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„Die Unterstützung ist großartig“

„Traumatisiert von ihren Erlebnissen“ - Wie die Ukrainehilfe in der Gemeinde Bad Feilnbach funktioniert

Fröhliche Gesichter nach der Flucht: Der Helferkreis um Eugen Thierauf (vierter von links) unterstützt Geflüchtete in Bad Feilnbach. privat
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Fröhliche Gesichter nach der Flucht: Der Helferkreis um Eugen Thierauf (vierter von links) unterstützt Geflüchtete in Bad Feilnbach.

44 geflüchtete Ukrainer haben in der Gemeinde Bad Feilnbach eine Unterkunft gefunden. Organisiert wird die Hilfe im Ort vom Helferkreis. Eugen Thierauf erklärt im Interview, wie das funktioniert und wo die größten Herausforderungen liegen.

Bad Feilnbach – Tausende Menschen sind in den vergangenen Wochen aus der Ukraine geflohen, 44 davon haben in der Gemeinde Bad Feilnbach eine Unterkunft gefunden. Frauen, Kinder und einige Männer sind bei Familien untergekommen, eine 14-köpfige Großfamilie ist im Pfarrheim in Au untergebracht. Organisiert wird die Hilfe im Ort vom Helferkreis, allen voran Eugen Thierauf, der dem Helferkreis vorsteht. Zusammen mit dem zweiten Bürgermeister Sepp Rauscher, der die Gemeinde und die politische Ebene vertritt, koordiniert Thierauf die Helfer. Mit den OVB-Heimatzeitungen hat er über den ehrenamtlichen Einsatz für die Menschen aus der Ukraine gesprochen.

Herr Thierauf, wie geht es den Geflüchteten?

Eugen Thierauf

Eugen Thierauf: Soweit ich das beurteilen kann, geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Als die ersten Flüchtlinge vor drei Wochen ankamen, waren sie recht scheu und schüchtern und einige auch traumatisiert von den Erlebnissen in ihrer Heimat und den Tagen der Flucht. Wir haben vor allem die Kinder apathisch erlebt, aber mittlerweile spielen und lachen sie wieder und sind fröhlich. Ihre Gedanken sind natürlich bei den Familien und den Männern, die zuhause geblieben sind.

Wie kam der Helferkreis zustande und wie unterstützt er die Menschen?

Thierauf: Der Helferkreis hat sich bereits am 4. März aus Mitgliedern des VDK und der AWO gegründet, wir haben die Medien und Expertenaussagen verfolgt und uns damals schon gedacht: „da müssen wir was machen“. Die ersten Familien wurden bereits von privaten Initiativen geholt. Vor einiger Zeit haben wir auch die Großfamilie mit zwei Kleinbussen direkt von der Grenze abgeholt. Wir versorgen die Menschen mit Lebensmitteln, Kleidung, kümmern uns um Arztbesuche und begleiten sie bei Behördengängen. Wir stehen auch immer für Fragen zur Verfügung und kümmern uns eigentlich um alle Angelegenheiten. Es gibt viel zu tun, beispielsweise haben die Kinder manchmal Bauchweh, wir haben Menschen mit Bluthochdruck dabei, dann kümmern wir uns um die Fahrt zum Doktor. Kürzlich haben wir auch ein Mädchen mitten in der Nacht zum Arzt gefahren, weil es Bauchkrämpfe hatte.

Welchen Herausforderungen stehen Sie denn gegenüber, was bereitet besondere Schwierigkeiten?

Thierauf: Schwierigkeiten bereiten vor allem die Sprache und die Schrift. Man kann sich auch nicht auf Englisch verständigen. Aber unsere Olena aus dem Helferkreis, die selbst vor vier Wochen geflüchtet ist, dolmetscht und ist immer voller Freude mit dabei wenn wir einen Übersetzer brauchen. Sie ist uns schon eine sehr große Stütze. Für Frust sorgt bei uns vor allem die Bürokratie und die Verwaltung. Unsere Ehrenamtlichen nehmen sich teilweise frei, um zum Landratsamt für Aufenthalts- und Arbeitsbestätigungen zu fahren und müssen dann nach zweistündiger Wartezeit wieder unverrichteter Dinge heimfahren, weil die Behörde dann schließt oder schlicht kein Personal da ist. Das sorgt schon für viel Unmut und Frust.

Erfahren Sie auch Hilfe aus der Bevölkerung?

Thierauf:Ja, die Unterstützung, die wir erfahren, ist sehr groß. Zum Beispiel hat die Feuerwehr innerhalb von zwei Tagen das Pfarrheim in Au bewohnbar gemacht, der Gewerbeverband hat Betten beschafft, Frauen haben gewaschen und die Betten bezogen, die Küche hergerichtet und als wir mit der Großfamilie angekommen sind, war schon Borschtsch (eine unter anderem in der Ukraine traditionelle Suppe aus Roten Beten, Anm. d. Red.) vorbereitet. Wir bekommen auch viele Geld- und Sachspenden, mit denen wir die Familien zum Beispiel mit Lebensmittel versorgen können. Auch wenn wir kurzfristig etwas brauchen, lässt sich das immer auftreiben. Zum Beispiel haben wir über unsere WhatsApp-Gruppe drei Kinderfahrräder gesucht, die innerhalb von wenigen Stunden gefunden und bereits verteilt waren. Auch Alltagsgegenstände wie beispielsweise Mixer oder Toaster bekommen wir immer irgendwo her. Die Unterstützung ist großartig.

Rechnen Sie mit noch mehr Flüchtlingen, wenn ja, wo werden sie untergebracht werden?

Thierauf: Wir rechnen schon noch mit weiteren Flüchtlingen. Die Gemeinde sucht aktuell geeignete Wohnungen, es gibt in Bad Feilnbach einen überraschend hohen Leerstand. Es rufen auch Bürger an und geben Hinweise auf Wohnungen. Trotzdem gestaltet sich die Suche nach Unterkünften sehr schwierig.

Thierauf: Es tut gut, den Menschen helfen zu können. Beeindruckend ist auch der Zusammenhalt mit den anderen Helfern aus benachbarten Gemeinden. Besonders schön ist, wenn die Kinder und auch die Mütter wieder lachen können und sich über etwas freuen. Ein toller Moment war vor Ostern auf dem Wochenmarkt, da hat uns die Bäckerei Pichler Kuchen-Lollies geschenkt, es gab Limonade und für die Erwachsenen Kaffee von unserer Nana aus dem Helferkreis. Alle haben sich über diese Kleinigkeiten sehr gefreut, die Kinder haben gestrahlt. Spontan haben die Menschen dann die ukrainische Nationalhymne gesungen. Das sind dann schon sehr schöne Momente.

Interview: Konrad Kriechbaumer

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