Belegung der Turnhalle des Gymnasiums

Das bewegt die Bruckmühler Bürger

Bruckmühl - Im Anschluss an die Infoveranstaltung zur Belegung der Turnhalle mit Flüchtlingen kamen die Bruckmühler Bürger zu Wort. Das Waren die wichtigsten Fragen und Antworten:

Bei einer ausführlichen Fragerunde im Anschluss an die Informationsveranstaltung in der Aula des Bruckmühler Gymnasiums hatten die Bruckmühler Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, Fragen zur Belegung der Turnhalle in der Woche vom 14. Dezember zu stellen. Dr. Manuel Diller vom Landratsamt Rosenheim, zuständig für soziale Angelegenheiten, stand Rede und Antwort:

Frage: Bezüglich des Gesundheitsscreenings: Laut meinen Informationen haben viele Flüchtlinge relativ starke Krankheitsbilder. Ist es nur ein frommer Wunsch, dass sie das screening durchlaufen?

Diller: Alle, die in die Turnhalle kommen, sind untersucht worden. Die Menschen kommen sechs bis sieben Wochen nach der Untersuchung hier her. Es kann natürlich sein, dass eine Krankheit übersehen wurde.

In der Regel gehe ich aber davon aus, dass alle Menschen so gesund sind, wie die Bürgerinnen und Bürger auch. Das Einzige was ab und zu vorkommt, ist die Krätze. Diese wird nicht durch Händeschütteln übertragen, sondern die Verbreitung hat den Grund, dass Flüchtlinge gelegentlich in anderen Betten schlafen und sich somit anstecken. Diese Krankheit ist aber sehr leicht zu behandeln. Man muss sich einmal mit eine Spezialcreme eincremen, dann ist sie weg.

Frage: Laut der Aufnahmequote von 1,5 % müsste Bruckmühl nur 150 Flüchtlinge aufnehmen. Jetzt sind schon 140 da und 200 kommen noch. Wie kann das sein?

Diller: Für Gemeinden gibt es keine Quote. Es gibt für Deutschland nur den Königsteiner Schlüssel. Innerhalb Bayerns gib es dann nochmal einen Schlüssel für die Aufteilung. Hierbei muss Oberbayern den größten Teil aufnehmen. Für Gemeinden selber gibt es keinen Schlüssel. Hier geht es nach den Möglichkeiten der Unterbringung. Die Gemeinden müssen ihre Kapazitäten beim Landratsamt melden.

Frage: Wie temporär ist die Belegung? Ich sehe das nicht als temporär an, sondern als eine Maßnahme auf die die nächste folgt. Wie will man weiter vorgehen?

Diller: Es wird keine Aktion für zwei Monate sein. Ende Januar haben wir unsere eigenen Schüsse verbraucht. Man kann Container bereitstellen, die muss man aber erst einmal kriegen. Hier stehen wir vor der Entscheidung: Sport oder Obdachlosigkeit im Winter. Ich warte darauf, bis die erste Gemeindeturnhalle beschlagnahmt wird.

Das nächste Jahr wird anstrengend. Wir können nur wenige Wochen im Voraus planen. Die Zugangszahlen nehmen momentan noch zu.

Frage: Was ist mit Untervermietungen, also Flüchtlinge in Familien unterzubringen?

Diller: Ich versuche das nicht zu tun.

Frage: Was ist mit der ehemaligen Bundeswehrkaserne  in Bad Aibling/Mietraching? Denkt man darüber nach dort Flüchtlinge unterzubringen?

Diller: Das weiß ich jetzt leider nicht, das habe ich nicht geprüft. Das Gelände dort wird derzeit geprüft.

Frage: Welchen Nutzen hat unser Gemeinwesen davon, dass Flüchtlinge kommen?

Diller: Natürlich gibt es auch einen Nutzen, aber nicht alles was passiert, nutzt auch. Die Menschen kommen, weil sie Hilfe brauchen, das nutzt erst einmal nicht. Am Ende werden die bleiben, die Hilfe brauchen. Dann kann es sein, wenn sie in Arbeit etc. sind, dass sie nutzen.

