ABNEHMEN IM LOCKDOWN

Juliane Schubert aus Bruckmühl startet mit besonderer Mission mitten in der Krise

Voller Energie ist Juliane Schubert aus Bruckmühl ins neue Jahr gestartet. Sie hat ihre Ernährung umgestellt, genießt die Natur und ihre neue Leichtigkeit.
+
Voller Energie ist Juliane Schubert aus Bruckmühl ins neue Jahr gestartet. Sie hat ihre Ernährung umgestellt, genießt die Natur und ihre neue Leichtigkeit.

Juliane Schubert aus Bruckmühl hat sich mitten im Lockdown ein Ziel gesetzt. Sie will 60 Kilogramm abnehmen, damit ihre Söhne nicht mehr wegen ihrer „dicken Mama“ gehänselt werden. Gleichzeitig will sie anderen Mut machen und zeigen, dass man mit Mut und Willen alles schaffen kann.

Bruckmühl – Die Corona-Pandemie strapaziert nicht nur die Geduld und verdunkelt die Stimmung. Sie legt sich auch auf die Hüften. Manch einer tröstet sich damit, seine Figur „danach“ wieder in Form zu bringen. Doch eine Bruckmühlerin packt diese Herausforderung genau jetzt an: Juliane Schubert (31) hat ihren Pfunden den Kampf angesagt.

Mitten im Lockdown jongliert sie neben der Betreuung ihres einjährigen Sohnes Malte, dem Homeschooling von Torben (8) und Janosch (7) sowie ihrem Start in die berufliche Selbstständigkeit auch noch mit den Kilos.

Wenn die Kinder gehänselt werden

Und das vor allem aus einem Grund: „Ich war schon als Kind dick, wurde deshalb gehänselt und habe nie wirklich dazugehört“, erzählt sie. Über die Jahre hat sie sich zwar ihr eigenes „Mindset“ angeeignet und sich so angenommen, wie sie ist. Und auch ihr Mann Lewin liebt sie mit alle ihren Pfunden.

Doch die Umwelt sieht eben nicht mit dem Herzen und erkennt weder ihr sympathisches Wesen noch ihr schönes Gesicht. Nur vermeintliche Normen zählen, und so wurden auch ihre Söhne schon wegen der „dicken Mama“ gehänselt. Das soll nie wieder passieren.

Juliane hat sich vorgenommen, 60 Kilo abzunehmen. Nicht von heute auf morgen oder innerhalb eines Jahres. Nein. Jojo-Diäten hat sie in ihrem Leben schon zur Genüge ausprobiert, die erste schon kurz nach dem Schulanfang. Juliane will nachhaltig abnehmen und das beste Rezept dafür braucht nur „gesunde Ernährung, viel Bewegung und persönliche Motivation.“

Mit einer Ernährungsberatung im Adipositas-Zentrum hat sie angefangen. „Eine Magenverkleinerung kommt für mich nicht in Frage. Ich schaffe das allein“, ist sie entschlossen. Sie ernährt sich und ihre vier Männer jetzt bewusster, hört auf ihren Körper und gibt ihm Zeit.

Ernährung komplett umgestellt

Die ersten acht Wochen der Ernährungsumstellung hat sie gemeistert. Süßigkeiten, Chips und Pizza wurden weitestgehend vom Speiseplan verbannt. Kohlenhydrat-, zucker- und stärkereiche Lebensmittel gibt es wohldosiert. Eingekauft wird nach dem „Low-Carb-Prinzip“, das fett- und eiweißreiche Nahrungsmittel erlaubt. Mit ballaststoffreichen Nahrungsergänzungsmitteln, die es als Shakes, Riegel oder Suppen gibt, unterstützt Juliane ihren großen Plan.

Mit einer App kontrolliert sie sich. Erlaubt sind 1300 Kilokalorien am Tag. „Ich glaube früher, habe ich manchmal an die 10 000 kcal zu mir genommen und war mir dessen gar nicht bewusst“, blickt sie zurück.

Motivation auch für andere

An Wettbewerben wie „The Biggest Looser“ würde sich Juliane nie beteiligen, denn: „Ich arbeite an mir und für mich und will mich nicht mit anderen messen.“ Fast täglich postet sie ihre Erfolge auf Facebook und Instagram. „Ich will andere ermutigen mitzumachen, ihnen zeigen, dass es möglich ist und mich damit auch selbst motivieren“, sagt sie.

