Podiumsdiskussion in Götting

Wie können wir Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren?

v.l. Franz Wörndl,Florian Kaiser, Jürgen Ersing, Richard Richter, Gabriele Falch, Jakob Grau, Gerhard Schloots
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Bruckmühl - Es ist das allgegenwärtige Thema: Wie können wir die vielen Flüchtlinge integrieren? Dieser Frage stellten sich Referenten aus verschiedenen Bereichen am Montag bei der Podiumsdiskussion in der Göttinger Mehrzweckhalle.

Die BDS Ortsverbände Feldkirchen-Bruckmühl-Aying-Irschenberg-Bad Aibling- Tuntenhausen-Kolbermoor-Bad Feilnbach, der Werbering Mangfalltal und die Kreishandwerkerschaft Rosenheim luden am Montagabend alle interessierten Bürger zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Integration von Flüchtlingen - Chancen und Möglichkeiten der Eingliederung im Berufsleben" mit anschließender Fragerunde ein.

Die Referenten:

- Franz Wörndl, Holzbau Wörndl

- Florian Kaiser, Bildungsreferent der IHK

- Jürgen Ersing, Studiendirektor der Berufsschule Bad Aibling

- Gabriele Falch, Geschäftsführerin der vbw

- Jakob Grau, Bundesagentur für Arbeit Rosenheim

- Gerhard Schloots, Kreishandwerksmeister

Gekommen waren Vertreter der IHK, des VBW, der Bundesargentur für Arbeit, der Berufsschulen und der Kreishandwerkerschaft. Im Publikum befanden sich neben einigen Kommunalpolitikern viele Gewerbetreibende sowie Asylhelfer und interessierte Bürger. Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter übernahm die Moderation.

Integration nur durch Arbeit

In einem Punkt waren sich alle Anwesenden einig: Eine Integration der vielen Menschen, die zu uns kommen kann nur durch Arbeit gelingen. Die Voraussetzung dafür ist die Sprache.

Holzbau als große Chance

Zu Beginn stellte Franz Wörndl verschiedene Konzepte für Holzhäuser vor, die zur Unterbringung von Flüchtlingen dienen könnten und das in einigen Gemeinden und Städten schon tun. Laut Wörndl benötigt Deutschland pro Jahr 400.000 zusätzliche Wohnungen. "Menschenwürdiger Wohnraum ist nötig", so der Firmenbesitzer. 

Wörndl erläuterte im Anschluss kurz die Vorteile von Holzhäusern. Die aktuellen Erwartungen an den Wohnungsbau seien: "Schnell, günstig und nachhaltig. Das ist beim Holzbau gegeben."

Bürgermeister Richter, der schließlich die Podiumsdiskussion einleitete, betonte im Vorfeld: "Die Stimmung bei den Bürgern ist nicht gegen Asylbewerber. Ich bin froh, dass wir hier das Thema aufgreifen."

"Was darf der Flüchtling eigentlich?"

Als erste Referentin wies Gabriele Falch, Geschäftsführerin der vbw auf die Internetseite integration-durch-arbeit.de hin, auf der sich Gewerbetreibende, die einen Flüchtling anstellen wollen, informieren können.

Falch ging anschließend auf das Projekt IdA 1000 näher ein. Im Rahmen dieser Maßnahme werden Flüchtlinge zunächst in Sprache qualifiziert. Dann werde festgestellt was sie können "und dann kommen Sie ins Spiel" richtete sich Falch ans Publikum. "Ein Praktikum vermitteln oder sogar die Möglichkeit einer Ausbildung oder eines Arbeitsverhältnisses bieten." 

Ausreichend Mittel zur Verfügung

"In unserem Agenturbezirk haben wir ausreichend Mittel zur Verfügung", schloss Jakob Grau von der Bundesagentur für Arbeit Rosenheim an den Vortrag der Geschäftsführerin des vbw an. Die Auswahl erfolge dabei sehr stark über die ehrenamtlichen Betreuer. "Die wissen am besten, was ihre Schützlinge können."

Man müsse jedoch unterscheiden zwischen anerkannten Flüchtlingen für die das Jobcenter zuständig ist und nicht anerkannten Flüchtlingen. Für diese Menschen ist die BA zuständig.

"Ein psychologischer Dienst überprüft die Kompetenzen,die ein Flüchtling bereits hat, wenn keine Nachweise vorhanden sind."

Nach Aussage von Grau seien im Raum Rosenheim schon 30 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen geschlossen worden.

Einstieg in der Sprachförderung

Florian Kaiser, Bildungsreferent der IHK erläuterte die Maßnahmenpakete der IHK. "Wir steigen auch in der Sprachförderung ein. Es werden in naher Zukunft vier bis fünf Personen zusätzlich eingestellt werden, die für die Unternehmer da sind, wenn es Probleme gibt. Für Rosenheim wird voraussichtlich bis Anfang April ein solcher Mitarbeiter installiert sein." 

Außerdem werde es ein kostenloses Fortbildungsangebot für Gewerbetreibende geben, wie man als Arbeitgeber mit unterschiedlichen Kulturen umgeht.

"Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht"

Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots schilderte die Situation aus der Praxis: "Integration gibt es nicht erst seit jetzt. Ich habe 50 Lehrlinge gehabt, 20 davon waren Türken. Mit ihnen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht." 

Wie Schloots weiter berichtete, versuche man nicht ganz uneigennützig den jungen Menschen eine Chance zu geben. "Arbeit ist da, wir haben große Lücken." Er betonte jedoch, dass man vorrangig natürlich auch seine eigenen schwächeren Leute habe. "Die wollen wir auch bei uns im Handwerk unterbringen."

Für Schloots sei es wichtig, dass man eine Rechtssicherheit habe. "Die Menschen sollen nicht für Billiglöhne angestellt werden. Die Rechtssicherheit ist noch nicht ganz gegeben. Man muss das unbedingt mit dem Ausländeramt abstimmen und die Leute anmelden!"

"Wir bringen ihnen auch Sprache und Kultur bei"

Einen Einblick aus Sicht der Berufsschulen gab Jürgen Ersing, Studiendirektor der Berufsschule Bad Aibling: "Wir haben ein 2-Jahres Vollzeitmodell. Im ersten Vollzeitjahr bringen wir den Schülern die Sprache, unsere Kultur und deutsche Grundrechte bei. Im zweiten Jahr startet dann die Praktikumsphase." 

Schloots versicherte: "Die, die bei uns sind wollen alle arbeiten. Wir werden jedoch ein längeres Modell brauchen, um das zu bewerkstelligen. Das das schneller geht, ist eine Illusion."

Wie Ersing berichtete, werde momentan ein neuer Lehrplan ausgearbeitet. Das Fach Deutsch werde umgewandelt in "Berufssprache Deutsch".

Bitte an Unternehmer, sich offen zu zeigen

In der anschließenden Diskussion betonte Jakob Grau ebenfalls, dass der Personenkreis der Hiesigen nicht auf der Strecke bleiben dürfe

Der Bericht von Susanne Eckert von der Asylhilfe Bruckmühl bestätigte noch einmal, dass die Kompetenzfeststellung über die Asylhilfe laufe. "Wir können schon eine gewisse Vorauswahl treffen." Sie versicherte, dass angestellte Flüchtlinge von den Asylhilfemitarbeitern begleitet werden und bei Fragen jederzeit bereit stehen. 

Abschließend appellierte Eckert an die Unternehmen sich offen zu zeigen. "Sie können uns einfach kontaktieren.

Quelle: mangfall24.de

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