Bebauung: Knackpunkt Kurhaus

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Abgerückt: Ein weiter Umgriff mit Rosenheimer Straße (und Gewerbe) für den Bebauungsplan "Südlich der Rosenheimer Straße" (sogenanntes Ernst-Grundstück, links der Zugang) ist vom Tisch - es verfälscht den Mischgebietscharakter. Deshalb heißt das Plangebiet nun "Westlich der Katharinenstraße".

Bad Aibling - Der Bebauungsplan "Südlich der Rosenheimer Straße" heißt neuerdings "Westlich der Katharinenstraße" - weil der Planbereich schrumpfte.

Und: Die ursprüngliche Absicht, nur Wohnbebauung auf dem so genannten Ernst-Grundstück zu erstellen, ist nicht machbar. Das Kurhaus ist zu nah, Schallschutz einzuhalten. Der hat ohnehin schon einen kritischen Grenzbereich. Kurzum: Der Bebauungsplan ist gespickt mit Problemen.

Im Januar war noch alles klar, der Stadtrat hatte für den Bebauungsplan "Südlich der Rosenheimer Straße" einen Entwurfsauftrag erteilt. Ziel: Auf dem so genannten Ernst-Grundstück Wohnbebauung - vier Baukörper als Penthäuser (E+II+Dachgeschoss) zu erstellen. Um den Mischgebietscharakter zu stützen, wurde der Bereich Rosenheimer Straße bis zum Asam-Parkplatz (viel Gewerbe) einbezogen.

Davon riet der erste Anwalt, der danach als juristischer Berater für die Planung hinzugezogen wurde, ab - ebenso der aktuelle, der noch größere Bedenken äußerte. Tenor: Das Ganze rieche zu sehr nach Alibifunktion, wenn ein "Altbestand" an Gewerbe in den Bebauungsplanbereich gepackt würde, um reine Wohnbebauung durchzubringen.

Da das Kurhaus vom Plangebiet einen Steinwurf Luftline entfernt liegt und in seinem Außenbereich auch regelmäßig Musikveranstaltungen stattfinden, sind nicht nur Abstandsflächen einzuhalten. Der südlichste der vier geplanten Baukörper muss nach Einschätzung der Aiblinger Bauverwaltung aus Lärmschutzgründen in jedem Fall Gewerbe aufweisen. Damit nicht genug: Da Mischgebiet, ist ein bestimmter prozentualer Mix von Wohnen und Gewerbe nötig.

In den schalltechnischen Untersuchungen des Gutachterbüros Greiner wird deutlich, wie diffizil eine Wohnbebauung an dieser Stelle sein kann. Lärmbelästigung fürs Plangebiet entsteht demnach insbesondere durch die Musikveranstaltungen am Kurhaus (wie freitags von 19 bis 22 Uhr "Kultur im Park"). An bestimmten Standorten würden gerade mal die Grenzwerte für Gewerbegebiete eingehalten - schon bei Erdgeschoss-Bebauung und unter der Voraussetzung, dass die Lautsprecher auf der Bühne zurückgesetzt sind und die Besucher in Richtung Bühne orientiert. An anderer Stelle des Plangebietes könnten laut Greiner lediglich Werte für ein Mischgebiet, nicht aber für "allgemeines Wohnen" eingehalten werden.

Als "sicheren" Bereich hingegen definierte das Büro eine Bebauung mit zwei Vollgeschossen. Eine Nutzung mit vier Vollgeschossen (EG+II+Penthouse) hielt es zwar rechnerisch für möglich. Doch schon bei geringer Veränderung der Konzertsituation am Kurhaus, wie das Verschieben der Lautsprecherboxen um wenige Meter nach vorne, veränderten sich die Lärmwerte. Bei einer Ausweitung des Musikbetriebs (mittags oder werktags ab 16 Uhr) würden darüber hinaus die Grenzwerte für ein Mischgebiet überschritten.

In Bezug auf die künftigen Bewohner des Plangebietes schloss der Gutachter eine höhere "gefühlte Störung", bei allen rechnerischen Werten, nicht aus.

Die Stadt Bad Aibling legt größten Wert auf einen weiterhin uneingeschränkten Kurhausbetrieb. Dem habe sich eine Bebauung unterzuordnen. Diesbezügliche Gespräche mit dem Investor sind laut Bauamt nächste Woche angesetzt.

Eine zweite Kernaussage der Stadt betrifft die im Plangebiet angedachte Tiefgarage mit öffentlicher Nutzung fürs Kurhaus. Das Gutachten fordert Mindestabstände für Rampen und Ausfahrten sowie lärmmindernde Maßnahmen: Es empfiehlt, die Rampe nah an den Ludwigskreisel zu legen. So könnten laut Bauamt die Verkehre miteinander verschmelzen, die Zurechenbarkeit des Straßenlärms in puncto Kurhaus sei dann eine andere. Die Erschließung dafür funktioniert indes nur, wenn die Stadt ein Teil des "Buck'schen Grundstücks" (Villa Katharina) erwerben könnte.

Eine Anregung von Stadtplaner Eberhard von Angerer, dem Lärmschutzkonflikt aus dem Weg zu gehen und zum Beispiel im Plangebiet einen Verbrauchermarkt zu installieren, folgte schon eine Gesprächsrunde am 1. Juli (Fraktionsspitzen, Stadtvertreter, Gutachter, Juristen) nicht. Ein solcher Markt würde aufgrund seiner rückwärtigen Lage von den Bürgern nicht angenommen, hieß es.

All diese Fakten nahm jüngst der Bauausschuss zur Kenntnis - öffentlich, beantragt von Stadtrat Richard Lechner (SPD), der für das Thema keinen Geheimhaltungsgrund (dann: nicht öffentliche Beratung) sah. Dem folgte der Ausschuss einstimmig.

Bevor sich der Stadtrat damit beschäftigt, wird juristisch geklärt, ob das Anwesen Bihler (Hotel/Pension) in den Geltungsbereich des Bebauungsplans einbezogen werden soll.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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