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Ideen für Harmonisierung gefragt

Gespräche für besseres Miteinander von Touristen und Almbauern im Litzldorfer Tal

Für die Harmonisierung von Tourismus und Almwirtschaft im Litzldorfer Tal ist Handlungsbedarf dringend notwendig. Darin sind sichGeorg Rechenauer, CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Bürgermeister Anton Wallner und Christina Pfaffinger (CAT) einig (von links).
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Für die Harmonisierung von Tourismus und Almwirtschaft im Litzldorfer Tal ist Handlungsbedarf dringend notwendig. Darin sind sich Georg Rechenauer, CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Bürgermeister Anton Wallner und Christina Pfaffinger (CAT) einig (von links).

Die Kluft zwischen Tourismus und Almwirtschaft wird immer größer – auch im Litzldorfer Tal und auf der Farrenpoint. Jetzt trafen sich Almbauern und Politiker erneut zu einem Vor-Ort-Gespräch, um praktikable Lösungen zu finden.

Bad Feilnbach – Die Bergregionen des Voralpenlandes gelten seit Jahren bei Urlaubern, Freizeit- und Tagestouristen als begehrte Ausflugsziele. Mit zunehmender Frequentierung durch Mountainbiker und E-Bikersind aber auch die Probleme für Almbauern und Natur gewachsen. Der Almfrieden ist gestört.

In der Gemeinde Bad Feilnbach sind unter anderem Georg Rechenauer, Schollbauer in Litzldorf, Bezirksalmbauer Wolfgang Bauer, der stellvertretende Bezirksalmbauer Hans Kolb und Naturlandwirt Sepp Vogt – allesamt aus Kutterling – betroffen. Ihre Flächen und Almen befinden sich im Litzldorfer Tal und im Gebiet der Farrenpoint.

Erneute Aussprache auf Alm und im Tal

Ihr Ruf nach einvernehmlichen Lösungen wird lauter. Deshalb fand jetzt ein Treffen am Oberulpointhof und im Litzldorfer Tal statt. Dem offenen Dialog stellten sich CSU-Landtagsabgeordneter und Tourismusverbands-Präsident Klaus Stöttner, Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner und die Geschäftsführerin von Chiemsee-Alpenland-Tourismusverband (CAT) Christina Pfaffinger.

Ergänzt wurde die Runde durch Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung im Deutsche Alpenverein (DAV), Brigitta Regauer, Almbäuerin und Mitglied der Task-Force-Mountainbike des Landkreises Miesbach sowie Hans Stöckl und Nikolaus Schreyer vom Almwirt-schaftlichen Verein Oberbayern.

Tourismusregion braucht die Gäste

Für Bürgermeister Anton Wallner ist eine Harmonisierung von Tourismus und Almwirtschaft für den Tourismusstandort Bad Feilnbach sehr wichtig. „Ich kann den Missmut der Landwirte nachvollziehen“, bekräftigte er. Gleichzeitig wolle die Region aber Gästen die herrliche Natur und Landschaft anbieten. Sein Ziel sei es, dass Mountainbiker und Landwirte miteinander auskommen und niemand ausgesperrt werde.

Georg Rechenauer, Landwirt und begeisterte Radler, bekräftigte, dass niemand die Mountainbiker aussperren oder ihnen die Nutzung der Forststraßen verbieten wolle. Jeder solle seinen Sport erleben dürfen. Wichtig sei aber die Einhaltung von Spielregeln, wozu auch gehöre, nur die erlaubten Wege zu nutzen. Gerade hier bestünden aber große Defizite.

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Auch die Almbauern Bauer und Kolb berichteten von negativen Beispielen auf ihren Almen. Sie kritisierten Hinterlassenschaften wie Müll und Fäkalien, aber neuerdings gebe es auch ermehrt auch illegale Zeltlager und Feuerstellen. Zudem werde der Umgangston der Biker immer aggressiver. Sie rasten durch Herden oder schreckten mit ihren Stirnlampen nachts Jungrinder auf und jagten sie in die Flucht. Vor allem stellten aber Bergabfahrten eine große Gefahr dar, verdeutlichten die Almbauern.

„Ich bin schreckhaft“

Brigitta Regauer brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass einfache Botschaften auf Schildern wie „Ich bin schreckhaft!“ oder „Ich brauche meinen Almfrieden“ helfen könnten. Christina Pfaffinger regte pfiffige Sprüche auf Bierdeckeln oder Prävention an den Schulen an. Hanspeter Mair plädierte ebenfalls für Aufklärung und Dialog.

Nach Ansicht von Regauer sollten Almbauern Maßnahmen ergreifen dürfen, um Mountainbiker und E-Biker zur Vernunft zu bringen und zu lenken. „Der Mountainbike-Tourismus bedarf einer Änderung – auch zum Wohl der Artenvielfalt, der Wildtiere und der Natur“, betonte die Vertreterin des Landkreises Miesbach.

Wilde Trails verbieten?

Ihrer Meinung nach bestehe im Litzldorfer Tal dringender Handlungsbedarf, um die Almwirtschaften zu erhalten und ihre Weitergabe an die nächsten Generationen zu ermöglichen. Deshalb ihr Vorschlag: „Das Tempo von Abwärtsfahrten muss im Litzldorfer Tal gedrosselt werden.“ Hans Stöckl vom almwirtschaftlichen Verein und Almbäuerin Regauer regten an, „wilde Trails zu verbieten“, die Radler mit Gattern und Rampen zum Langsamfahren zu zwingen oder Schilderstrecken einzurichten.

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Zäune oder Nummernschilder für Fahrräder, so waren sich die Anwesenden einigend, böten keine geeigneten Lösungsansätze. Der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner will mehr Augenmerk auf die Kommunikation als wichtiges Element lenken – nicht nur im Litzldorfer Tal, sondern auch für andere touristischen Ziele. Modelle sollten in Zusammenarbeit mit Bürgermeistern, Almbauerntag und Mountainbike-Vereinigungen erarbeitet und ausprobiert werden. Wichtig sei es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und mit einheitlichen Kampagnen gemeinsame Wege gehen.

„Betretungsrecht“ kann Mountain- und E-Bikern nicht untersagt werden

Den Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur – darunter fällt auch das Betreten von Wald und Bergweiden – regelt Artikel 141 der Bayerischen Verfassung und verbrieft ihn als ein „jedermann zustehendes subjektives Recht im Range eines Grundrechts“. Zudem ist das „Betretungsrecht“ im Artikel 26 „Erholung in der freien Natur“ des Bayerischen Naturschutzgesetzes geregelt.

Demnach muss die Allgemeinheit Zugang zu Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten haben. Grundsätzlich sind also alle Teile der freien Natur für die Allgemeinheit betretbar.

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Ein „Betretungsrecht“ von privatem Eigentum in Bereich der freien Natur kann nur dann untersagt werden, wenn ein gesetzlicher Grund vorliegt, der vom Landratsamt oder der Kommune bestätigt wurde. Dabei ist es unerheblich, ob ein Weg ganzjährig begehbar ist oder seine Nutzung dem Willen des Eigentümers zuwiderläuft.

Demnach können Erholungssuchende ihre wegegebundene Sportarten auf dem Mountainbike oder E-Bike nicht verboten werden. Grundsätzlich, so erläutern Landratsamt und Polizei Brannenburg auf Anfrage der Gemeinde Bad Feilnbach, sei das Radfahren in der Natur erlaubt, dürften Verkehrsteilnehmer auf Mountainbikes oder E-Bikes nicht ausgegrenzt werden.

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