Unmöglicher Gefahrgutunfall in Chieming

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Chieming - Um 9.12 Uhr haben am Samstag die Anwohner rund um Chieming auf einmal nur noch Sirenen gehört. Feuerwehren, Rettungsdienst, THW und Polizei rückten Richtung EHG Recycling aus.

Dort hatte es einen Gefahrgutunfall gegeben. Verschiedene Säuren waren von einem Gabelstapler gefallen und hatten sich vermischt - es entstand Blausäure. Sieben Personen wurden im Gefahrenbereich vermutet und zu guter Letzt gerieten auch noch die Gebäude rund um das Gefahrgut in Brand.

Alles - Gott sei Dank - nur eine Übung; die jährliche Katastrophenschutzübung des Landkreises Traunstein. Immerhin wurden aus den ursprünglich angenommenen sieben Verletzten insgesamt zwölf mittelschwer und zwei schwer Verletzte, von den leicht Verletzten ganz zu schweigen. Und eine Person wurde um 11 Uhr immer noch vermisst.

Kein Wunder, das angenommene Ausmaß der Übung war enorm. Immer mehr Feuerwehren wurden alarmiert. Von Traunstein bis Trostberg rückten fast alle Gemeinden aus, um die Chieminger Kameraden zu unterstützen. Dazu kamen noch viele BRK-Rettungskräfte, das THW und die Polizei. Innerhalb kürzester Zeit wuselte es rund um die Sondermoninger Straße enorm. Straßen wurden gesperrt und Schaulustige wie Presse im Zaum gehalten. Immerhin sollten zuerst die Verletzten gerettet und das Feuer in Schach gehalten werden - nur unter Atemschutz natürlich.

Die Katastrophenschutzübung war auch für die neu in Betrieb genommene Integrierte Leitstelle Traunstein ein erster Härtetest. "Die Zusammenarbeit mit der ILS funktioniert sehr gut", resümierte Übungsleiter Günter Wambach. "Sie hat nach Einsatzstichwort alarmiert und auf jede Nachalarmierung der Einsatzleitung reagiert."

Katastrophenschutzübung in Chieming

Auch für EHG-Geschäftsführer Thomas Engmann und seine Mitarbeiter war die Übung ein Test: "wie funktionieren unsere eigenen Sicherheitsmaßnahmen." Auch wenn das Scenario eigentlich unrealistisch war, da solche Stoffe nie gemeinsam transportiert werden dürfen. "Es ist für uns ein wichtiges Thema um weiter mögliche Sicherheitsvorkehrungen zu optimieren", so Engmann. "Außerdem lernen wir, wie wir eigene Abläufe verbessern können auch mit den Feuerwehren." Gleichzeitig betonte der Geschäftsführer: "Wir tun das, um die Bevölkerung zu schützen. Wir lagern nicht unproblematische Stoffe und große Mengen an brennbaren Materialien. Deshalb bitte ich um Verständnis in Chieming, dass diese Übung zu Öffnungszeiten des Wertstoffhofes durchgeführt wurde. So konnten wir aber auch ausprobieren, wie es mit der Evakuierung der Kunden und Mitarbeiter klappt." 

Am Ende der Übung zog Kreisbrandrat Hans Gnadl eine positive Bilanz: "Es war eine sehr gute Übung. Manchmal ist eine Übung, die nicht exakt nach Drehbuch verläuft besser, als wenn sie fehlerlos abläuft. So können wir analysieren, was ist gut gelaufen, was schlecht, was müssen wir besser machen."

Und auch Landrat Hermann Steinmaßl lobte die Einsatzkräfte: "Eine solche Übung ist sehr sehr wichtig. Das Zusammenspiel der Kräfte im Landkreis muss unter teilweise sogar unrealistischen Bedingungen geübt werden." Und der Landrat betonte auch noch: "Im Ernstfall erfahre ich das sofort, da bin ich sofort da, da lass ich alles liegen und stehen." Denn bei der Übung kam er erst, als das meiste schon vorbei war.

red-ch24/cz

Rubriklistenbild: © cz

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