"Halbes Auge" zugedrückt

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Für dieses Grundstück mit leichter Hanglage am Dahlienweg wurde ein Haus geplant, ohne vorher mit dem zuständigen gemeindlichen Bauamt die erforderlichen Absprachen getroffen zu haben. Nur aufgrund eines großzügigen Entgegenkommens des Rates kam der Bauwerber jetzt mit einem "blauen Auge" davon.

Bruckmühl - Eigentlich kontaktiert man die Bauverwaltung und vergibt erst dann einen Bauauftrag - wenn es andersrum läuft, ist Ärger vorprogrammiert.

Unter dem einheitlichen Tenor "so etwas darf doch nicht wahr sein" hatte sich der Bruckmühler Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit einem nicht gerade alltäglichen Vorgang zu beschäftigen: Ein Bauwerber hatte seine Unterschrift bereits unter den Kaufvertrag für ein Fertighaus gesetzt, ohne seine Planungen im Vorfeld mit den Vorgaben der gemeindlichen Bauverwaltung abzustimmen. Unter dem Aspekt "Gnade vor Recht zur Weihnachtszeit" beschloss das Plenum einen Kompromiss.

Cornelia Stahl von der Bauverwaltung erläuterte den Räten den Sachverhalt. Am Dahlienweg im Bruckmühler Ortsteil Götting ist ein Einfamilienhaus samt Garage geplant. Für das Fertighaus soll das betreffende Baugrundstück großflächig modelliert werden. Einer damit verbundenen ersten Bebauungsplanänderung für den Bereich "Götting-Süd" auf Vergrößerung der Hausgrundfläche wurde bereits im Vorfeld der Sitzung zugestimmt. Der nun vorliegende Antrag wich aber gleich in mehreren folgenden Punkten von den Vorgaben ab: Dachneigung, Garagenhöhe, Garagensituierung und Nivellierung der Oberkante Kellerrohdecke.

Bei Gesprächen der Bauverwaltung mit dem Bauherrn beziehungsweise dem Architekten stellte sich laut Stahl heraus, dass der Vertrag für das Fertighaus von dem Bauwerber aus Zweibrücken bereits unterschrieben war. Daraus resultierten für ihn gleich zwei Probleme. Erstens: Der vorgelegte Bauantrag wich in mehreren Punkten von dem verbindlichen Bebauungsplan ab. Zweitens: Bei einem Rücktritt vom Kaufvertrag drohen dem Bauwerber nach eigenem Bekunden hohe Kostenrückerstattungen.

Bei ihrem weiteren Vortrag setzte sich die Bauamtsangestellte mit dem "Für und Wider" der diversen Abweichungen auseinander. Bei der anschließenden Diskussion schüttelte CSU/PW-Rat Richard Richter gleich mehrfach ungläubig den Kopf: "So etwas kann doch nicht sein, die Planungen gehen total an den Festsetzungen vorbei. Unter normalen Umständen müssten wir das Ganze ablehnen. Aber unter dem Aspekt ,in dubio pro reo' sollten wir vielleicht ein nochmaliges Entgegenkommen bei der Dachneigung signalisieren". Dem pflichtete OLB-Rat Josef Wörndl süffisant bei: "Kurz vor Weihnachten sollten wir Gnade vor Recht walten lassen".

Bürgermeister Franz Heinritzi zeigte sich nur mit kleineren Änderungen in Bezug auf die Dachneigung und die Garagenänderung einverstanden: "Mehr geht aber auf gar keinen Fall." ÜWG-Rat Georg Ettenhuber sah den Bauwerber vom Architekten mehr als schlecht beraten. In der Summe signalisierte der Bauausschuss lediglich ein Entgegenkommen in der Dachneigung und der Garagenanordnung.

Bei allen anderen Details müssen die Bebauungsvorgaben aber klar und korrekt umgesetzt werden: "Sonst gibt es Ärger".

tn/Mangfall-Bote

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