Infoveranstaltung zu Belegung der Turnhalle in Bruckmühl

Landratsamt-Beauftragter: "Die Lage ist ernst"

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Bruckmühl - In der Infoveranstaltung am Dienstag wurde über die Belegung der Turnhalle des Gymnasiums informiert. Das wird alles passieren, wenn die Flüchtlinge kommen:

Sehr viele Bürger waren da

Die Aula des Gymnasiums Bruckmühl war brechend voll. Viele interessierte und zum Teil auch besorgte Bürger, wie sich in der anschließenden Fragerunde herausstellte, waren gekommen um Nähere Informationen über die Belegung der Turnhalle mit Flüchtlingen zu bekommen.

Hier lesen Sie die Fragen der Bürger und die Antworten darauf.

Vor Ort waren der Bürgermeister der Marktgemeinde Bruckmühl, Richard Richter, Dr. Manuel Diller vom Landratsamt Rosenheim, Thomas Adami, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, Michael Beer, Schulleiter des Bad Aiblinger Gymnasiums, Walter Baier, Schulleiter des Bruckmühler Gymnasiums und Ina Raki von der Asylhilfe Bruckmühl.

200 Flüchtlinge werden kommen

In die Turnhalle des Gymnasiums Bruckmühl werden in der Woche vom 14. Dezember 200 Flüchtlinge einziehen, den genauen Tag könne man noch nicht sagen, so Dr. Manuel Diller vom Landratsamt Rosenheim.

Statement von Bürgermeister Richter

Der Bruckmühler Bürgermeister Richard Richter eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: "Natürlich ist es schade, dass man die Turnhalle nicht mehr nutzen kann, aber es ist auch schade, dass Menschen flüchten und ihre Familien zurücklassen müssen."

Die Situation in Bad Aibling

Direktor Michael Beer, an dessen Schule seit Ende August Flüchtlinge in der Turnhalle untergebracht sind, schilderte die Situation in Bad Aibling: "Es gibt wenig zu berichten, denn es gibt wenig Berührungspunkte. Man kann von einer friedlichen Koexistenz sprechen, man grüßt sich. Die, die kommen, sind meist traumatisiert, alles was sie zunächst wollen, ist Ruhe."

Aktuell sind dort, anders als bei der ersten Belegungim August, 38 Familien mit ganz kleinen Kindern untergebracht.

Beer berichtete auch, dass es natürlich auch Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten gebe, diese aber sehr sehr selten seien. Er führte den Vergleich an: "Würde man 200 oberbayerische Trachtler zusammen über Wochen in einer Turnhalle unterbringen, "schäwerts" da bestimmt heftiger."

Der Direktor gab seinen Schülern auch die Möglichkeit die leere Turnhalle vor der Wiederbelegung zu besichtigen, man wolle nämlich keinen "Flüchtlingstourismus" schaffen.

"Die Situation ist für uns eine Chance unseren Kindern etwas vorzuleben."  so Beer abschließend.

Die Lage aus Sicht der Polizei

Thomas Adami von der Polizeiinspektion Bad Aibling informierte über die aktuelle Lage aus Sicht der Polizei und gab einen Erfahrungsrückblick: "Derzeit haben wir mit Asylbewerbern wenig Probleme." Es gebe wenig polizeiliche Vorfälle, meistens seien das Meinungsverschiedenheiten untereinander, oft in Verbindung mit Alkohlkonsum.

Erst am Montag habe es einen Vorfall unter Pakistanis gegeben, bei dem ein Beteiligter ins Krankenhaus kam. Die Täter seien vorläufig festgenommen worden, wurden aber bereits wieder entlassen.

"Insgesamt bin ich sehr zufrieden", so Adami.

Landratsamt informiert ausführlich

Dr. Manuel Diller vom Landratsamt Rosenheim, zuständig für soziale Angelegenheiten, informierte die Bürger sehr ausführlich über das aktuelle und zukünftige Geschehen.

"Im Landkreis haben wir uns dieses Jahr auf 450.000 Flüchtlinge eingestellt, im Sommer wurde diese Zahl auf 800.000 erhöht, die wir im Oktober erreicht haben. Es werden am Ende des Jahres etwa 1,2 Millionen registrierte Flüchtlinge werden." so Diller.

Diese Kraftanstrengung sei nur möglich, wenn man auf Hallen zurückgreife. Doch diese Kapazitäten seien voraussichtlich im Januar 2016 erschöpft. Um Obdachlosigkeit im Winter zu verhindern, sei das Landratsamt gezwungen auszuweichen. Man versuche auch private Hallen zu bekommen. Das Landratsamt sei am Prüfen, was man tun kann.

