540 Radfahrer ohne Lobby

Bruckmühler Gemeinderat verärgert: Regierung Oberbayerns lehnt Förderung für Radl-Schutzstreifen ab

Um die Bruckmühler Straße für Radfahrer sicherer zu machen, sollte sie mit Schutzstreifen ausgebaut werden. Das lehnte die Regierung Oberbayerns als nicht förderfähig ab. Nun entsteht eine sechs Meter breite Straße – mit Gehwegen zwar, doch die Radfahrer müssen sich die Straße mit 3.600 Fahrzeugen am Tag teilen.

Bruckmühl – Das Votum des Marktgemeinderates im Februar war einstimmig: Die Bruckmühler Straße sollte von der Weihenlindener Straße bis zur Einmündung Pfarrer-Loidl-Straße und Frauenhoferstraße mit Schutzstreifen für Radfahrer ausgebaut werden. Dafür gibt es von der Regierung Oberbayerns aber keine Fördermittel.

Also wird die Straße nun doch ohne Radstreifen ausgebaut, dafür aber mit Fördermitteln. Die Verärgerung im Rat war fraktionsübergreifend, denn im Ausbaubereich befinden sich die Heufelder Grund- und Mittelschule sowie eine Kindereinrichtung. Deshalb sollte die Straße sicherer werden.

Ziel: Straße für Kinder sicherer machen

Etwa 540 Radler ab einem Alter von sechs Jahren sind auf dieser Strecke täglich unterwegs. Und mit ihnen 3.600 Fahrzeuge, darunter 120 Lkw. Zwischen 7 und 8 Uhr sind 280 Pkw, 200 Radfahrer und die Schulbusse gemeinsam auf der Straße unterwegs. Parkende Autos und Gegenverkehr führen oft zu brenzligen Situationen. Diese sollten durch Schutzstreifen für Radfahrer entschärft werden.

Georg Schollerer vom Ingenieurbüro Roplan erläuterte, dass der vorhandene Grund ausreichen würde, um beidseits einer 4,50 Meter breiten Straße einen 1,50 Meter breiten Gehweg und einen 1,25 Meter breiten Schutzstreifen anzulegen. Damit würde man die gesetzlich festgelegten Mindestmaße einhalten.

Doch in einer Kombination aus Mindestmaßen sieht die Regierung Oberbayerns keine gute Lösung und stufte diese Variante deshalb als nicht förderfähig ein. Und, so die Erfahrung des Planers: „Auch bei einer Geschwindigkeitsreduzierung – ganz egal, aus welchem Grund – würde die Straße ihre Förderfähigkeit verlieren.“ Bei Kosten von 2,1 Millionen Euro würden damit Zuschüsse in Höhe von 800 .000 Euro verloren gehen.

Das stieß auf völliges Unverständnis bei den Marktgemeinderäten: „Dass wir die Mindestmaße einhalten und trotzdem keine Förderung bekommen, muss man nicht verstehen, oder?“, kritisierte Anna Wallner (CSU/PW). „Es ärgert mich maßlos, dass da oben scheinbar nur Theoretiker sitzen. Wir schützen weder die Fußgänger, noch die Radfahrer, aber die Autofahrer. Das ist eine verkehrte Welt“, wetterte Richard Linke (OLB).

Klimaschutz und Auto-Lobby

„Worum geht es der Regierung eigentlich? Wir sind gesetzeskonform, und man kann angesichts unserer Klimaziele doch nicht noch immer permanent den Autofahrer in den Vordergrund stellen“, äußerte Stefan Mager (Grüne) sein Unverständnis für die Botschaft aus München.

Auch Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) brachte seine Verärgerung zum Ausdruck, machte aber klar, dass die Gemeinde mit einem Rechtsstreit nur wertvolle Zeit verliere, die Straße aber bereits in einem schlechten Zustand sei: „Trotz Zornes und erhöhten Blutdrucks müssen wir anerkennen, dass wir mit der besten Idee gescheitert sind. Deshalb plädiere ich dafür, dass wir die förderfähige Variante umsetzen.“

Mit 18:7 Stimmen votierte der Rat für den Ausbau der Bruckmühler Straße mit einer Fahrbahnbreite von sechs Metern und beidseitigen Gehwegen von jeweils zwei Metern. Somit gibt es keinen Schutzstreifen für Radler. Dieser kann auch nicht nachträglich „aufgezeichnet“ werden. Einziger Trost: Kinder bis zu zehn Jahren und ältere Menschen, die nicht mehr sicher auf dem Fahrrad sind, dürfen mit Begleitpersonen den Fußweg benutzen.

Halteverbot könnte Entspannung bringen

Perspektivisch könne für die Straße ein Halteverbot beantragt werden, so der Planer. Damit könnten künftig zumindest die „Slalomfahrten“ der Radfahrer um die parkenden Autos vermieden werden, die bei Gegenverkehr gefährlich sind.

Bis September werden die Rosenheimer Planer nun Planung und Fördermittelantrag erstellen. Nach Ausschreibung und Vergabe könnte der Bau im kommenden Jahr beginnen und 2023 beendet werden, avisierte Schollerer.

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow

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