Bekenntnis zur Hauptschule vor Ort

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Standen Rede und Antwort zu den Themen rund um die Mittelschule (von links): Bad Feilnbachs Bürgermeister Hans Hofer, Richard Rottmooser, Anton Bürger, Markus Schmidt von der Diakonie, Firmeninhaber Michael Weber, Rektor Friedrich Sparrer, Ministerialrat Helmut Krück, Hubert Schöffmann von der IHK München und Josefine Köllmeier.

Bad Feilnbach - Eine rege Diskussionsrunde bot die Gemeinschaftsveranstaltung des Wirtschaftsforums Mangfalltal mit den Gewerbeverbänden Feldkirchen-Bruckmühl und Bad Aibling-Tuntenhausen.

Hochkarätige Referate und eine rege Diskussionsrunde bot die Gemeinschaftsveranstaltung des Wirtschaftsforums Mangfalltal mit den GewerbeverbändenFeldkirchen-Bruckmühl, Bad Aibling-Tuntenhausen sowie Bad Feilnbach als ausrichter im Gasthaus Andrelang in Au. Eingangs legte Josefine Köllmeier für den Feilnbacher Gewerbeverband ein klares Bekenntnis zur Hauptschule vor Ort ab. Diese sei wichtig, weil von dort künftige Lehrlinge für heimische Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe kommen.

Der Bad Feilnbacher Bürgermeister Hans Hofer bekräftigte dies und hob zudem das große Engagement der Gemeinde für ihre Hauptschule hervor: Mit hohem finanziellen Aufwand werde derzeit das Gebäude saniert und modernisiert, um die Hauptschule zukunftsfähig zu erhalten.

Sehr förderlich seien auch die "Praxistage", anschaulich präsentiert vom Vorsitzenden Richard Rottmooser, und eingeführt bereits 2007 als bayerisches Pilotprojekt in Kooperation von Gewerbeverband und der Leo-von-Welden-Schule. Schülern sollen so Berufe in der Praxis nahe gebracht sowie die richtige Berufswahl erleichtert werden. So mancher Teilnehmer habe dadurch die passende Lehrstelle gefunden. Die "Praxistage" laufen mittlerweile im vierten Jahr erfolgreich, es stellen sich dafür 45 örtliche Betriebe zur Verfügung.

Kritische Diskussionsbeiträge zeigten jedoch, dass mit der Einführung der neuen bayerischen Mittelschule um den Bestand der Hauptschulen vor Ort gefürchtet werde, und die zu bildenden Schulverbünde einige Probleme aufwerfen. Ministerialrat Helmut Krück vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus stellte deshalb das Konzept der Mittelschule vor: Es werde garantiert, dass allen Schülern ein umfassendes Bildungsangebot zur Verfügung stehe sowie dass alle individuell und differenziert gefördert würden sowie einen Abschluss erreichen.

An der Mittelschule stehe immer ein Ganztagsangebot zur Verfügung, und es gebe drei berufsorientierte Zweige - Technik, Wirtschaft und Soziales. Die Mittelschule leiste dies entsprechend als einzelne größere Schule oder im Verbund mehrerer kleinerer benachbarter Schulen. Die ortsnahe Beschulung, ein Vorteil dieser Schulart gegenüber allen anderen weiterführenden Schularten, bleibe weitgehend erhalten. Es gebe vier mögliche Abschlüsse mit Hauptschulabschluss, Hauptschulabschluss der Praxisklasse, qualifizierender Hauptschulabschluss (jeweils nach der 9. Klasse) und mittlerer Schulabschluss (nach der 10. Klasse). Ministerialrat Krück präsentierte auch im Vergleich das sächsische Schulmodell, bemängelte aber zugleich, dass es sich dabei im Gegensatz zum Bayerischen um ein rein zweigliedriges Modell handle. Die IHK engagiert sich seit 2007 besonders für Hauptschüler mit schulischen Defiziten, um auch diesen einen erfolgreichen Eintritt in das Berufsleben zu ermöglichen. Hubert Schöffmann von der IHK-München-Oberbayern stellte dazu die Qualifizierungsinitiative "Sommercamp" vor, die sich gezielt an Schüler aus sozialen Brennpunkten, oft mit Migrationshintergrund, richte.

Förderung der Sozialkompetenz

Durch gezielte, dreiwöchige Arbeit mit Lehrern, Sozialpädagogen, Psychotherapeuten sowie Schauspielern und Musikern würden sowohl die schulischen Leistungen erheblich verbessert, als auch die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz gefördert. Der Erfolg dieser Initiative wurde belegt durch die Quoten von 2009 in München: 94 Prozent der Teilnehmer schafften im Anschluss den qualifizierenden Hauptschulabschluss, 52 Prozent besuchten danach die 10. Klasse.

Interessantes zum Thema Ausbildungsfähigkeit der Hauptschüler aus der Sicht eines Handwerksbetriebs berichtete Michael Weber, Elektromeister aus Feldkirchen. In seiner Firma wurden bereits zahlreiche Lehrlinge ausgebildet und auch in Zukunft sei dies für ihn enorm wichtig, um weiterhin fähige Mitarbeiter beschäftigen zu können. Weber bestätigte die an diesem Abend mehrfach vertretene Meinung, dass es - bei zugleich sinkenden Schüler- und Arbeitslosenzahlen - für Betriebe künftig immer schwerer werde, geeignete Auszubildende und Fachkräfte zu finden. Bereits heuer könnten zahlreiche Stellen nicht mehr besetzt werden und dieser Situation gelte es, entschlossen entgegenzutreten.

In der Diskussionsrunde lobte der Elektromeister, selbst ehemaliger Hauptschulabsolvent, ausdrücklich das Bildungssystem, da - je nach Neigung und Fähigkeit des Einzelnen - im Anschluss an die Hauptschule vielfältige sowohl schulische als auch berufliche Wege und Karrieren offenstehen.

"Schlechtes Image der Hauptschulen"

Für die anschließende Podiumsdiskussion stellten sich überdies Friedrich Sparrer, Rektor der Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor, sowie Anton Bürger vom Gewerbeverband Bad Aibling-Tuntenhausen und Markus Schmidt vom Diakonischen Werk/Jugendhilfe Bayern zur Verfügung. Von Schmidt gab es Informatives zur Schulsozialarbeit, mit deren Hilfe junge Menschen in ihrer Entwicklung zu Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit unterstützt würden; er bestätigte auch kritische Einwürfe, dass Erziehungsarbeit - aufgrund von Defiziten bei den Eltern - zum Teil den Schulen aufgebürdet werde.

Rektor Sparrer stellte sich allen Fragen zu seinen Erfahrungen der ersten Monate Mittelschule Kolbermoor. Mangelnde Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen, wie manchmal von Seiten der Betriebe bemängelt werde, sowie ein ungerechtfertigterweise schlechtes Image von Hauptschulabschlüssen waren bei der regen Publikumsdiskussion weitere Schwerpunkte.

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