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Große Hilfsbereitschaft in der Region

Seit Unfall querschnittsgelähmt: Irschenberger Dominik Niggl hat die Herausforderung angenommen

Angekommen in seinem neuen Leben ist Dominik Niggl. Seine Schwester Magdalena hat eine Spendenaktion gestartet und sich darum gekümmert, dass die Garage in ein behindertengerechtes Apartment umgebaut werden konnte. Neu ist auch Hund Vitus. Als Labrador kann er gut zum Hilfehund ausgebildet werden.
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Angekommen in seinem neuen Leben ist Dominik Niggl. Seine Schwester Magdalena hat eine Spendenaktion gestartet und sich darum gekümmert, dass die Garage in ein behindertengerechtes Apartment umgebaut werden konnte. Neu ist auch Hund Vitus. Als Labrador kann er gut zum Hilfehund ausgebildet werden.

Gut ein Jahr ist es her, dass sich das Leben von Dominik Niggl aus Irschenberg dramatisch geändert hat. Seit seinem Unfall im Schnee ist der damals 23-Jährige querschnittsgelähmt. Krankenhaus, Reha – ein langer und schwerer Weg in ein neues Leben beginnt. Dominik Niggl hat die Herausforderung angenommen.

Irschenberg/Bruckmühl – Dominik Niggl sitzt in seinem neuen Heim am Tisch und lächelt. Davon abgesehen, dass er im Rollstuhl sitzt, was der Tisch kaschiert, wirkt der 25-Jährige wie ein normaler junger Mann, der in eine neue Wohnung gezogen ist. „Die Küchenzeile fehlt noch“, sagt er beinahe ein wenig entschuldigend. „Und der Kühlschrank auch.“ Ansonsten ist das ebenerdige Apartment gemütlich. Ein Platz zum Wohlfühlen.

Gutes Gefühl in den eigenen vier Wänden

Für den jungen Mann ist es ein gutes Gefühl, in seinen eigenen vier Wänden zu sein. Monatelang hatte er darauf verzichten müssen. Das Gefühl, daheim zu sein, hat er in den knapp sechs Monaten im Krankenhaus und in der Reha extrem vermisst. Je Länger, desto Schlimmer.

In den Schnee fallen gelassen

Etwas über ein Jahr ist es her, dass er am 16. Januar 2021 seine Wohnung im Haus der Familie verließ und erst Monate später zurückkehrte. Zusammen mit einem Freund wollte er damals einen entspannten Samstag in Fischbachau verbringen. In der Natur, in den Bergen. Es war ein sonniger Tag, der Schnee glitzerte so verführerisch, dass er geradezu dazu einlud, sich hineinfallen zu lassen. Was Dominik auch tat. Was er nicht sah: Verborgen im Schnee lag ein Steinbrocken. Er prallte mit dem Kopf dagegen, brach sich einen Wirbel. Notarzt. Hubschrauber. Krankenhaus. Auf einmal alles anders.

Auch für seine Schwester Magdalena Niggl änderte sich das Leben schlagartig. Erst der Schock des Unfalls. Dann die Diagnose und die Angst, wie es weitergehen soll. Wie soll ihr Bruder leben, wenn das alte Leben nicht mehr funktionieren kann? „Es war eine schwere, belastende Zeit“, gesteht die 26-Jährige. Zumal Dominiks Unfall nicht der erste Schicksalsschlag für die junge Frau und ihre Familie war. 2015 starb ihre Mutter, dann folgte 2019 ihr Vater.

Aber die Geschwister haben gelernt zu kämpfen. Während sich ihr Bruder im Krankenhaus den Folgen seines Unfalls stellen musste – querschnittsgelähmt von der Brust abwärts –, plante Magdalena seine Rückkehr und traf zusammen mit der Familie eine Entscheidung: Ein Spendenaufruf über Facebook sollte so viel Unterstützung bringen, dass die Doppelgarage im Elternhaus in eine behindertengerechte Wohnung umgebaut werden kann.

Das Ergebnis war für alle unglaublich, denn die Hilfsbereitschaft war riesengroß. Zuletzt hatte die Spielvereinigung Unterhaching über ihr Sozial-Format „Haching schaut hin“ 20000 Euro für den Umbau gespendet (wir berichteten). „Das ist Wahnsinn, wie uns so viele Leute geholfen haben“, sagt Dominik. Und seine Schwester stellt fest: „Ohne diese Unterstützung hätten wir das alles nicht schaffen können. Und wir wüssten nicht, wie wir Dominik versorgen sollen.“ Daher sagen beide allen Spendern „aus tiefsten Herzen Dankeschön“.

