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Team um Chefarzt Professor Dr. Peter Young

Neue Kompetenz aufgebaut: Bad Feilnbacher Neurologen spezialisieren sich auf Long-Covid-Therapie

Für die Behandlung von Long-Covid-Patienten an der Fachklinik in Bad Feilnbach hat Chefarzt Professor Dr. Peter Young (Mitte) mit einem interdisziplinären Team, zu dem auch Marko Mijic, der Teamleiter der Sporttherapie (rechts) gehört, eine spezielle Therapie entwickelt.
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Für die Behandlung von Long-Covid-Patienten an der Fachklinik in Bad Feilnbach hat Chefarzt Professor Dr. Peter Young (Mitte) mit einem interdisziplinären Team, zu dem auch Marko Mijic, der Teamleiter der Sporttherapie (rechts) gehört, eine spezielle Therapie entwickelt.

Die neurologische Fachklinik Reithofpark schreibt Erfolgsgeschichte. Im fünften Jahr ihres Bestehens wird die Einrichtung mit 280 Betten nicht nur der steigenden Nachfrage gerecht. Das medizinische und therapeutische Team um Chefarzt Professor Dr. Peter Young hat sich zudem auf die Behandlung neuer Krankheitsbilder wie Long Covid spezialisiert.

Bad Feilnbach – „Während wir die Krankheit behandeln, lernen wir dazu“, beschreibt der Neurologe. Durch seine Erfahrung in der Schlafmedizin und der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen war die Reithofpark-Klinik gewappnet. „Zu unseren Patienten zählen Menschen, die nach der Covid-19-Infektion einen Schlaganfall erlitten haben oder die so schwer an Corona erkrankt waren, dass sie lange auf der Intensivstation lagen und nun an einer Critical-Illness-Polyneuropathie leiden“, erklärt Young. Das ist ein typisches intensivmedizinisches Krankheitsbild, das zu einer Schädigung der peripheren Nerven führt. Die Patienten sind extrem schwach, leiden unter Muskelabbau, können sich schlechter bewegen.

Junge Menschen sind stark betroffen

„In die Rehabilitation kommen verstärkt auch Patienten, die nur eine leichte Corona-Infektion durchgemacht haben, jetzt aber an Long Covid leiden. Davon scheinen verstärkt leistungsorientierte Menschen im Alter von 25 bis 45 Jahren betroffen zu sein, die keinerlei Begleiterkrankungen haben“, so die Erfahrungen des Neurologen. Symptome sind schwere körperliche und psychische Erschöpfung sowie Schlafstörungen. Die Bad Feilnbacher Experten haben für die Covid-Patienten in Kooperation mit der Charité Berlin und der TU München ein spezielles interdisziplinäres Programm entwickelt.

„In fünf bis sechs Wochen werden sie allmählich wieder an ihre Leistungsfähigkeit herangeführt und lernen eine neue Tagesstruktur“, so Young und beschreibt den Teufelskreis aus Erschöpfung und dem Wunsch, einfach liegen zu bleiben. Die therapeutische Antwort ist körperliche und geistige Aktivierung. Angebote wie offenes Zirkeltraining, Nordic Walking oder Wanderungen gehören im Reithofpark genauso dazu wie Schlaftraining, medizinische und psychotherapeutischen Behandlungen.

Durch Erfahrung gut gewappnet

„Unsere Fachkräfte sind für diese neue Aufgabe gut aufgestellt“, ist der Chefarzt zufrieden, der diese Kompetenz mit aufgebaut hat. Inzwischen berichten die Bad Feilnbacher Neurologen von ihren Erfolgen auch auf nationalen Kongressen. Im Rahmen klinischer Beobachtungen wurden in Bad Feilnbach Daten zur Behandlungs von Long Covid erhoben: „Mit dem Ergebnis, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit erhöhte, die Gehstrecke länger wurde, die Kraft in den Händen zunahm, sich die Schlafstörungen verringerten, die begleitende Depressivität abnahm, sich also insgesamt die Lebensqualität wieder verbesserte“, so Young.

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Die neuen Krankheitsbilder stellen nur einen Bruchteil des Aufgabenbereiches der Fachklinik für Neurologie Reithofpark dar. In Bad Feilnbach wird das gesamte Spektrum an neurologischen Erkrankungen behandelt. Der Fokus des multiprofessionellen Teams aus Neurologen, Psychologen, Ergo-, Physio- und Sporttherapeuten sowie Gesundheits- und Krankenpflegern liegt nach wie vor auf der Behandlung von Patienten nach Schlaganfall, Hirnblutungen oder Hirntumoren sowie Menschen, die an neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, autoimmunologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Erkrankungen des peripheren Nervensystems leiden. Immer stärker widmet sich die Klinik auch Patienten mit chronischen Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) oder neuromuskulären Erkrankungen wie Myopathien oder seltenen Muskelatrophien.

Muskelerkrankungen stärker im Fokus

„Diese Patienten waren in Deutschland lange schlecht versorgt. Jetzt werden diese Krankheiten besser diagnostiziert, damit steigt auch der Bedarf an Rehabilitation“, beobachtet der Chefarzt und betont: „Auch wenn neuromuskuläre Erkrankungen noch immer nicht heilbar sind, kann die richtige Therapie helfen, den Krankheitsverlauf aufzuhalten und dadurch möglichst lange selbstständig zu bleiben.“ Young gehört zu einem Expertenteam, das Leitlinien für die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen erarbeitet. Der Neurologe hat auf diesem Gebiet eine ausgezeichnete Expertise.

Einer der besten Schlafmediziner

Von 2013 bis 2019 leitete er das Institut für Schafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen am Universitätsklinikum Münster. Zudem engagiert er sich in nationalen und internationalen Fachgesellschaften für Schlafforschung und im medizinisch-wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. Young wurde in diesem Jahr von Focus-Gesundheit als einer der führenden Schlafmediziner in Deutschland ausgezeichnet.