2015 habe man 3.500 Flüchtlinge aufnehmen müssen, 2016 werde der Landkreis weitere 5.000 unterbringen müssen. "Die Lage ist ernst", so Diller.

Gesundheitsuntersuchung

In der ersten Woche, durchlaufen Flüchtlinge eine ziemlich umfangreiche gesundheitliche Untersuchung. Es werden Organe abgetastet, das Hautbild angeschaut und es erfolgt eine Blutentnahme bei der unter anderem auch auf Hepatitis A+B und HIV getestet wird. Dies diene jedoch eher zum Schutz der Asylbewerber, da diese Krankheiten nur durch Blut und Geschlechtsverkehr übertragen werden können versicherte Diller.

Untersucht würden auch Krankheitsbilder, die es bei uns nicht mehr gibt, z.B. Tuberkulose.

Behandelt werden die Asylbewerber nach deutschem Kassenstandart, jedoch nur so lange, wie das Asylverfahren dauert. Nach drei Monaten kommen die Flüchtlinge dann in die Fläche, so auch in Bruckmühl. Dies sei der Unteschied zu Bad Aibling, wo eine "richtige Erstaufnahme" passiere.

Bleiben nicht dauerhaft

Anders als in Wohnungen oder Containern wolle das Landratsamt laut Diller die Menschen nicht für die Zeit des kompletten Asylverfahrens in der Turnhalle unterbringen. Sie werden einige Wochen, Diller sprach von einem Zeitraum von zwei Monaten, in der Halle bleiben, bevor sie in andere Unterkünfte kommen.

Das Problem sei, dass viele der Flüchtlinge aber noch nicht einmal einen Antrag auf Asyl gestellt haben. Die Termine für Anträge seien bis Ende 2016 bereits vergeben.

Ein Verfahren solle normalerweise 3 Monate dauern, derzeit bewege man sich in einem Zeitraum von ein bis eineinhalb Jahren. Die Zeit des Wartens beginne also für die Menschen. "Das Einzige, was wir während dieser Zeit des Wartens tun können, ist integrieren" betonte Diller.

Deutschkurse

Ein Schritt zur Integration seien Deutschkurse. Aber auch hierbei gebe es ein Problem: Die Kosten für Deutschkurse werden nur für Asylbewerber mit einer Anerkennungschance ab 50% übernommen. Dies haben derzeit nur vier Flüchtlingsgruppen: Irakis, Iraner, Syrer und Eritreer. Alle anderen Flüchtlinge seien auf Ehrenamtliche angewiesen.

Derzeit engagieren sich 1.700 Ehrenamtliche im Landkreis. "Ohne die wäre das System schon längst zusammengebrochen" betonte der Vertreter des Landratsamtes.

Geld

Diller sprach auch den Aspekt Geld an. Ein Asylbewerber bekommt derzeit 330 Euro pro Monat, davon müssen Kleidung, Essen, Handy etc. bestritten werden.

Die Menschen in der Turnhalle bekommen weniger, da diese durch einen Caterer verpflegt werden und somit die Kosten für Essen und Trinken wegfallen. Der Satz liegt derzeit bei 143 Euro + 30 Euro für Kleidung pro Monat.

WLAN

"Wir stellen den Flüchtlingen kein WLAN zur Verfügung. Warum? Weil wir unseren eigenen Bedürftigen auch keines zur Verfügung stellen" so Diller. Gleich verhalte es sich mit der Haftpflichtversicherung. Der Landkreis Miesbach sei hier eine Ausnahme.

Arbeit

"Die Menschen kommen zu uns, um ein Leben aufzubauen, dazu gehört Arbeit. Arbeit ist aus meiner Sicht das Beste Integrationsmittel." erklärte Diller.

Ab dem 4. Monat dürfen Asylbewerber in Deutschland unter zwei Bedingungen arbeiten: 1. Vorrangprüfung, 2. Equal Pay an der Qualifikation gemessen. Natürlich dürfen Flüchtlinge immer ehrenamtlich arbeiten.

Asylhilfe Bruckmühl

Die Asylhilfe Bruckmühl lädt am Mittwoch um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung nach Bruckmühl ein. Hier finden Sie alle Informationen.

Fragen, Tipps, Anregungen - schreibt uns über What'sApp: Tel. 0162/2852300

jb

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