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Gemeinderat ist kritisch und will sich informieren

Glasfaser bis zum Wendelstein: Unternehmen bietet Bad Feilnbach kostenlosen Highspeed-Anschluss

So sieht es möglicherweise bald in Bad Feilnbach aus. Wenn sich die Gemeinderäte für den Glasfaserausbau vom Unternehmen UGG entscheiden, rollen die Bagger an.
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So sieht es möglicherweise bald in Bad Feilnbach aus. Wenn sich die Gemeinderäte für den Glasfaserausbau vom Unternehmen UGG entscheiden, rollen die Bagger an.

Schnelles Internet, keine Kosten und kurze Bauzeit – das verspricht das Ismaninger Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG). Die Mitarbeiter ziehen durch die Gemeinden in der Region und bewerben den Glasfaserausbau. Das sagen die Bad Feilnbacher Gemeinderäte und die Telekom dazu.

Bad Feilnbach – „I schau no Fernsehen, aber die jungen Menschen schauen Netflix“, sagt Bürgermeister Anton Wallner. Und dafür brauche die Gemeinde Glasfaser. Die UGG will das Netz eigenwirtschaftlich ausbauen. Denn nach Angaben von Mitarbeiterin Sandra Stiehl ist in der Gemeinde noch „viel Luft nach oben“, was die Geschwindigkeit des Internets angeht. 97 Prozent der Einwohner würden aktuell mit 50 MBit surfen.

Ein Anschluss für jedes Haus

Die Nachfrage nach einer großen Bandbreite sei wegen Home office und Home schooling „exorbitant gestiegen“. Doch je weiter eine Familie entfernt vom Verteiler lebe, desto schlechter sei deren Internetverbindung. Denn die Telekom habe das Glasfaserkabel nur bis zu den Verteilerkästen gelegt, nicht bis zu den einzelnen Haushalten. Diese sogenannte Vektoring-Technologie ist Stiehl zufolge in fünf Jahren nicht mehr ausreichend.

Die UGG will deshalb jedem Hauhalt seinen eigenen Glasfaseranschluss ermöglichen. Diese werde von einem Mast der Telefonica in der Nähe von Bad Feilnbach verlegt bis zu den Häusern verlegt. Die Grundstücke der Bürger dürften die Bauarbeiter jedoch nur mit Genehmigung betreten. Wer einen Glasfaseranschluss will, muss zunächst einwilligen.

Jeder Bürger, der einen 24-monatigen Vertrag mit O2 abschließt, bekommt seinen Anschluss UGG-Mitarbeiterin Julia Tenbücken zufolge kostenlos. Wer einen anderen Anbieter möchte, zahle ab der Grundstücksgrenze: 636,65 Euro für die ersten zehn Meter und 178,50 Euro für jeden weiteren Meter.

Diesen Sommer könnten die Bauarbeiter schon loslegen

Entscheidet sich die Gemeinde für den Glasfaserausbau, solle sie eine Interessensbekundung unterzeichnen. Das sei kein Vertrag und verpflichte die Gemeinde zu nichts. Doch nach Angaben von Tenbrücken müssten die Bürger und die Gemeinde das Projekt wollen, damit es ein Erfolg wird.Entscheide sich der Gemeinderat für den Glasfaserausbau durch die UGG, würden Bauarbeiter ein Infrastuktur-Häuschen im Ortskern errichten. Der Container sei der sogenannte „Point of Presence“, kurz PoP. Dafür wolle das Unternehmen ein Grundstück mit 30 bis 40 Quadratmeter pachten. Von dort aus werde die Glasfaser sternförmig im Ort verlegt. Tenbücken zufolge versorge die Konkurrenz oft nur die Ortskerne mit einer schnellen Geschwindigkeit. Die UGG werde diese auch in Außengebieten ermöglichen. Diesen Sommer könnten die Bauarbeiter schon loslegen.

„Sehr zähe“ Verhandlungen mit der Telekom

Gemeinderat Balthasar Spann (CSU) fragte, weshalb die UGG nicht mit der Telekom zusammenarbeite. Auch Stephan Oberprieler von den Grünen bemängelte: „Wir bauen doch auch keine zwei Autobahnen.“ Stiehl entgegnete, dass die Telekom das Netz zwar an die UGG vermieten könnte, aber nicht müsse. Die Verhandlungen laufen Stiehl zufolge „sehr zäh“.

Sebastian Obermaier (CSU) zeigte sich überzeugt: „Ich glaube, es steht außer Frage, dass wir Glasfaser brauchen.“ Sieglinde Angermauer von den Grünen betonte, dass die Technologie bereits jetzt benötigt werde. Martin Kolb (CSU) schlug vor, die Telekom vor der Entscheidung auch noch anzuhören.

Telekom zufolge sind alle Anwendungen problemlos möglich

Auf Anfrage teilte Telekom-Mitarbeiter Markus Jodl mit, dass das Unternehmen den meisten Haushalten bereits Anschlüsse bis zu 250 MBit pro Sekunde anbieten könne. Damit seien alle Anwendungen im Bereich Unterhaltung, Home-Office oder Home-Schooling problemlos möglich.

Zudem biete die Telekom jeder bayerischen Kommune an, über den Vollausbau zu sprechen. Das Ziel sei ein reines Glasfasernetz, das auch die Strecke vom Verteilerkasten bis in die Wohnung abdeckt. Der Ausbau werde eigenwirtschaftlich durch die Telekom finanziert und über öffentliche Ausschreibungen und Kooperationen.

„Wir können das. Netzausbau ist unsere DNA“, sagt Jodl. Die UGG sei hingegen ein „kompletter Anfänger“ als Festnetz-Betreiber. Das Unternehmen müsse erst noch beweisen, ob es in der Lage sein wird, über Jahrzehnte erfolgreich qualitativ hochwertige Netze anzubieten.

Stiehl sieht das anders: „Die Allianz bringt das Geld mit, Telefonicá die Erfahrung.“ Die beiden Unternehmen haben die UGG im vergangenen Jahr gegründet. Telefónica ist einer der größten Telekommunikationsanbieter Europas. Allein in Deutschland hat Telefónica rund 46 Millionen Mobilfunk- und 2,3 Millionen Breitbandanschlüsse.

100 Projekte in Deutschland

Die Argumente für die UGG haben bereits viele Gemeinden überzeugt. In Frasdorf, Rott am Inn, Ramerberg und Tuntenhausen laufen Stiehl zufolge bereits Projekte an. Glasfaser hätten Mitarbeiter der UGG in Bayern bisher noch nicht verlegt, jedoch in anderen Bundesländern. Aktuell laufen nach Angaben von Stiehl 100 Projekte in Deutschland.

Bevor der Gemeinderat eine Entscheidung fällt, wird Bürgermeister Wallner zufolge ein Mitarbeiter der Firma Corwese in eine der nächsten Sitzungen kommen. Dieser werde die Mitglieder „neutral informieren“ und den Breitbandausbau besprechen. Der unabhängige Dienstleister berate die Gemeinde bereits seit Jahren. Nach diesem Termin will der Rat auch noch die Telekom anhören. Wallner zufolge ist das nur fair, da die Telekom bisher der einzig mögliche Partner war.

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