Bahnstreiks: Was Sie wissen müssen

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Isidoro Peronace von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft München.

Landkreis - Bereits am Montag werden die Lokführer der GDL auch in Bayern streiken. Aber was bedeutet das für die Pendler der Region? Und hat die Bahn eigentlich einen Notfallplan?

Die Pendler müssen sich für den kommenden Montag wieder ein dickes Fell zulegen. Wie Claus Weselsky, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, am Mittwoch bekannt gab, wird  zwar „vor dem 21. Februar 2011 nicht gestreikt, weil wir die Skiweltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen nicht beeinträchtigen wollen." Aber bereits ab Montag könnte es in Bayern zu Warnsteiks der Lokführer kommen. Bis Ende dieser Woche haben die Deutsche Bahn und die sechs großen Privatbetreiber eine letzte Chance, der GDL ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten. Damit Sie dann nicht von Zugausfällen, längeren Wartezeiten und verspäteten Ankunftszeiten überrascht werden, haben wir vorab schon einmal die wichtigsten Fragen geklärt:

Wieviele Lokführer werden auf den Strecken München-Mühldorf und München-Salzburg streiken?

Isidoro Peronace von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft München meint dazu: "Auf diesen Strecken gibt es derzeit circa 120 Lokführer. Die Hälfte davon sind Beamte, die sowieso nicht mitstreiken dürfen. Also werden nach meiner Einschätzung etwa 40 Lokführer an den Streiks teilnehmen." Die Warnstreiks werden voraussichtlich mehrere Stunden dauern. Dadurch könnte es zu erheblichen Zugausfällen und Verspätungen kommen.

Warum streiken die Lokführer der GDL, nachdem am Montag bereits der Tarifvertrag zwischen den größten Privatbahn-Betreibern und der DB geschlossen wurde?

Peronace: "Die GDL will mit ihren Streiks einen eigenen Tarifvertrag erzwingen, um ihre Daseinsberechtigung zu haben. Sie fordern analog die gleichen Bedingungen, die bereits im Branchen-Tarifvertrag veranschlagt sind, nur mit höherer Bezahlung. Allerdings hat die Bahn ihnen bereits angeboten, auch in den bestehenden Tarifvertrag aufgenommen zu werden. Und das ist das Unverständliche an der Aktion. Jetzt wird dort gestreikt, wo eh schon ein hohes Lohnniveau besteht."

Welchen Nutzen hat dann eigentlich der Branchen-Tarifvertrag, der am Montag beschlossen wurde?

Peronace: "Ich sage dazu auch gern, dass damit der 'Mindestlohn auf hohem Niveau' gesichert ist.  Dadurch soll verhindert werden, dass der Wettbewerb zwischen den Unternehmen auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird. So beschränkt sich in Zukunft die Konkurrenz der Unternehmen auf den Service und die Qualität des Anbieters."

Hat die Bahn bereits einen Notfallplan, wenn es zu den Streiks kommt?

Ein Service-Mitarbeiter der Bahn meinte dazu: "Wir versuchen uns so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Es wird eine kostenlose Service-Hotline geben, die aber bislang noch nicht freigeschaltet ist." Einen Notfallplan, um Zugausfälle oder Verspätungen zu verhindern, gibt es aber bislang noch nicht. "Da die Streiks nicht feststehen, haben wir auch noch keine Ausweichpläne," so Holger Auferkamp, Presse-Sprecher der Bahn.

Die Stellungnahme der Bahn zu den Streikdrohungen der GDL

Die Bahn fordert von der GDL, "willkürliche Streikdrohungen und permanente Verunsicherung der Bahn-Kunden zu beenden." Personalvorstand Ulrich Weber fordert die umgehende Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Weber: „Das verunsichert völlig unnötig unsere Kunden. Die GDL hat keinen sachlichen Grund, die Deutsche Bahn zu bestreiken. Ich bleibe dabei: Wir wollen und können unsere Verhandlungen über einen Flächentarifvertrag für Lokführer unverzüglich fortsetzen. Wir nehmen Herrn Weselsky beim Wort. Bereits gestern haben wir der GDL drei Termine vorgeschlagen. Denn - anders als die GDL behauptet - unterstützen wir das Ziel eines Flächentarifvertrags.“

Weber wies erneut darauf hin, dass die DB in den Verhandlungen die Kernanliegen der GDL vielfach erfüllt und attraktive Angebote gemacht habe. Weber: „Deshalb sage ich: Warnstreiks der GDL würden die Falschen treffen. Herr Weselsky räumte selbst ein, dass es mit der DB 'gute Fortschritte' gegeben habe. Ich gehe davon aus, dass auch die GDL im Sinne unserer Beschäftigten und Kunden an einer vernünftigen Lösung ernsthaft interessiert ist.“

Patrick Steinke

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