Räumpflicht: Freistellung nicht möglich

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Friedrich Schohe hat einen Behinderungsgrad von 70 Prozent. Die Schnee-Räumpflicht ist für ihn nicht leistbar. Eine Entbindung davon aber nicht möglich.

Bruckmühl - Obwohl Friedrich Schohe einen Behinderungsgrad von 70 Prozent hat, muss er morgens raus zum Schneeräumen. Ein Unding für den Bruckmühler.

Die aktuellen Schneefälle sind für Friedrich Schohe aus Bruckmühl ein großes Ärgernis: insbesondere hinsichtlich der Schneeräumpflicht. Der Mann hat einen Behinderungsgrad von 70 Prozent und müsste Gehsteig und Einfahrtsbereich des Hauses, in dem er zur Miete wohnt, räumen. "Das ist ein Unding für mich", betonte Schohe.

Besonders erzürnt ihn ein Schreiben seines Vermieters, der Baugenossenschaft Bruckmühl-Bad Aibling, hinsichtlich einer Sonderregelung. Erstmals sind gehbehinderte Mieter der behindertengerechten Wohnungen (drei Stück hat die Baugenossenschaft dort) vom Winterdienst und dadurch anfallenden Kosten befreit.

Für Schohe greift diese Regelung allerdings trotz seiner 70-prozentigen Behinderung nicht: Als er in das Gebäude einzog, war keine der behindertengerechten Wohnungen frei. "Ich fühle mich hier ungerecht behandelt und mehr als benachteiligt", kritisierte Schohe gegenüber unserer Zeitung.

Er wurde deshalb bereits bei der Baugenossenschaft Bruckmühl-Bad Aibling vorstellig. Doch der Baugenossenschaft sind eigenen Angaben zufolge die Hände gebunden. Zwar verstehe man die Nöte von Friedrich Schohe, doch entbinden könne man ihn von der Schneeräumpflicht nicht.

Diese sei auf die Mieter übertragen worden. Wer dem Schneeräumen nicht nachkommen könne, müsse einen Winterdienst auf eigene Kosten beauftragen. Dies ist jedoch für den Bruckmühler aufgrund seines geringen Einkommens nicht leistbar, erklärte er. "Wir sind um Lösungen stets bemüht, doch weitere Ausnahmen sind nicht umsetzbar", erklärte Geschäftsführerin Katharina Rottmayr.

Wo beziehungsweise bei wem mit Ausnahmen anfangen und aufhören? Die Frage stellt sich in diesem Zusammenhang auch für das Zentrum Bayern Familie und Soziales in München. Die Kontaktstelle erhält zahlreiche Anfragen zu sozialen Problemen. Auch hier sieht man keine Möglichkeit auf Entbindung von der Räumpflicht für den Bruckmühler.

Gleiches gilt auch für die Marktgemeinde. Zusammenschlüsse von Mietparteien, um ältere oder behinderte Menschen zu entlasten, seien oft üblich. Manchmal würden auch Angehörige die Schneeräumpflicht übernehmen. Ausnahmeregelungen gebe es jedoch nicht.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

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