Bruckmühler Vorsitzender von Gymnasial-Direktoren-Verband im Interview

„Lehrer und Schulleitungen müssen ausbaden, was so kurzfristig festgelegt wurde“

Schulleiter Walter Baier aus Bruckmühl.
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Schulleiter Walter Baier aus Bruckmühl.

Seit Montag, den 12. April gilt eine Corona-Testpflicht an Schulen in Bayern. Im Interview mit mangfall24.de berichtet Walter Baier, Schulleiter am Gymnasium Bruckmühl Erster Landesvorsitzender der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien e.V., wie das Programm angelaufen ist.

mangfall24.de: Wie sind die Testungen angelaufen?

Walter Baier: Wir haben das bewusst mit Bedacht angegangen. Zunächst einmal gab es am Montag eine Schulung für alle Lehrer, damit sie wissen, wie sie den Selbsttest mit ihren Schülern umsetzen können. Die eigentlichen Tests am heutigen Dienstag liefen dann auch sehr entspannt ab. Jeder wusste, was er zu tun hatte.

Gab es bereits positive Testergebnisse?

Ja, aber nur einen einzigen. Auch das ist, den Umständen entsprechend, sehr gut abgelaufen. Die Schüler waren ja schon vorher darüber informiert worden, dass ein positiver Test nicht zwangsläufig auch eine Infektion bedeuten muss. Das Kind war nie alleine, die Schulpsychologin stand ihm zur Seite, bis seine Eltern kamen. Diese werden jetzt einen PCR-Tests durch einen Arzt durchführen lassen. Sollte wirklich eine Infektion vorliegen, hätten wir damit schon einmal verhindert, das Mitschüler und Lehrer angesteckt werden.

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen am Montag hatten Sie die Kurzfristigkeit des Ganzen beklagt. Wurden da eventuell auch Erinnerungen an vor zwei Monate wach, als ebenfalls binnen kurzer Zeit die Umstellung auf Digitalunterricht organisiert werden musste?

Das ist ja mit den Testungen ein sehr viel sensibleres Thema. Aber auch damals haben wir es rasch geschafft, eine gute Struktur aufzubauen, um den Kindern einen guten Tagesablauf zu bieten. Wir, die Lehrer und Schulleitungen müssen halt in beiden Fällen ausbaden, was so kurzfristig festgelegt wurde.

Allerdings fürchte ich, dass sich diese Kurzfristigkeit auch nicht ganz verhindern lässt. Das Kultusministerium entscheidet ja die Vorgaben nicht selbst, sondern auch Bundes- und Staatsregierung sowie das Gesundheitsministerium reden da mit. Das ist ärgerlich aber leider unvermeidlich.

Wie ist die Stimmung seitens der Eltern und Lehrer?

Die meisten sehen und schätzen es, dass Lehrer und Schulleitung kurzfristig die Testungen umsetzen mussten und dabei ihr Bestes gegeben haben. Das ist es, was einem wieder Kraft gibt, wenn man merkt. Die eigene ‚Schulfamilie‘ steht hinter einem. Natürlich gibt es auch Eltern, die ihren Kindern die Tests nicht zumuten wollen und sie daheim lassen. Das ist natürlich ihr gutes Recht. Seitens der Lehrkräfte war es sicher ein seltsames Gefühl, diese Tests anleiten zu müssen. Aber es ist ihnen garantiert lieber, als die Schüler nicht vor Ort unterrichten zu können.

Wie hat sich die Pandemie insgesamt auf die Leistungen der Schüler ausgewirkt?

Ganz unterschiedlich. Manche haben mit Selbstorganisation und -Disziplin viel ausgleichen können. Aber mindestens so viele haben Lücken aufgebaut oder ganz den Anschluss verloren. Wirklich wissen können wir das erst, wenn wir wieder schriftliche Prüfungen abhalten können.

Was bedeutet die aktuelle Lage für die Abschlussjahrgänge?

Im vergangenen Jahr hatten die Abiturienten ja zumindest noch einen Vorlauf durch Präsenzunterricht. Dem aktuellen Jahrgang fehlt das. Aber sie sind gut vorbereitet und fiebern den Prüfungen entgegen. Das jetzt noch abzusagen wäre für sie ein harter Schlag.

Wie ist die Belastung für Lehrer und Schulleitung?

Neben der Pandemie haben wir ja noch den normalen Jahresablauf zu bewältigen. Neben dem Abitur gilt es auch den Übertritt von der Grundschule zu organisieren. Es gilt, Personal- und Haushaltspläne auf den Weg zu bringen. Man merkt den Erschöpfungsgrad der Lehrkräfte heuer deutlicher als in den Jahren zuvor. Da tut es dann besonders weh, wenn man hört wie manche Eltern über Lehrer und Schulen schimpfen.

Was würden Sie sich von der Politik wünschen?

Das Schuljahr dauert nicht mehr lange. In sechs Wochen sind Pfingstferien und danach dauert es nicht mehr lange. Es wäre jetzt an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man das Problem des Vorrückens in die nächsten Jahrgangsstufen löst. Denn schriftliche Prüfungen waren ja bisher nicht nötig. Wie soll man da ein Zeugnis ausstellen? Da braucht es rechtzeitig und nicht kurz vor knapp Lösungen.

hs

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