Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bürgermeister Richard Richter im Interview

Ein Jahr nach der Sturzflut: Sind die Dörfer am Fuße des Irschenbergs jetzt besser geschützt?

Diese Bilder bleiben unvergesslich: Viele Grundstücke am Fuße des Irschenbergs versanken in den Sturzfluten.
+
Diese Bilder bleiben unvergesslich: Viele Grundstücke am Fuße des Irschenbergs versanken in den Sturzfluten.

Die Erinnerungen an die Sturzflut vom 26. Juli 2021 sind noch frisch, auch wenn ein Jahr vergangen ist. Was hat sich seitdem getan? Sind die Menschen am Fuß des Irschenbergs heute in Sicherheit? Bürgermeister Richard Richter gibt im Interview Antworten.

Bruckmühl – Vor einem Jahr traten die Wildbäche am Irschenberg über ihre Ufer, und schossen als Sturzflut aus dem Wald, über die Felder und auf einer Länge von etwa sechs Kilometern über alle Ortschaften am Fuße der Irschenberger Leite.

Allein der Schaden an öffentlichen Bachläufen, Wegen, und Brücken der Marktgemeinde Bruckmühl lag bei etwa 800.000 Euro. Der Schaden an privatem Hab und Gut ist unermesslich. Im Interview mit dem Mangfall-Boten erklärt Bürgermeister Richard Richter, wie die Katastrophe aufgearbeitet wurde und was in den nächsten Jahren zu tun ist.

Seit der Sturzflut ist ein Jahr vergangen. Sind die Menschen von der Vagener Au über Mittenkirchen, Thalham und Götting bis Oberstaudhausen jetzt geschützt?

Richard Richter: Nein, das sind sie noch nicht. Trotzdem hat sich viel getan. Angefangen hat das direkt nach der Sturzflut mit der Beseitigung der Schäden an Bachläufen, Straßen und Wegen. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, das für die Oberläufe der Wildbäche zuständig ist, hat alte Sperren ertüchtigt, Sand- und Kiesfänge geräumt und Gespräche mit den Eigentümern geführt, um die Gewässer auszubauen. Das Echo war positiv. Jetzt arbeiten wir an Konzepten für den Schutz vor Sturzfluten. Da hilft uns keine operative Hektik. Wir brauchen nachhaltige Lösungen.

Wie sehen die aus?

Richard Richter: Es gibt noch keine konkreten Projekte, aber seit dem 26. Juli 2021 arbeiten wir intensiv daran. Gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt und Fachbüros haben wir auf das Gesamtsystem geschaut und untersucht, wie es zu dieser Sturzflut kam, woher das Wasser kam, wohin es geflossen ist und wo in diesem Bereich die Problemstellen sind. Aus Begehungen unmittelbar nach der Katastrophe und Gesprächen mit den Betroffenen, aus ihren Beschreibungen, Fotos und Videos hat Herbert Prax von der Salzburger dlp Ziviltechniker GmbH eine Karte der Fließrichtungen erarbeitet.

Sie bildet die Grundlage für das kommunale Sturzflut-Risikomanagement, an dem die Bietergemeinschaft aus SKI GmbH München und CfLab GmbH aus Grassau im Auftrag der Marktgemeinde arbeitet. Ich rechne im September mit ersten Ergebnissen. Wir haben auch die Helfer besser ausgerüstet und zwei Wassersperren für die Feuerwehren angeschafft. Trotzdem bleibt unterm Strich auch die Wahrheit, dass bei allen künftigen Sturzflut-Schutzmaßnahmen ein Restrisiko bleibt, und die Bürger ihre Häuser schützen müssen.

Richard Richter

Sie dürfen ja aber keine Schutzmauern bauen oder provisorischen Dämme aufschütten oder auf eigene Faust Uferböschungen erhöhen. Was können sie denn tun?

Richard Richter: Sie können beispielsweise die Keller und Schächte ihrer Häuser abdichten oder bei einem Neubau hochwassergerecht bauen und auf den Ausbau der Keller zum Beispiel als Wohnraum verzichten.

Es gab auch die Kritik, dass beispielsweise in Götting die Straßenentwässerung nicht funktioniert hat.

Richard Richter: Wir sind allen Kritiken nachgegangen, denn eines ist klar: Der Markt Bruckmühl würde alle Maßnahmen ergreifen, die zur Verbesserung der Situation beitragen. Wir haben die Straßenentwässerung – im konkreten Fall war es eine Rigolenversickerung – gespült, geprüft und von einem Ingenieurbüro sogar noch einmal neu berechnen lassen. Sie ist ausreichend und war auch in der Katastrophennacht nicht das Problem.

Lassen sich erste Tendenzen erkennen, welcher „große“ Schutz an der Irschenberger Leite gebraucht wird?

Richard Richter: Aus den Erfahrungen an den Berghamer Bächen vermute ich, dass wir auch an der Irschenberger Leite Rückhaltebauwerke am Oberlauf der Wildbäche brauchen.

Kann sich die Marktgemeinde solch millionenschwere Projekte überhaupt noch leisten?

Richard Richter: Es gibt Fragen, die stellen sich nicht: Es ist zu leisten.

Kurz nach der Flut gab es auch herbe Kritik am Krisenmanagement der Marktgemeinde. Wie schätzen Sie das mit dem Abstand von einem Jahr ein?

Richard Richter: Der Einsatz der Helfer vom Abend über die Nacht bis in den nächsten Tag hinein war außergewöhnlich. Es war eine katastrophale Situation: Hilferufe aus allen Ecken, ein Einsatz unter schwersten Bedingungen – in der Dunkelheit, über kaum passierbare Straßen. Den Helfern gilt meine höchste Anerkennung. Dass sich unsere Verwaltung auf Grundlage der Gesetze erst einmal orientieren musste, beispielsweise wie der Müll entsorgt werden kann oder ob wir Container aufstellen dürfen, liegt daran, dass solche Katastrophen zum Glück keine Routine sind. Wäre Katastrophenalarm ausgerufen worden, wäre vermutlich vieles einfacher zu organisieren gewesen.

Ein Unwetter mit extremen Niederschlägen und Schwemmgut, dass die Kiesfänge verstopfte ließ die Wildbäche am 26. Juli 2021 über ihre Ufer treten.

Die Bürger haben nach der Sturzflut aber auch kritisiert, dass sie nicht ausreichend informiert worden sind.

Richard Richter: Wir haben damals alle Informationen auf unsere Homepage gestellt, weil wir keine schnelleren Wege hatten. Wir wissen jetzt, dass man in und nach einer solchen Katastrophe die Menschen damit nicht erreicht. Sie haben die Informationen nicht wahrgenommen. Deshalb führen wir jetzt ein wichtiges neues Kommunikationsinstrument ein: Ab Januar geht die Marktgemeinde Bruckmühl mit einer eigenen App an den Start.

Was kann die besser?

Richard Richter: Sie zeigt mit Push-Nachrichten unmittelbar an, wenn es Neuigkeiten gibt. So kommen beispielsweise auch Warnungen sofort beim Bürger an. Die App spricht den Nutzer direkt an und ermöglicht zudem eine Interaktion von Gemeinde und Bürger. Das kennt jeder von WhatsApp. Damit ermöglichen wir eine unmittelbare Information unserer Bürger – und das nicht nur im Notfall, sondern im wahrsten Sinne des Wortes in guten und in schlechten Zeiten.

Kommentare