Bloß keinen Krankenhaus-Charme

Beim Umbau der Doppelgarage hat Magdalena Niggl darauf geachtet, dass die Wohnung zwar behindertengerecht wird, aber möglichst viel Normalität ausstrahlt. Also bloß keinen Krankenhaus-Charme. „Sie hat alles geplant, sich Hilfe gesucht, Materialien und Farben ausgesucht“, sagt Niggl. „Es ist super geworden.“ Und sie antwortet: „Und er hat mir vertraut und mich machen lassen.“

Auch das Bad ist natürlich rollstuhlgerecht eingerichtet.

Damit sich Dominik trotz Rollstuhl möglichst selbstständig bewegen kann, ist die ganze Wohnung mit KNX, einer Art Smart-Home-System, ausgestattet. Das heißt: Alles, was man sonst mit den Händen bedient, wird hier elektronisch per Handy angesteuert und von Motoren bewegt. Terrassentür, Fenster, Rollläden, Heizung, Licht. Das Handy zu bedienen klappt Gottlob noch. „Ich habe zwar Probleme mit den Fingern“, erzählt Dominik, während er sein Handy mit dem Daumen im Haltering hochhebt, „aber ich kann alles bedienen.“

Doch das ist ein riesiger Erfolg. „Am Anfang konnte ich mich nicht selbstständig im Rollstuhl halten“, sagt der 25-Jährige, der aufgrund seiner Schulzeit noch einen großen Freundeskreis in Bruckmühl besitzt. Es habe Monate gedauert, die Muskulatur nach dem langen Liegen aufzubauen, sich wieder halbwegs stabil halten zu können. Und die Arbeit ist noch nicht vorbei. Jeden Tag kommt vormittags der Pflegedienst, während seine Schwester halbtags arbeitet. Trainieren, üben – ein hartes Programm. „Es sieht einfach aus, aber für mich ist das wahnsinnig anstrengend.“

Damit es Dominik gut geht, hilft die ganze Familie zusammen. Essen wird vorgekocht, mit dem gebrauchten Van werden Ausflüge mit Rollstuhl gemacht, und Schwester Magdalena, die mit ihrem Verlobten ebenfalls im Haus wohnt, unterstützt ihn, wo es nur geht.

Viel gelernt und nachgedacht

Doch die vielen Spenden sind nicht die einzige Überraschung. „Es gab sehr viel Unterstützung und Briefe von Leuten“, erzählt Dominik. Freunde und Bekannte von früher hätten sich gemeldet. Auch über Werte wie Geduld und innere Einstellung habe er viel nachgedacht und gelernt.

In der Unfallklinik Murnau, wo er langsam zurück ins Leben geführt wurde – „eine super Klinik mit tollen Leuten“, schwärmt er –, habe er „alle Arten von Einstellungen“ kennengelernt. „Einige haben sich hängen lassen, andere nach vorne geblickt und über ihre Behinderung Witze gemacht.“ Sein eigener Weg ist klar: „Auch wenn es manchmal schwer ist, blicke ich nach vorne. Ich bin ein positiver Mensch.“ Und er hadert nicht mit dem Unfall. „Was passiert ist, ist passiert. Davon wird es nicht besser.“ Diese Einstellung wird belohnt. Der 25-Jährige hat auch eine feste Freundin – trotz Handicap. „Gekannt haben wir uns schon vorher, aber erst während dieser Zeit ist mehr daraus geworden.“

Vitus ist das neue Familienmitglied

Niggl sitzt in seinem neuen Heim am Tisch und lächelt. Neben ihm liegt sein neuer Freund auf dem Boden. Vitus, ein junger Labrador. „Diese Rasse ist sehr geduldig und kann zum Hilfehund ausgebildet werden“, erzählt Magdalena. Vielleicht mal Dinge vom Boden aufheben, wenn etwas runterfällt. In erster Linie hilft Vitus aber durch seine Anwesenheit. Für Niggl bedeutet er Ablenkung und eine Aufgabe. Vor allem aber ein weiteres Stück Normalität.

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