wallner. Nach der Standpauke oder den Lobeshymnen haben dann die beiden Engel ihren großen Auftritt: Sie dürfen die von den Eltern vor der Tür bereitgelegten Geschenke verteilen.

Wallner schwingt vorsichtig die Konsum-Rute

Wobei Wallner das Thema Geschenke auch kritisch sieht – und hier wohl einige Eltern einen Tadel durch den Nikolaus verdient hätten. „Die meisten Kinder bekommen kleinere Geschenke“, berichtet der 29-Jährige, der aber auch schon erlebt hat, dass den Kindern riesige Präsente überreicht worden sind, „die ich vielleicht gerade einmal zu Weihnachten bekommen habe“. Was Wallner persönlich „ein bisschen übertrieben“ findet.

Schließlich stehen für die Litzldorfer Nikoläuse nicht die Geschenke, sondern die Barmherzigkeit und die Güte – Eigenschaften des Heiligen aus Myra – im Vordergrund. Für Wagner einer der Gründe, warum er Jahr für Jahr in das traditionelle Kostüm mit Mitra und Bischofsstab schlüpfe. „Wir legen zudem großen Wert darauf, dass wir den Nikolaus - und nicht den Weihnachtsmann, den es bei uns gar nicht gibt, verkörpern“, sagt Wallner, dessen Antrieb es zudem ist, „die leuchtenden Kinderaugen zu sehen“. Und natürlich die freiwilligen Spenden, die die Jungbauernschaft beim Nikolaus-Dienst sammeln. So konnte der Verein im vergangenen Jahr 500 Euro an die Feuerwehr Litzldorf übergeben.

Nikolaus von Myra: Das steckt hinter der Geschichte des legendären Heiligen

Er zählt heute zu den meistverehrten Heiligen der Christenheit. Dennoch ist über das Leben des Heiligen Nikolaus vergleichsweise wenig überliefert. Zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren, wurde er später zum Bischof der Stadt Myra ernannt. Heute ist der Ort, der rund 100 Kilometer südwestlich von Antalya liegt, unter dem Namen Demre bekannt. Seinen Stellenwert erhielt Nikolaus vor allem durch Legenden, die sich um sein Wirken ranken. So soll er unter anderem einen verarmten Mann mit Gold bedacht, in Seenot geratene Schiffsleute gerettet und ein entführtes Kind heimgeholt haben. Experten gehen davon aus, dass der Heilige Nikolaus in seiner heutigen Form aus der Verschmelzung zweier Christen mit dem Namen Nikolaus aus der Türkei entstanden ist. In Bayern bringt der Nikolaus in der Nacht auf 6. Dezember den (braven) Kindern kleine Geschenke wie Äpfel oder Nüsse. In den Alpenländern ist dabei seit Jahrhunderten der Krampus mit ihm unterwegs, der die „frecheren“ Kinder erschrecken und „bestrafen“ soll.

Ein weiterer Grund, wieso die Teammitglieder Jahr für Jahr am 5. Dezember durch die Gemeinde ziehen, sind selbstverständlich auch die Erlebnisse, an die sich die Teammitglieder noch in vielen Jahren erinnern werden. So wie bei Wallner der Besuch bei einem Buben in Erinnerung geblieben ist. Den hatte er als Nikolaus verkleidet gefragt, ob er bis zum kommenden Jahr braver sein werde, woraufhin der Bub rotzfrech geantwortet habe: „Klar, für Geld tu‘ ich alles.“

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