90-Jähriger wohnt 10 Jahre illegal in Gewerbegebäude

Was wird jetzt aus Hermann B. aus Bruckmühl?

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Bruckmühl - Hermann B. muss nach zehn Jahren seine Wohnung räumen. Jetzt nimmt das Landratsamt Stellung.

Die Geschichte vom 90-jährigen Bruckmühler Hermann B. bewegt die Region. Wie bereits am 15. Dezember berichtet lebt der Rentner seit über zehn Jahren unerlaubterweise in einem Gewerbegebäude. Als das Landratsamt Rosenheim davon Wind bekam, wurde er dazu aufgefordert die Wohnung zu räumen. Dem fast blinden ehemaligen Justizbeamten wurde daraufhin mitgeteilt, dass er keine Berechtigung mehr habe, in dem Gebäude zu wohnen.

Laut bild.de habe der Senior unter Tränen erzählt, er habe keine Ahnung wo er jetzt hin solle, weil es so schwer sei in der Region eine Wohnung zu finden. Er habe besonders Angst, "dass bald Lastwagen vor der Tür stehen und sie mich holen kommen", gestand er bild.de gegenüber. 

Am 15. Dezember ist nun die vom Landratsamt Rosenhein angesetzte Frist für den Auszug abgelaufen. Ob der Mann der Aufforderung bereits nachgekommen und ausgezogen ist, ist dem Pressesprecher des Landratsamts, Michael Fischer, nicht bekannt. Im Gespräch mit rosenheim24 erklärt er, dass Hermann B.s Angst vor der Zwangsräumung nicht begründet sei. "Eine Zwangsräumung ist nicht geplant", so Fischer. Sie sei auch nie im Gespräch gewesen. 

Dennoch: Fakt sei, dass der Mann aus seiner Wohnung ausziehen müsse. Bereits vor Monaten habe man ihn aufgefordert das Haus zu räumen. Sogar eine alternative Wohnung sei ihm von der Gemeinde angeboten worden. Diese habe er damals abgelehnt. Er wolle bei seinem Sohn einziehen. Das sei allerdings nicht passiert. Auch jetzt stehe eine leere Wohnung für Hermann B. in Bruckmühl zur verfügung, in die er jederzeit einziehen könne, so Fischer. 

Auf die Frage wie es überhaupt möglich ist, dass der 90-Jährige über zehn Jahre lang illegal in dem gewerblichen Gebäude wohnte, hat Fischer eine klare Antwort: Der Eigentümer des Hauses habe dem Rentner damals einen Mietvertrag gegeben und damit das Gebäude zweckentfremdet, das nie als Wohnraum genehmigt gewesen sei. 

Die schriftliche Stellungnahme des Landratsamtes Rosenheim

Bei dem Gebäude in dem Herr B. wohnt, handelt es sich nach der Genehmigung um ein reines Gewerbegebäude, das als Lager, Garage und Büro genutzt werden darf. Dieses Gebäude befindet sich in einem reinen Gewerbegebiet und ist nicht für eine Wohnvermietung zugelassen. Nach der Brandkatastrophe von Schneitzlreuth 2015 hat der Markt Bruckmühl das Landratsamt um eine Baukontrolle in dem Haus gebeten, da hier offenbar mehrere Personen zur Miete lebten. 

Diese Baukontrolle wurde im September 2015 durchgeführt. Der Eigentümer aus Österreich wurde ermittelt und es wurde versucht, ihn anzuschreiben. Im Mai 2016 konnte das Schreiben im dritten Versuch zugestellt werden. Der Eigentümer bat um ein persönliches Gespräch, welches im Februar 2017 stattfand. Dabei teilte der Eigentümer mit, dass das Anwesen in Bruckmühl zwangsversteigert werden soll. 

Im Zuge dieses Zwangsversteigerungsverfahrens stellte das Landratsamt die Sache „Ruhend“. Im Juli 2017 wurde die Sache wieder aufgenommen, da für dieses Gebäude kein Gebot abgegeben wurde und es sich damit immer noch im Besitz des bisherigen Eigentümers befand. 

Bereits 2017 kündigte der Eigentümer allen Mietern. Im Januar 2018 wurden die Mieter vonseiten des Landratsamtes schriftlich über eine mögliche Nutzungsuntersagung informiert. Es wurde den Mietern die Möglichkeit einer Anhörung gegeben, die Herr B. auch wahrnahm. Im Mai 2018 erging dann der offizielle Bescheid über die Nutzungsuntersagung an die Mieter und den Eigentümer. 

Dagegen hat Herr B. kein Rechtsmittel eingelegt. Damit hätte die Wohnung bis zum 18.09.2018 geräumt werden müssen. Bereits im Juni 2018 hat der Markt Bruckmühl Herrn B. eine Wohnung angeboten. Dieses Angebot hatte er abgelehnt, da für ihn, nach eigenen Angaben die Möglichkeit bestand, mit in die Wohnung seines Sohnes zu ziehen. 

Aufgrund der persönlichen Situation von Herrn B. und der Situation auf dem Wohnungsmarkt verlängerte das Landratsamt die Frist bis zur Nutzungsuntersagung darum bis zum 15. Dezember 2018. Offensichtlich war der Umzug in die Wohnung des Sohnes bisher noch nicht möglich. Im Übrigen ist die Marktgemeinde Bruckmühl nach wie vor bereit Herrn B. eine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Das Angebot steht immer noch. Selbstverständlich wird vonseiten des Landratsamtes von Zwangsmaßnahmen abgesehen, bis eine Alternative für Herrn B. gefunden wurde.

Stellungnahme Landratsamt Rosenheim

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