Bürgermeister Anton Wallner (CSU) zur Coronakrise in Bad Feilnbach

"Die massive Zahl an Infektionen und Todesfällen hat viele wachgerüttelt"

Bürgermeister Anton Wallner zieht erstes Fazit zur Corona-Krise in der Gemeinde
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Anfang des Monats appellierte Bad Feilnbachs Bürgermeister Bürgermeister Anton Wallner (CSU) noch mit eindringlichen Worten an seine Gemeinde, sich angesichts rapide steigender Fallzahlen an die Infektionsschutzmaßnahmen zu halten. Zugleich sorgte die Evakuierung des Alten- und Pflegeheims St. Lukas für Schlagzeilen. Nun zieht er eine erste Bilanz.

Bad Feilnbach - Es war ein ereignisreicher Monat für die Gemeinde. Im Interview mit mangfall24.de zieht Bürgermeister Anton Wallner (CSU) ein erstes Fazit der Coronakrise in Bad Feilnbach.

Herr Wallner, Anfang des Monats haben Sie sich mit einem offenen Brief an die Feilnbacherinnen und Feilnbacher gewendet. Angesichts steigender Infektionszahlen appellierten Sie mit eindringlichen Worten, sich mehr an die Maßnahmen zum Infektionsschutz zu halten. Was ist seitdem geschehen?

Zu dem Zeitpunkt waren leider viele noch nicht bereit, die Notwendigkeit der Maßnahmen zu akzeptieren. Vor allem einige ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger haben die Gefahr einfach nicht erkannt. Damals dachte man allerdings auch noch, nach Ostern ginge es bereits wieder zurück zur Normalität. Inzwischen gab es aber ein deutliches Umdenken. Die massive Zahl an Infektionen und vor allem Todesfällen haben viele wachgerüttelt. Ob Maskenpflicht beim Einkauf oder Abstand halten, die Leute machen das jetzt mit. 

Ebenfalls auf den 1. April fiel die Evakuierung des Alten- und Pflegeheim St. Lukas:

Nützliche Links zu Corona:

Das war für die Verantwortlichen keine leichte Entscheidung, die alten Leute so aus ihrem vertrauten Umfeld herauszureißen. Aber es blieb keine Wahl, ihre Versorgung war auf Grund des massiven Ausfalls des Großteils des Personals durch Corona-Infektionen nicht mehr gewährleistet! Doch auch hier gibt es gute Nachrichten. Zum einen haben sie sich in ihren neuen Unterkünften bestens eingelebt gehabt und die Zeit gut überbrücken können. Vor allem aber soll das Heim ab nächster Woche langsam wieder den Betrieb aufnehmen und die Bewohner allmählich wieder zurückkehren können! Ich werde heilfroh sein, wenn hier dann endlich wieder ein normaler Betrieb stattfinden kann.

Großeinsatz an Seniorenwohnheim in Bad Feilnbach

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Wie hat sich die Lage in der Gemeinde ansonsten entwickelt?

Die Lage scheint sich zu normalisieren. Die Zahl der Krankheitsfälle erscheint rückläufig. Aktuell sind es 153 Fälle und 50 Genesene.  Die extra eingerichtete Corona-Notfallpraxis ist momentan nur am Wochenende im Einsatz. Es herrscht ein unheimlicher Zusammenhalt. Man hat sich gegenseitig gut geholfen. Sehr schnell war ein Einkaufsservice für Angehörige der Risikogruppen ins Leben gerufen. Auch unsere Nahversorger haben sich sehr gut auf die Bedürfnisse eingestellt. Auch sie bieten natürlich Lieferservices. Ab nächster Woche wird dann auch das Rathaus wieder den vollen Betrieb aufnehmen. Man muss sich allerdings weiterhin vorher anmelden und dann mit Mund-Nase-Schutz erscheinen.

Wie geht es nun weiter?

Von einer vollkommenen Rückkehr zur Normalität wird man wohl leider noch eine Weile nicht sprechen können. Aber durch die langsamen Wiedereröffnungen und Erleichterungen können wir allmählich wieder ein normales Leben aufnehmen. Das gibt mir Zuversicht, dass wir mit der Zeit auch die wirtschaftlichen Schäden halbwegs kompensieren können. Bad Feilnbach ist stark durch die Gastronomie geprägt, wir haben über 20 Gastwirte hier.  Dass die noch nicht öffnen dürfen, schmerzt.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen erwarten Sie?

Da geht es uns wie wahrscheinlich allen Gemeinden nun: Wir können zwar einen Haushalt aufstellen, aber es ist jetzt schon klar dass da noch ein Nachtragshaushalt fällig wird. Denn bei der Gewerbesteuer steht uns ein Einbruch um mindestens 400.000 Euro von zuvor erwarteten 2,5 Millionen ins Haus. Auch die Einkommenssteuerbeteiligung dürfte deutlich geringer ausfallen. 

Was ist ihr persönliches Fazit der letzten Wochen?

Ich muss sagen, der zurückliegende Monat hat mich stark bewegt. Ich selbst saß ja auch drei Wochen in Quarantäne. Da habe ich es auch selbst dann sehr geschätzt, mich hinterher wieder frei bewegen zu können. 

hs

Quelle: mangfall24.de

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