Bildungshaus statt Regelschule

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Hier soll im kommenden Jahr das Bildungshaus einziehen.

Bad Aibling - Von der Krippe bis zur vierten Jahrgangsstufe, alle Kinder unter einem Dach - so ein neues Konzept für das B&O-Gelände.

Das sieht ein neuartiges Konzept des Diakonischen Werkes Rosenheim ab dem kommenden Jahr auf dem B&O-Gelände in Mietraching vor.

Unter dem Begriff Bildungshaus soll Raum zum Leben und zum Lernen entstehen. "Pädagogik der Vielfalt" lautet dabei der Leitspruch in den jahrgangsgemischten Gruppen. Die Regierung von Oberbayern hat das "besondere pädagogische Interesse" als Voraussetzung für eine Privatschule bereits anerkannt. Start soll im August 2012 sein.

In dem Bildungshaus sollen die Angebote einer Kindertagesstätte und einer Grundschule vereinigt werden. Dabei setzen die Verantwortlichen auf eine sehr enge Zusammenarbeit von Eltern, Lehrern und Jugendhilfe. Mit in das Gebäude auf dem B&O-Parkgelände zieht auch das Montessori-Kinderhaus ein und wird Teil des Konzepts.

Ziel des Bildungsanspruches in der Einrichtung ist es, dass Kinder zum Abschluss der Grundschulzeit über den bayerischen Grundschullehrplan hinaus nicht nur ein vielfältiges Wissen über verschiedene Länder, Kulturen und Religionen erlangen, sondern auch durch interkulturellen Austausch Sozialkompetenz erhalten.

"Im Mittelpunkt steht die Freude an der eigenen Leistung. Sie schafft Lust auf lebenslanges Lernen und stärkt die Entwicklung sozialer Beziehungen", so Markus Schmidt, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie - Jugendhilfe Oberbayern. "Vermittelt wird im Bildungshaus eine Pädagogik der Vielfalt, in der Unterschiede zwischen Kindern als Chance für gemeinsames Lernen verstanden werden", so die Verantwortlichen.

Der Unterricht finde kompetenzorientiert in jahrgangsgemischten Gruppen mit je zwei Fachkräften statt. Außerdem vermittle das Bildungshaus die Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Darüber hinaus sollen Kreativität, Gesundheits- und Sozialverhalten und ökologisches Bewusstsein gefördert werden. In den Gruppen wirken auch sozialpädagogische Fachkräfte mit.

Die Einteilung der jeweiligen Betreuung erfolgt entsprechend der Altersgruppen in so genannten Kompetenzniveaus von A bis E. So gibt es Krippenplätze für Kinder bis drei Jahren und Kindergartenplätze für Drei- bis Sechsjährige (A und B).

Im Kompetenzniveau C (fünf bis sieben Jahre) werden Vorschul- und Grundschulkinder in Gruppen von jeweils 20 Schülern gemeinsam jeweils von einer Lehrkraft sowie einer Fachkraft aus dem Kindergartenbereich betreut. Hier müssen die Kinder auch nicht mehr hinsichtlich ihrer "Schulreife" geprüft werden - sie können einfach auch länger als nur ein Schuljahr in ihrer jeweiligen Stufe bleiben.

Kompetenzniveaustufe D ist für Sieben- bis Neunjährige Zweit- und Drittklässler vorgesehen, während in Stufe E die neun- bis zehnjährigen Viertklässler unterrichtet werden. Im Grundschulbereich wird nach den Inhalten des jeweils aktuell gültigen Lehrplans für die Grundschule in Bayern unterrichtet. Im Bildungshaus würden neben den geltenden Bildungs- und Lehrplänen die aktuellen Entwicklungen zur Verbesserung der Schulqualität aufgegriffen, die unter dem Begriff des "kompetenzorientierten Unterrichts" zusammengefasst seien.

Vorreiter des modernen Unterrichts

Die Leistungen der Schüler werden zum einen durch Noten als "individuelle Lernfortschrittsanzeige" bewertet. "So sind Noten nicht mehr ein Selektionsinstrument, sondern eine individuelle Rückmeldung." Zum anderen werden die Fähigkeiten eines jeden Schülers beschrieben. Damit komme man dem Bedürfnis der Kinder, sich zu vergleichen, nach. "Wir wollen Vorreiter des modernen Unterrichts sein", so die Konzeptentwickler um Schmidt, Bildungs- und Erziehungswissenschaftler Hermann Rademacker, Arzt und Psychotherapeut Gerhard Vilmar, die Vorsitzende des Arbeitskreises Schule und Bildung Oberbayern, Friederike Enders, sowie Sozialpädagogin Elisabeth Wolfgruber.

Sie wollen nicht eine spezielle Zielgruppe ansprechen, sondern wünschen sich für das Bildungshaus eine Mischung, wie es sie auch an Regelschulen gibt. "Wir versprechen uns aber ein höheres Leistungsniveau, höhere Sozialkompetenz und eine bessere Förderung des Einzelnen." Im Bildungshaus werden beispielsweise auch Vergleichstests durchgeführt. Letzteres sei besonders auch vor dem Hintergrund des Übertritts auf eine weiterführende Schule bedeutend.

Mit der verpflichtenden Mindestnutzung des Hortangebotes biete das Bildungshaus für die Schulkinder die Qualität einer verbindlichen Ganztagsschule. Die Grundschule bedürfe der Genehmigung als eine Privatschule, wozu das "besondere pädagogische Interesse" anerkannt werden müsse. "Aufgrund des vorgelegten Konzepts ist dieses von der Regierung von Oberbayern bereits anerkannt", so Schmidt. Insbesondere die Altersmischung des letzten Altersjahrgangs des Kindergartens und der ersten Klassenstufe der Grundschule seien hier ausschlaggebend gewesen.

Auch bei den Lehrern lege man Wert auf ein kooperatives, konfliktfähiges Team. Sie sollen nicht als "Belehrer", sondern mehr als "Lerncoaches" fungieren, die ein persönliches Interesse daran haben, dass die Schüler vorwärts kommen.

Kernzeit für Kindergartenkinder ist von 8.30 bis 12 Uhr, sowie für Kinder ab Stufe C (inklusive Mittagessen) 8 bis 14.30 Uhr. Die in diesem Zeitrahmen anfallenden Kindertagesstättenzeiten müssen von allen Eltern für ihre Kinder verbindlich gebucht werden. Zusätzliche Zeiten zwischen 7 bis 17 Uhr werden - auch zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf - gegen Bezahlung angeboten. Entwickelt wird überdies ein bedarfsgerechtes Ferienangebot (Feriencampus), denn das Bildungshaus ist während eines ganzen Jahres nur an 25 Tagen geschlossen.

Der Bildungshausbeitrag für Krippe und Kindergarten bemisst sich an der Gebührensatzung der Stadt Bad Aibling, der Beitrag für die Stufe C beträgt 120 Euro, für Stufe D und E 150 Euro, wobei auf Antrag Gebührenermäßigungen möglich sind. Etliche Firmen haben sich auch schon bereit erklärt, Stipendien für sozial schwächere Familien zur Verfügung zu stellen.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

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