Neurologische Fachklinik Reithofpark seit fünf Jahren auf Wachstumskurs

  • Im Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark wurde im Oktober 2016 eine neurologische Rehabilitation mit 160 Zimmern eröffnet. Dadurch wurden 200 neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen.
  • Die Medical Park SE investierte mehr als zehn Millionen Euro in das Versorgungs- und Betreuungszentrum für neurologische Akutpatienten.
  • Entwicklung, Aufbau und erster erfolgreicher Betrieb der Fachklinik für Anschlussheilbehandlungen und neurologische Rehabilitation der Phasen B, C und D lagen in den Händen von Professor Dr. Günter Ochs. Innerhalb von drei Jahren und unterstützt von einem multiprofessionellen Team machte er die neurologische Frührehabilitation zu einem modernen Kompetenzzentrum für Neurologie.
  • Im April 2019 ging Professor Ochs in den Ruhestand. Seitdem ist Professor Dr. Peter Young neuer Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie im Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark.
  • Young ist Facharzt für Neurologie mit den Zusatzqualifikationen Intensivmedizin und Schlafmedizin. Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der Neurophysiologie, neurogenetischen und neuromuskulären Erkrankungen und deren Diagnostik sowie der Schlaf-, Intensiv- und Beatmungsmedizin.
  • Nach der Umstrukturierung der Medical Park SE liegt der Schwerpunkt der Fachklinik Reithofpark jetzt auf der Neurologie. Dafür stehen 280 Betten zur Verfügung. Die orthopädische Kompetenz wurde an den Standorten Bernau-Felden und Prien konzentriert. Die Fachklinik in Bad Wiessee ist auf Kardiologie spezialisiert. Die onkologische Fachklinik Blumenhof ist weiterhin in Bad Feilnbach.

„Wir suchen händeringend Mitarbeiter in der Pflege“

Bad Feilnbach – Die Corona-Krise ist noch nicht überstanden. Wie die Medical Park Fachklinik für Neurologie Reithofpark in Bad Feilnbach die schlimmsten Wochen der Pandemie überstanden hat und wie sie heute aufgestellt ist, erklärt Stephan Merz, Geschäftsführer der Medical Park Kliniken Bad Feilnbach, im Interview.

Wie ist das Team der Fachklinik Reithofpark durch die Krise gekommen?

Stephan Merz: Wir haben es mit einem großen Kraftakt geschafft, dass unsere Rehaklinik von Corona-Ausbrüchen verschont geblieben ist. Zum Konzept der sicheren Rehabilitation gehörten in der Hochphase der Pandemie neben den Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln etappenweise auch sieben Tage Quarantäne der neu aufgenommenen Patienten mit Therapien in „Vollmontur“ auf den Zimmern. Das war eine große Belastung, ein physischer und psychischer Ausnahmezustand. Dafür hat das komplette Team – vor allem in er Pflege – hart gearbeitet.

Stephan Merz, Geschäftsführer der Medical Park Kliniken Bad Feilnbach.

Die Sorge, dass wir das Virus in unsere Klinik hineintragen könnten, ist heute aber noch genauso groß wie am ersten Tag der Pandemie. Das „Nichtendenwollen“ dieser Situation zehrt an den Kräften. Die Leute sind müde, wir verzeichnen erhöhte Krankenstände beim Personal, manch einer hat sich – wie überall im Gesundheitswesen – auch umorientiert. Und natürlich ist es auch für unsere Patienten unbefriedigend, dass das gesellige und kulturelle Leben in der Klinik komplett ausfällt. Es gibt noch keine Konzerte oder Feste, und auch unser Hofcafé muss weiter geschlossen bleiben.

Die Rehaklinik hat auch Senioren aus dem Pflegeheim St. Lukas versorgt.

Stephan Merz: Nach dem Corona-Ausbruch in diesem Seniorenheim haben wir Stationen für die Evakuierung dieser Menschen freigeräumt und an unseren beiden Standorten in Bad Feilnbach jeweils 15 Senioren aufgenommen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Bei uns wurden sie über fünf Wochen medizinisch versorgt. Mit der Klinik Blumenhof haben wir uns als „Corona-Akutklinik“ aktiv in die Bewältigung der Pandemie eingebracht.

Wie hat die Klinik die Krise wirtschaftlich überstanden?

Stephan Merz: Mit staatlicher Unterstützung konnten wir einen Teil der Verluste abfedern. In der orthopädischen Fachklinik, die zu diesem Zeitpunkt noch in Bad Feilnbach angesiedelt war, ging der Bedarf komplett zurück, da keine planbaren Operationen mehr durchgeführt werden durften, um an den Akutkrankenhäusern Betten für Corona-Patienten freizuhalten. Neurologische Erkrankungen machen auch in der Pandemie keine Pause. So hatten wir eine Bettenauslastung von circa 60 Prozent.

Wie gut ist der Reithofpark heute ausgelastet?

Stephan Merz: Mit der Konzentration der orthopädischen Kompetenz an den Medical Park Standorten am Chiemsee und Tegernsee wurde die Bettenanzahl unserer neurologischen Fachklinik Reithofpark von 160 auf 280 erhöht. Die Nachfrage ist so groß, dass wir komplett ausgelastet sein könnten. Unser Nadelöhr sind aber die Fachkräfte. Wir suchen aktuell händeringend zehn Mitarbeiter in der Pflege. Da wir eine Rehabilitation auf hohem Niveau anbieten wollen, verdichten wir nicht, sondern lasten derzeit nur 85 Prozent unserer Betten aus und nehmen aktuell nur 240 Patienten auf.

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