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Spurensuche mit Papierenen Zeitzeugen

Pfingstgrüße aus vergangenen Tagen in der heimatkundlichen Sammlung Bruckmühl

Diese Maikäfer-Karte erhielt Ignatz Stettner am 18. Mai 1908 aus Bruckmühl.
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Diese Maikäfer-Karte erhielt Ignatz Stettner am 18. Mai 1908 aus Bruckmühl.

In der heimatkundlichen Sammlung des Marktes Bruckmühl finden sich auch historische Pfingstpostkarten. Es sind papierene Zeitzeugen. Viele von ihnen stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie erzählen von den Sorgen und Nöten der Menschen in jener Zeit und von ihren Sehnsüchten.

Bruckmühl – Wo durch die Corona-Pandemie die persönlichen Kontakte fehlen, greift man zum Telefon, oder auch mal wieder zu Grußkarte oder Briefpapier. Nach Informationen der Bundesnetzagentur werden in Deutschland jährlich etwa 14 Milliarden Briefe und Karten verschickt.

Aus dem Jahr 1930 stammt dieses „Blumenmädchen“-Motiv.

Ungebrochen hoch ist der Versand von Weihnachtspost. Wie die Deutsche Post berichtet, schrieben allein im vergangenen Jahr 665 000 Kinder Briefe an das Christkind. Auch zu Ostern werden noch Grußkarten verschickt. Doch Pfingstkarten landen kaum mehr in den Briefkästen.

Ein dörfliches Motiv.

Lesen Sie auch: Bruckmühler „Oberstübchen“ ist leer: Heimatkundliche Sammlung zieht ins BRK-Gebäude um (Plus-Artikel ovb-onlinde.de)

Ganz im Gegensatz zu vergangenen Tagen. In der von Helmut Giese angelegten und betreuten heimatkundlichen Sammlung desMarktes Bruckmühlfinden sich gut 30 historische Pfingstpostkarten. Es sind papierene Zeitzeugen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Viele von ihnen stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918. Sie erzählen von den Sorgen und Nöten der Menschen in jener Zeit und von ihren Sehnsüchten.

Zum Pfingstfest 1908 ging eine Karte an Ignatz Stettner, der damals in der 3. Kompanie des 2. Infanterieregiments am Oberwiesenfeld in München seinen Militärdienst ableistete. Gestempelt wurde die Karte am 18. Mai 1908 in Bruckmühl.

Besonders interessant ist eine Postkarte aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Wie eine Karte Geschichte erzählt

Am 22. Mai 1915 schrieb Korporal Dr. Franz Leitner von der 48. Kompanie an seine Frau Rudolfine in Wien: „Liebstes Weiberl, herzliche Grüße zu Pfingsten an Dich und Bubi.“ Neben dem Poststempel ist auch der Stempel „K. u. K. Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4“ zu sehen.

Im Online-Wissensportal nachgefragt, lässt das darauf schließen, dass Korporal Leitner beim Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister diente, das 1696 als „kaiserliches Regiment Teutschmeister zu Fuß“ der Kaiserlich-Habsburgischen gegründet wurde und bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Wien stationiert war. Nach 1915 hieß es dann nur noch Infanterieregiment Nr 4.

Und noch etwas lässt sich über den Verfasser der Postkarte herausfinden: An welchen Gefechten er möglicherweise teilgenommen hat. So findet sich im Gemälde des österreichischen Malers Karl Friedrich Gsur „Abwehrkampf einer MG-Abteilung“ der Hinweis auf ein Gefecht des Infanterieregiments 4 auf der Höhe Gora Sokal am Bug (in der heutigen Ukraine) am 20. Juli 1915.

Ein typisches Motiv aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Es könnte also durchaus sein, dass auch Korporal Leitner im Frühjahr/Sommer 1915 an der Bug-Offensive von deutschen und österreich-ungarischen Truppen gegen die Russische Armee beteiligt war. Ob er aus diesen Gefechten lebend zurückkehrte oder zu den im Ersten Weltkrieg gefallenen 9,4 Millionen Soldaten zählt, ist nicht bekannt.

Motiv zeugt von einer schweren Zeit

Die Bildseite seiner Pfingstkarte ziert ein für diese Zeit typisches Motiv: Zwei Weltkriegssoldaten – einer davon mit Pickelhaube – grüßen von der Front, während daheim die treusorgende Ehefrau mit ihren drei Kindern hofft und bangt. Wie es der Familie daheim ergangen sein mag, kann man nur erahnen.

Blickt man in die Archive des Deutschen historischen Museums heißt es dort: „Die Zivilbevölkerung in den Krieg führenden Staaten litt unter zunehmenden Entbehrungen. Insbesondere in Deutschland und Österreich-Ungarn bestimmte ab Mitte 1915 allgemeiner Mangel den Alltag der Menschen. Ab dem Winter 1915/16 litten immer mehr an chronischer Unterernährung.“

Anregung für das Corona-Pfingstfest

Pfingsten 1919 wurde die Karte mit Flieder-Motiv geschrieben.

Doch zurück zu den Pfingstkarten, die Helmut Giese in der heimatkundlichen Sammlung aufbewahrt. Beliebte Pfingstkarten-Motive waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Stillleben mit den für die Jahreszeit typischen Blüten von Flieder oder Maiglöckchen. Doch auch Maikäfer auf einem Spaziergang gab es als Motiv. Damals wurden die Tiere wohl auch in der Natur noch häufiger gesehen als heute.

Im Mai 1940 erhielt Soldat Simon Hauser diese Feldpost.

Auch wenn das Verschicken von Pfingstwünschen längst aus der Mode gekommen ist: Eine farbenfrohe Pfingstkarte könnte gerade in diesen tristen Pandemie-Zeiten bestimmt Freude bringen.

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