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Personalnot verschärft sich

Kann Bruckmühl ab 2026 Ganztagsbetreuung anbieten oder wartet schon der nächste „schwarze Peter“?

Kaum vorstellbar, dass solch ein Grundstück Begehrlichkeiten weckt. Doch es ist das einzige Grundstücke der Marktgemeinde, das für den Neubau einer Ganztagsbetreuung zur Verfügung stünde. Im ersten Schritt werden in diesem Jahr erst einmal die alten Gebäude abgerissen.
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Kaum vorstellbar, dass solch ein Grundstück Begehrlichkeiten weckt. Doch es ist das einzige Grundstücke der Marktgemeinde, das für den Neubau einer Ganztagsbetreuung zur Verfügung stünde. Im ersten Schritt werden in diesem Jahr erst einmal die alten Gebäude abgerissen.

Ein Rechtsanspruch jagt den anderen. 2026 startet die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen. Schon jetzt fehlen in der Marktgemeinde 51 Plätze in Kindereinrichtungen. Doch warum landet der „schwarze Peter“ eigentlich in Bruckmühl?

Bruckmühl – Dem Markt Bruckmühl gehen die Grundstücke aus, um alle vom Bund definierten Rechtsansprüche umsetzen zu können. Kein Wunder also, dass das Grundstück an der Rathausstraße 2 Begehrlichkeiten weckt. Nach dem Volksfest sollen die alten Gebäude abgerissen werden, die dem Markt einst als Obdachlosenunterkunft dienten. Doch was wird dann aus dem Grundstück? Ein Standort für eine Kindertagesstätte? Auf der dringlichen Suche nach Alternativen für 51 „unversorgte“ Kinder kam im Marktgemeinderat jetzt auch die Rathausstraße 2 ins Spiel.

Keine Kita, sondern Ganztagsbetreuung

„Dieses Grundstück ist die einzige Alternative für die perspektivische Ganztagsbetreuung an den Grundschulen, wenn wir den Spielplatz an der Holnstainer Grundschule erhalten wollen“, betonte Bürgermeister Richard Richter.

Ab 2026 wird das Dilemma für die Kommunen noch größer: Dann kommt zum Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung an der Grundschule hinzu. Bis 2029 hat ihn jeder Grundschüler. Der Staat macht es sich leicht: Er verankert den Rechtsanspruch in einem Bundesgesetz. Die Pflichtaufgabe, entsprechende Betreuungsplätze vorzuhalten, liegt aber bei den Kommunen. Wo, wie und mit welchen Mitteln gebaut werden soll, ist vier Jahre vor dem Start der Ganztagsschulen noch nicht klar.

Wie weit staatliche Zuschüsse reichen und wie hoch der Eigenanteil der Kommune ist, zeigt die Planung der neuen Kita an der Rösnerwiese. Dort nämlich liegen die Baukosten nach Informationen von Bayerngrund-Projektleiterin Hubavina Arnaoudova aktuell bei 3560 Euro pro Quadratmeter. Die maximale Förderung der Regierung von Oberbayern von 1024 Euro pro Quadratmeter deckt nicht einmal die Hälfte der Kosten ab.

Während der Marktgemeinderat selbstkritisch mit sich ins Gericht geht, weil nicht rechtzeitig ausreichend Kita-Plätze geschaffen wurden, sind ihm bei der Ganztagsbetreuung die Hände gebunden. Die Gemeinde kann nicht in Vorleistung gehen, um die verbleibende Zeit von vier Jahren effektiv zu nutzen, denn noch ist nichts bekannt. Es gibt weder Ausführungsbestimmungen noch Regeln, Leitfäden oder Antragsformulare. „Wir wissen nicht, welche Raumkonzepte es gibt, ob wir die Klassenräume dafür nutzen dürfen oder extra Räume anbieten müssen. Und klar ist auch nicht, wer die Kosten trägt“, erklärte Bürgermeister Richard Richter in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung und machte eindringlich klar: „Wir kommen in eine noch prekärere Lage als jetzt.“

Das bestätigt auch Wilfried Schober, Direktor des Bayerischen Gemeindetages. Hinzu komme, dass den meisten Gemeinden die Grundstücke fehlten. Die Frage sei also vor allem, wo und wie die Kommunen bauen sollen: An die Schulen an- oder bestehende Gebäude in die Höhe bauen? „Der Staat wird eine Förderung auflegen müssen“, betont Schober und legt den Finger auf die nächste Wunde: „Vielen Kommunen fehlen jetzt schon die Baufirmen, um ihre Projekte umsetzen zu können.“ Doch Handwerker sind nicht die einzigen Fachleute, die fehlen. Auch Erzieher sind knapp, und die werden für die Ganztagsbetreuung gebraucht. Denn auch wenn das Meiste noch nicht klar ist, eines hat der Bund schon festgelegt: „Es darf keine Mittags- und keine Nachmittagsbetreuung sein“, informiert Bürgermeister Richter. Das bedeutet konkret: Quereinsteiger sind dann nicht mehr erlaubt. Ab 2026 werden auch für die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen weitere zusätzliche Erzieher oder Pädagogen gebraucht.

Für Betreuung und Bau fehlen die Leute

Und das, obwohl nach Informationen des bayerischen Sozialministerium schon 2025 circa 19 400 Fachkräfte im Kinder- und Jugendbereich fehlen. „Das ist ein Riesenproblem, das kaum zu lösen ist“, betont Schober. Der Widerspruch zwischen dem Rechtsanspruch auf der einen und der Umsetzbarkeit auf der anderen Seite wird mit der Ganztagsbetreuung noch größer werden.

Zur Ursache hat der Bayerische Gemeindetag eine klare Position: „Die Politik hat hier ohne Rücksicht auf die Personalnot eine soziale Wohltat beschlossen, um sich bei den Wählern beliebt zu machen. Da Bund und Freistaat nicht selbst die Wohltat umsetzen müssen, haben sie Gemeinden und Städte – wie so oft – in die Klemme gebracht.“

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