Angst vor bösen Kommentaren ist ihr fremd, denn sie hat ihre eigene Mission, und die lautet: „Body-Mind-Love-Yourself – ich möchte über körperliche und mentale Gesundheit erreichen, dass ich mich in meinem Körper wieder wohlfühle.“

Runter von der Couch, raus in die Natur

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil ihres Programms. Auch wenn sie als dreifache Mutter ihre 10 000 Schritte am Tag locker auf Achse ist. Mama-Sohn-Zeiten werden jetzt bewusst von der Couch in die Natur verlegt. „Wandern. Den Winter genießen. Den Ort erkunden. Sich aufs Fahrrad schwingen. Es gibt genug Möglichkeiten.“

Der Engel, den Juliane mit ihrem Körper in diesem Winter in den Schnee gemalt hat, war noch etwas rundlich. Doch er zeugt von Aufbruch. „Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal gemacht habe“, gibt die 31-Jährige zu. Sie fühlt sich wohler. „Ich merke, dass ich ganz anders Treppen steige, wandere oder Berge gehe“, beschreibt sie ihre neue Leichtigkeit. Die ersten Gipfelkreuze hat sie schon erklommen. Ihr nächstes Ziel: die Kampenwand – und zwar ganz ohne die Seilbahn.

Interview mit Oecothrophologin Jutta Peters vom Adipositaszentrum der RoMed Klinik Bad Aibling

Oecothrophologin Jutta Peters vom Adipositaszentrum der RoMed Klinik Bad Aibling.

Bruckmühl/Bad Aibling – „Die Corona-Pandemie ist kein Grund zuzunehmen,“ sagt Oecothrophologin Jutta Peters vom Adipositaszentrum der RoMed Klinik Bad Aibling. Im Interview erklärt sie, worauf es beim Abnehmen ankommt.

Ist die Corona-Pandemie der richtige Zeitpunkt zum Abnehmen?

Jutta Peters: Der richtige Zeitpunkt ist dann, wenn der Mensch selbst abnehmen will. Corona ist kein Grund zuzunehmen. Es geht auch nicht um dick oder dünn, sondern um eine gesunde Ernährung. Die ist wichtig für ein starkes Immunsystem. Übergewichtige Menschen gehören zur Risikogruppe, für die eine Coronainfektion besonders fatal wäre. Deshalb ist eine gesunde Gewichtsabnahme immer und gerade jetzt sehr förderlich.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit eine Diät gelingen kann?

Jutta Peters: Es geht nicht um Diäten. Die sind zu streng, kurzfristig und oft mit einem Jo-Jo-Effekt verbunden. Uns geht es um eine multimodale Therapie: Dazu gehören eine langsame, aber stetige Umstellung der Ernährung und des Lebensstils sowie Bewegung. Auch eine Verhaltens- oder Psychotherapie kann erforderlich sein.

Wo lauern die größten Gefahren oder Hürden?

Jutta Peters: Eckpfeiler des Alltags wie Essen oder Bewegung langfristig zu ändern, ist harte Arbeit. Viele Patienten sind sehr ungeduldig, wollen es in drei Wochen geschafft haben. Besondere Lebenssituationen oder Stress können zu Rückfällen führen. Auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben ist nicht einfach. Um alte Muster abzulegen, muss man bereit sein, Dinge zu ändern und oft auch auf lieb gewonnene Gewohnheiten verzichten oder sie reduzieren.

Können Sie gesunde Ernährung kurz umreißen?

Jutta Peters: Zur gesunden Ernährung gehören vitamin- und ballaststoffreiche Kost, frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, mageres Eiweiß und natürlich ausreichende kalorienfreie Getränke.

Welche Rolle spielt die fachliche Begleitung?

Jutta Peters: Sie bietet den Betroffenen Ernährungswissen, Feedback und Motivation.

Wie wichtig ist Bewegung?

Jutta Peters: Sehr wichtig. Gesund ist so viel Bewegung, wie sie dem Körper guttut. Damit nimmt auch die Muskelmasse wieder zu, die als aktives Stoffwechselorgan das Abnehmen unterstützt. Bewegung fördert zudem das Körpergefühl und damit den Zugang zu sich selbst.

Hintergrund: Jeder vierte Deutsche ist adipös

  • Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig, fast jeder vierte adipös. Adipositas ist eine chronische Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit, die mit einem starken Übergewicht einhergeht. Ihre Folgen sind nicht nur Gelenkerkrankungen und soziale Probleme, sondern auch ein deutlich höheres Risiko beispielsweise für Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.
  • Das Adipositaszentrum der RoMed Klinik Bad Aibling bietet konservative und operative Behandlungen des krankhaften Übergewichtes an. Nicht-operative Maßnahmen sind immer der erste Behandlungsschritt.
  • Im Adipositaszentrum können sich Menschen vorstellen, die einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 40 haben. Der BMI berechnet sich aus dem Verhältnis des Körpergewichts in Kilogramm und der Körpergröße in Metern zum Quadrat. Bestehen aufgrund der Adipositas bereits Begleiterkrankungen, wird die Grenze des BMI bei 35 angesetzt, um sich im Adipositaszentrum vorstellen zu können.
  • Die Adipositassprechstunde findet immer montags statt. Termine dafür werden dienstags bis donnerstags, von 9 bis 12 Uhr, unter Telefon 0 80 61/9 30 90 73 vergeben.

Kommentare