Frage: Wer wird so kommen? Männer, Frauen, Familien? Und wer ist für die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler zuständig?

Diller: Nach Bruckmühl wird der sogenannte "Mix" kommen. Das sind 70% Männer zwischen 18 und 45 Jahren, wobei die wenigsten über 40 Jahre  alt sein werden. Dann 25% Familien und 5% alleinreisende Frauen. Junge Männer halten die Situation in der Halle besser aus. Wer dann wirklich kommt erfahre ich mit Glück 24 Stunden vorher.

Es werden rund um die Uhr Sicherheitskräfte vor Ort sein, zudem noch Menschen aus der Asylsozialberatung und die Leute vom Catering.

Frage: Was macht man gegen Verdreckung? Ich habe von einer anderen Unterkunft gehört, dass die sanitären Anlagen total verdreckt waren und sogar kaputt gemacht wurden.

Diller: Die sanitären Anlagen werden drei mal täglich von einem Putzdienst gereinigt. Natürlich werden die Anlagen durch 200 Menschen anders beansprucht als im regulären Sport- und Schulbetrieb. Es kommt gelegentlich zu Verstopfungen, bisher ist aber noch nichts kaputt gegangen. Wenn man eine Verschmutzung oder einen Verstoß mitbekommt werden dem Verursacher fünf Euro vom Taschengeld abgezogen.

Frage: Warum dürfen die Bürger nicht abstimmen darüber, ob in der Gemeinde Flüchtlinge untergebracht werden oder nicht?

Diller: Weil man sonst wahrscheinlich nirgendwo Flüchtlinge unterbringen könnte.

Frage: Kann die Polizei Bad Aibling garantieren, wenn was passiert, dass sie schnell genug vor Ort ist?

Thomas Adami, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling: Die Polizei Bad Aibling ist relativ gut aufgestellt. Darüber hinaus sind Nachbarinspektionen da, wie Holzkirchen, Ebersberg oder Rosenheim, die gegebenenfalls auch helfen.

Frage? Welche Sicherheitsdienste kommen? Wie sind die ausgebildet?

Diller: Das sind private Sicherheitsdienste. Was die für eine Ausbildung haben, weiß ich jetzt nicht. Die Mitarbeiter brauchen alle ein polizeiliches Führungszeugnis. Das ist natürlich auch eine Frage der Kapazitäten.

Frage: Bekommen die Flüchtlinge auch eine Infoveranstaltung?

Diller: Man versucht alle drei bis vier Wochen eine Infoveranstaltung in sechs verschiedenen Sprachen anzubieten. In der Regel lässt man die Menschen erst einmal in Ruhe. Und es gibt eine Hausordnung.

Frage: Bezüglich der Kosten, warum putzen, kochen etc. die Flüchtlinge nicht selber?

Diller: Das tun alle Asylbewerber, die nicht in einer Turnhalle untergebracht sind. Mit Ausnahme des Winterdienstes. Da ist mir das Haftungsrisiko zu hoch.

In den Hallen gibt es außerdem einen Putzdienst. Hierbei können alle Flüchtlinge, die helfen wollen, im Rahmen eines ein Euro Jobs mithelfen. Kochen dürfen sie dort aus Brandschutzgründen nicht.

Frage: Werden die Menschen über die Stellung der Frau aufgeklärt?

Diller: Ja, an Stellen wo man Probleme bemerkt werden sie das. Wenn etwas passiert, wird ein Asylsozialhelfer hingeschickt.

Frage: Wenn ich mein Haus oder meine Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung stellen möchte, steigt dann die Brandschutzversicherung?

Diller: Ja. In der Regel steigt die Police um das Drei- bis Vierfache.

Frage: Wenn Asylbewerber keine Haftpflichtversicherung haben, wer trägt dann den Schaden, wenn etwas passiert?

Diller: Das ist wie bei 1/3 der Deutschen, die ebenfalls keine Haftpflichtversicherung haben: Den Schaden trägt der Geschädigte.

Fragen, Tipps, Anregungen - schreibt uns über What'sApp: Tel. 0162/2852300

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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