Bewährungsauflagen "unerfüllbar"

Bad Aibling - In seinem Kampf gegen die Drogen und Alkoholsucht ist ein vielfach vorbestrafter Altenpfleger erneut rückfällig geworden, als er noch auf Bewährung war.

Vor Gericht wurden jedoch sein in letzter Zeit ansonsten nicht zu beanstandendes Verhalten und seine Bemühungen um eine echte Resozialisierung berücksichtigt - eine Strafe von fünf Monaten wurde erneut zur Bewährung ausgesetzt.

Der 34-jährige Angeklagte, Altenpfleger aus Bad Aibling hatte bereits eine Menge auf dem Kerbholz. Seine Vorstrafenliste umfasst 20 Einträge. Inzwischen hat er bereits zwölf Jahre seines Lebens hinter Gittern erlebt.

Der Grund: Drogensucht. Diese Sucht hat ihn immer wieder zu Beschaffungstaten getrieben. Raub, Diebstahl und Betrug waren, neben Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, die Delikte die ihn immer wieder in das Gefängnis brachten. Dreimal hatte er Entziehungsmaßnahmen abgebrochen und war wieder rückfällig geworden.

Im Jahre 2006 hat er dann Ernst gemacht mit dem Absprung aus dem Teufelskreis der Drogen. Eine intensive und ernsthafte Maßnahme in der geschlossenen Anstalt brachte ihn nachhaltig vom verbotenen Konsum weg. Er hat eine regelmäßige Arbeit aufgenommen und eine feste Lebensgefährtin gefunden.

In Freiheit ist er auf Bewährung mit strengen Auflagen gekommen. So ist ihm nicht nur der ohnehin verbotene Genuss und Besitz von Drogen untersagt. Er hat sich diesem Beschluss zufolge auch absolut dem Genuss von Alkohol zu enthalten. Das wird in der Nachsorge durch die Entziehungsanstalt auch durch unregelmäßige Urin- und Bluttests kontrolliert.

Tatsache ist, dass er danach nicht mehr gravierend straffällig geworden ist. Jedoch hat er hin und wieder zur Bierflasche gegriffen und ein- oder zwei Halbe getrunken. In einem Fall, vor mehr als sechs Monaten, hat er sich - nach einem Beziehungsstreit mit seiner Lebensgefährtin - sogar eine Kapsel Heroin beschafft und konsumiert. Grund genug für die Staatsanwaltschaft ihn wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen anzuklagen.

Der überwachende Arzt aus dem Inn-Salzach-Klinikum berichtete, dass der Angeklagte insgesamt stabil sei und ihm - trotz der angeklagten Verstöße gegen die Bewährungsauflagen - eine positive Sozialprognose zu erstellen sei. Nach einer derart intensiven und langen Drogenkarriere sei die erreichte Situation eine enorme Leistung des Angeklagten und vor allem seiner Lebensgefährtin, die ihm dabei eine Stütze ist.

Grundsätzlich hielt der Facharzt ein totales Verbot von Alkohol für lebensfremd und aus heutiger medizinischer Sicht nicht für geboten. Würde - wie im aktuellen Fall - deshalb die Bewährung widerrufen, so würde eine solche Maßnahme sogar kontraproduktiv, also schädlich sein.

Verurteilung sei zwingend geboten

Die Bewährungshelferin bestätigte, dass der Altenpfleger alle Termine regelmäßig wahrnehme und auch sein Sozialverhalten eine erfreuliche Konstanz aufweise.

Die Staatsanwältin erklärte, dass eine Verurteilung zwingend geboten sei. So sei mit dem Strafrest der offenen Bewährung eine Gesamtstrafe von sechs Monaten zu bilden, die allerdings, wegen der besonderen Umstände, noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, erklärte, dass die Forderung nach absoluter Alkoholfreiheit als Bewährungsauflage in vielen Fällen als unerfüllbar anzusehen sei. Einen Alkoholkranken, der ohne weitere Straftaten zu begehen, nur weil er die absolute Enthaltsamkeit nicht leisten kann, immer wieder in das Gefängnis zu stecken, erzwinge einen "Drehtüren-Effekt". Das könne nicht die Absicht vernünftiger Rechtsprechung sein. Er beantragte eine Gesamtstrafe von vier Monaten, die er wie die Staatsanwältin zur Bewährung ausgesetzt sehen wollte.

Die Richterin Isabella Hubert entschied, dass fünf Monate Gesamtstrafe angemessen seien. Sie setzte die Strafe zur Bewährung aus, weil sie den Angeklagten in seinem schwierigen Bemühen um echte Resozialisierung unterstützen wolle. Da nunmehr erkennbar keine Gefahr mehr von ihm für die Gesellschaft ausgehe, könne man die Belastung durch die hohe Zahl der Vorstrafen zurück stellen.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © pa

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